Lawh-i-Hikmat
Das Tablet der Weisheit

Das Tablet der Weisheit

Dies ist ein Lehrbrief, den der Allerbarmer aus dem Reich des Wortes herniedersendet. Er ist fürwahr ein Lebenshauch für die, so im Reiche der Schöpfung wohnen. Verherrlicht sei der Herr aller Welten! In diesem Lehrbrief wird des Mannes gedacht, der den Namen Gottes, seines Herrn, erhöht und in einem gewichtigen Sendschreiben Nabíl genannt ist.

O Muḥammad! Höre auf die Stimme, die vom Reiche der Herrlichkeit ausgeht und laut aus dem himmlischen Baum hoch über dem Lande Za‘farán ruft: »Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Mir, dem Allwissenden, dem Weisen.« Sei du wie der Odem des Allbarmherzigen für die Bäume im Reiche des Seins: Fördere ihr Wachstum durch die Kraft des Namens deines Herrn, der Gerechte, der Allunterrichtete. Unser Wunsch ist es, dich mit allem vertraut zu machen, was dem Volke zur Mahnung dient, damit die Menschen ablegen, was unter ihnen im Schwange ist, und ihr Angesicht Gott, dem Herrn der Aufrichtigen, zukehren.

Wir ermahnen die Menschheit in diesen Tagen, da das Antlitz der Gerechtigkeit in Staub gehüllt ist, da hoch die Flammen des Unglaubens lodern und das Gewand der Weisheit zerrissen ist, da Ruhe und Treue verebben, Prüfungen und Drangsale aber heftig angeschwollen sind, da Bünde gebrochen und Bande zertrennt werden, da kein Mensch mehr weiß, wie er das Licht von der Finsternis, die Führung vom Irrtum unterscheiden soll.

O Völker der Welt! Gebt alles Böse auf und haltet fest, was gut ist. Strebt danach, der ganzen Menschheit leuchtende Beispiele zu bieten und Wahrzeichen der göttlichen Tugenden unter den Menschen zu sein. Wer sich aufmacht, Meiner Sache zu dienen, sollte Meine Weisheit offenbaren und alle Mühe darauf wenden, die Unwissenheit von der Erde zu verbannen. Seid einig in der Beratung, seid eins im Denken. Laßt jeden Morgen besser sein als den Abend davor und jeden neuen Tag reicher werden als den gestrigen. Des Menschen Vorzug liegt im Dienst und in der Tugend, nicht im Prunk des Wohllebens und des Reichtums. Habt acht, daß eure Worte rein sind von eitlem Wahn und weltlichen Lüsten und eure Taten von List und Argwohn. Vergeudet nicht den Reichtum eures kostbaren Lebens im Verfolg böser, verderbter Neigung, noch laßt eure Mühe völlig in der Förderung eurer eigenen Interessen aufgehen. Seid großzügig in Tagen der Fülle und geduldig in der Stunde des Verlustes. Auf Not kommt Erfolg, und Jubel folgt dem Wehe. Nehmt euch in acht vor Faulheit und Müßiggang, haltet euch an das, was der Menschheit, ob jung oder alt, hoch oder niedrig, Nutzen bringt. Hütet euch, das Unkraut des Zwistes unter die Menschen zu säen oder die Dornen des Zweifels in reine, strahlende Herzen zu pflanzen.

O ihr Geliebten des Herrn! Begeht nichts, was den klaren Fluß der Liebe verschmutzt oder den süßen Duft der Freundschaft tilgt. Bei der Gerechtigkeit des Herrn! Ihr seid erschaffen, einander Liebe zu bezeigen, nicht Eigensinn und Groll. Seid nicht stolz auf eure Eigenliebe, sondern auf die Liebe zu euren Mitgeschöpfen. Rühmt euch nicht der Liebe zu eurem Vaterland, sondern der Liebe zur ganzen Menschheit. Laßt euer Auge keusch, eure Hand getreu, eure Zunge wahr und euer Herz licht sein. Setzt nicht die Stufe der Gelehrten in Bahá herab und schmälert nicht den Rang solcher Herrscher, die Gerechtigkeit zwischen euch üben. Vertraut auf die Heerschar der Gerechtigkeit, legt den Harnisch der Weisheit an, schmückt euch mit Vergebung und Barmherzigkeit sowie mit allem, was den Begünstigten Gottes das Herz erfreut.

Bei Meinem Leben! Die Betrübnisse, die du erwähnst, haben Mich traurig gemacht. Achte nicht der Kinder dieser Welt und all ihrer Taten, sondern hefte deinen Blick auf Gott und seine immerwährende Herrschaft. Wahrlich, Er ruft dir in Erinnerung, was der Quell des Ergötzens für die ganze Menschheit ist. Trinke das lebenspendende Wasser seliger Freude aus dem Kelch des Wortes, den der Urquell göttlicher Offenbarung reicht – Er, der deiner in dieser mächtigen Feste gedenkt. Mühe dich bis an die Grenzen deiner Kräfte, weise und beredt dem Wort der Wahrheit Geltung zu verschaffen und die Falschheit vom Antlitz der Erde zu bannen. So befiehlt dir der Morgen göttlicher Erkenntnis an diesem leuchtenden Horizont.

O du, der du in Meinem Namen sprichst! Sieh das Volk und was es in Meinen Tagen angerichtet hat. Einem der Herrscher haben Wir offenbart, was alle Erdenbewohner überwältigt; Wir haben ihn aufgefordert, Uns den Gelehrten dieser Zeit gegenüberzustellen, damit Wir vor ihm selbst das Zeugnis Gottes, Seine Beweise, Seine Herrlichkeit und Majestät darlegen könnten; und damit hatten Wir nur das Allerbeste im Sinn. Aber er beging, was in den Städten der Gerechtigkeit und Billigkeit alle Einwohner wehklagen ließ. So ward das Urteil gefällt zwischen Mir und ihm. Wahrlich, dein Herr ist der Gesetzgeber, der Allunterrichtete. Wie kann sich unter den Umständen, die du siehst, der Himmelsvogel in die Lüfte göttlicher Geheimnisse emporschwingen, wenn seine Flügel mit den Steinen eitlen Wahns und grimmen Hasses zerschmettert werden, wenn er in einen Kerker aus hartem Fels geworfen ist? Bei der Gerechtigkeit Gottes! Das Volk hat ein schlimmes Unrecht verübt.

Was deine Bemerkung über den Anbeginn der Schöpfung anbelangt, so ist dies ein Gegenstand, über den die Auffassungen wegen der Verschiedenheiten der Gedanken und Blickpunkte auseinandergehen. Wolltest du behaupten, die Schöpfung habe immer bestanden und werde allzeit weiterbestehen, so wäre dies wahr; würdest du hingegen diejenige Vorstellung vertreten, die in den heiligen Schriften erwähnt ist, so gäbe es daran keinen Zweifel, denn sie ist von Gott, dem Herrn der Welten, offenbart. Er war fürwahr ein verborgener Schatz. Dies ist eine Stufe, die niemals beschrieben werden oder auch nur angedeutet werden kann. Und auf der Stufe des ›Ich wünschte, Mich bekannt zu machen‹ war Gott; Seine Schöpfung bestand immer unter Seinem Schutz, vom Anfang an, der keinen Anfang hat, abgesehen davon, daß ihr ein Vorsein voranging, das nicht als Vorsein betrachtet werden kann und von einer Ursache begründet ist, die selbst für alle Gelehrten unerforschlich bleibt.

Was besteht, bestand zuvor, aber nicht in der Gestalt, in der du es heute wahrnimmst. Die Welt des Seins entstand durch die Wärme, welche die Vermischung zwischen dem Wirkenden und dem Wirkung Empfangenden hervorrief. Beide sind gleich und doch verschieden. So unterrichtete dich die Große Verkündigung über dieses allherrliche Gefüge. Was wirkt und was die Wirkung empfängt, ist fürwahr beides durch das unwiderstehliche Wort Gottes erschaffen, das die Ursache der ganzen Schöpfung ist, während alles außer Seinem Wort erschaffen und bedingt ist. Wahrlich, dein Herr ist der Erklärer, der Allweise.

Wisse ferner, daß das Wort Gottes – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – hoch und weit überlegen über allem steht, was die Sinne wahrnehmen können; denn es ist geheiligt über Natur oder Substanz. Es übersteigt die Grenzen der bekannten Elemente und ist erhaben über alle wesentlichen, anerkannten Substanzen. Es wurde offenbar ohne eine Silbe oder einen Laut und ist nichts anderes als der Befehl Gottes, der alles Erschaffene durchdringt. Niemals war es der Welt des Seins vorenthalten. Es ist Gottes alldurchdringende Gnade, von der jedwede Gnade ausgeht, eine Wesenheit, die hoch über allem steht, was war und sein wird.

Nur ungern verbreiten Wir uns über diesen Gegenstand, da die Ungläubigen die Ohren auf uns richten, um Worte zu hören, die sie in die Lage versetzen, an Gott, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden, herumzunörgeln. Außerstande, die Geheimnisse der Erkenntnis und Weisheit zu erlangen, wie sie der Urquell göttlichen Glanzes enträtselt, erheben sie ihren Protest und machen großes Geschrei. Allerdings wenden sie sich gegen das, was sie begreifen, nicht gegen die Darlegungen des göttlichen Erklärers oder gegen die Wahrheiten, die der eine wahre Gott, der Kenner des Unsichtbaren, vermittelt. Alle ihre Einwände fallen auf sie zurück, und Ich schwöre bei deinem Leben, sie sind jeden Verständnisses bar.

Jedes Ding muß zwangsläufig einen Ursprung haben, jedes Bauwerk einen Baumeister. Wahrlich, das Wort Gottes ist die Ursache, die der Welt des Seins vorangeht – einer Welt, die mit dem Strahlenglanz des Altehrwürdigen der Tage geschmückt ist, aber zu allen Zeiten erneuert wird und neu ersteht. Unermeßlich erhaben ist der Gott der Weisheit, der dieses hehre Gefüge errichtet hat.

Betrachte die Welt und denke eine Weile darüber nach. Sie entschleiert das Buch ihres eigenen Selbstes vor deinen Augen und offenbart, was die Feder deines Herrn, des Gestalters, des Allwissenden, hineingeschrieben hat. Sie will dich mit allem vertraut machen, was in ihr und auf ihr ist, und dir klare Darlegungen geben, um dich von noch so beredten Auslegern unabhängig zu machen.

Sprich: Die Natur ist in ihrem Wesen die Verkörperung Meines Namens, der Gestalter, der Schöpfer. Ihre Offenbarungen sind verschiedenartig durch verschiedene Ursachen, und in dieser Verschiedenartigkeit sind Zeichen für urteilsfähige Menschen. Die Natur ist Gottes Wille, dessen Ausdruck in der bedingten Welt und durch diese. Sie ist Teil des Waltens der Vorsehung, verordnet von dem Verordner, dem Allweisen. Wollte jemand erklären, sie sei Gottes Wille, wie er sich in der Welt des Seins offenbart, so könnte keiner diese Behauptung anzweifeln. Sie ist mit einer Kraft begabt, deren Wirklichkeit die Gelehrten nicht begreifen können. Der Einsichtsvolle kann fürwahr nichts in ihr wahrnehmen als den Strahlenglanz Unseres Namens, der Schöpfer. Sprich: Dies ist ein Dasein, das keinen Niedergang kennt, und die Natur selbst ist erstaunt ob seiner Offenbarungen, seiner zwingenden, augenfälligen Beweise und seines Strahlenglanzes, wie sie das Weltall umschließen.

Es steht dir schlecht an, wenn du den Blick auf frühe oder jüngere Zeiten zurückwendest. Erwähne diesen Tag Gottes und verherrliche, was an ihm erschienen ist. Es wird fürwahr der ganzen Menschheit genügen. In der Tat lassen Darlegungen und Vorträge zur Erläuterung solcher Dinge die Gemüter erkalten. Es geziemt dir, so zu reden, daß die Herzen der wahrhaft Gläubigen entflammt werden und ihre Leiber sich aufschwingen.

Wer heute fest an die Wiedergeburt des Menschen glaubt und sich voll bewußt ist, daß Gott, der Erhabenste, höchste Überlegenheit und absolute Allmacht über diese neue Schöpfung übt, wahrlich, ein solcher Mensch wird zu denen gezählt, die mit Einsicht in diese größte Offenbarung begabt sind. Dies bezeugt jeder urteilsfähige Gläubige.

Wandle hoch über der Welt durch die Macht des Größten Namens, auf daß du der uralten Geheimnisse gewahr werdest und kennenlernst, was noch keiner kennt. Wahrlich, dein Herr ist der Helfer, der Allkennende, der Allunterrichtete. Sei wie eine Schlagader, die durch den Leib der ganzen Schöpfung pulsiert, damit durch die Wärme, die solche Bewegung schafft, erscheine, was die Herzen der Zauderer belebt.

Zu der Zeit, da Wir hinter tausend Lichtschleiern verborgen waren, warst du vertraut mit Mir; du schautest die Himmelsleuchten Meiner Weisheit und hörtest die Meereswellen Meiner Rede wogen. Wahrlich, dein Herr ist der Wahrhaftige, der Getreue. Groß ist fürwahr der Segen dessen, der zu den freizügigen Ausgießungen dieses Meeres gelangt ist in den Tagen seines Herrn, des Großmütigsten, des Allweisen.

Während Unseres Aufenthaltes im ‘Iráq weilten Wir im Hause eines Mannes namens Majíd. Dort legten Wir dir die Geheimnisse der Schöpfung, ihren Ursprung, ihren Gipfelpunkt und ihre Ursache dar. Seit Unserer Abreise haben Wir Uns jedoch auf die Versicherung beschränkt: »Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Mir, dem Ewigvergebenden, dem Großmütigen.«

Lehre die Sache Gottes mit solcher Rede, daß die Büsche entflammt werden und der Ruf »Wahrlich, kein Gott ist außer Mir, dem Allmächtigen, dem Unumschränkten« aus ihnen erschallt. Sprich: Menschliche Rede will ihrem Wesen nach Einfluß üben und bedarf deshalb der Mäßigung. Ihr Einfluß ist durch Feinheit bedingt, die wiederum von losgelösten, reinen Herzen abhängt. Ihre Mäßigung muß mit Takt und Weisheit gepaart sein, wie es in den Heiligen Büchern und Sendbriefen vorgeschrieben ist. Sinne nach über das, was herniedergeströmt ist vom Himmel des Willens deines Herrn, des Quells aller Gnade, damit du die gewollte Bedeutung begreifest, die in den geweihten Tiefen der Heiligen Schriften verwahrt ist.

Die Gott leugnen und sich fest an die Natur als solche klammern, sind wahrlich der Erkenntnis und der Weisheit bar. Sie gehören zu denen, die weitab in der Irre schweifen. Sie haben den hohen Gipfel nicht erreicht und das letzte Ziel verfehlt; deshalb wurden ihnen die Augen geschlossen, und ihre Gedanken liefen auseinander, während ihre Führer ehedem an Gott und an Seine unüberwindliche Souveränität glaubten. Dies bezeugt dein Herr, der Helfer in Gefahr, der Selbstbestehende.

Als im Osten die Augen des Volkes von den Künsten und Wundern des Westens gefangengenommen wurden, da schweiften sie irregeworden in der Wildnis stofflicher Ursachen, des Einen vergessend, der der Verursacher der Ursachen und ihr Erhalter ist. Solche Menschen aber, die Quell und Born der Weisheit waren, leugneten niemals den bewegenden Antrieb hinter diesen Ursachen, deren Schöpfer oder Ursprung. Dein Herr weiß es, aber die meisten Menschen wissen es nicht.

Und nun haben Wir Uns um Gottes, des Herrn der Namen, willen zur Aufgabe gemacht, in diesem Sendbrief einige Berichte über die Weisen zu erwähnen, damit dem Volke die Augen geöffnet werden und alle ganz gewiß seien, daß Er fürwahr der Gestalter, der Allmächtige, der Schöpfer, der Begründer, der Allwissende, der Allweise ist.

Anerkanntermaßen sind die zeitgenössischen Gelehrten sehr befähigt in Philosophie, Künsten und Gewerben; aber wollte jemand mit scharfem Auge beobachten, würde er leicht begreifen, daß diese Erkenntnis zumeist von den Weisen der Vergangenheit erworben ist, denn diese haben die Grundlagen der Philosophie gelegt, ihr Gebäude errichtet und mit starken Säulen untermauert. So unterrichtet dich dein Herr, der Altehrwürdige der Tage. Die Weisen erwarben ehedem ihre Erkenntnis von den Propheten, da diese die Ausleger göttlicher Philosophie und die Offenbarer himmlischer Geheimnisse waren. Die Menschen tranken die kristallenen Lebenswasser ihrer Rede, während andere sich mit dem Bodensatz befriedigten. Jedermann erhält einen Anteil nach seinem Maß. Wahrlich, Er ist der Ausgleichende, der Weise.

Empedokles, der sich in der Philosophie hervortat, war ein Zeitgenosse Davids, während Pythagoras in den Tagen Salomons, des Sohnes Davids, lebte und Weisheit aus dem Schatz des Prophetentums erwarb. Er behauptete, das Raunen der Himmel gehört und die Stufe der Engel erreicht zu haben. In Wahrheit wird dein Herr alles klar darlegen, wenn es Ihm gefällt. Wahrlich, Er ist der Weise, der Alldurchdringende.

Das Wesen und die Grundlagen der Philosophie stammen von den Propheten. Daß die Menschen sich im Hinblick auf die inneren Bedeutungen und Geheimnisse der Philosophie voneinander unterscheiden, ist der Verschiedenartigkeit ihrer Ansichten und ihres jeweiligen Verstandes zuzuschreiben. Wir möchten dir folgendes erzählen: Einmal gab einer der Propheten Seinem Volk weiter, was der Allmächtige Herr Ihm eingegeben hatte. Wahrlich, dein Herr ist der Eingeber, der Gnädige, der Erhabene. Als der Springquell weiser Beredsamkeit aus dem Born Seiner Worte strömte und der Wein göttlichen Wissens alle berauschte, die Seine Schwelle gesucht hatten, da rief Er: »Siehe da! Alle sind vom Geist erfüllt.« Im Volk aber war einer, der sich an diese Feststellung klammerte und, von seinem eigenen Wahn getrieben, die Idee ersann, daß der Geist buchstäblich in den Leib eindringt oder hineinfährt. In langen Abhandlungen brachte er Beweise vor, diese Vorstellung zu untermauern, und Gruppen des Volkes folgten seinen Fußstapfen. Ihre Namen hier zu erwähnen oder dir einen umfassenden Bericht zu geben, wäre weitschweifig und brächte uns vom Hauptthema ab. Wahrlich, dein Herr ist der Allweise, der Allkennende. Aber es gab auch denjenigen, der an dem erlesenen Wein teilhatte, erschlossen und entsiegelt von der Zunge Dessen, Der der Enthüller ist der Verse deines Herrn, des Gnädigen, des Großzügigsten.

Wahrlich, die Philosophen haben den Altehrwürdigen der Tage nicht geleugnet. Die meisten von ihnen beklagten bei ihrem Hinscheiden ihr Unvermögen, Sein Geheimnis auszuloten, wie manche dies bezeugt haben. Wahrlich, dein Herr ist der Berater, der Allunterrichtete.

Denke an Hippokrates, den Arzt. Er war einer der hervorragenden Philosophen, die an Gott glaubten und Seine Herrschaft anerkannten. Nach ihm kam Sokrates, der fürwahr weise, gebildet und rechtschaffen war. Er übte Selbstverleugnung, zügelte seine Lust auf selbstische Wünsche und kehrte sich ab von irdischen Vergnügungen. Er zog sich in die Berge zurück, wo er in einer Höhle hauste. Er brachte die Menschen davon ab, Götzen anzubeten, und lehrte sie den Pfad Gottes, des Herrn der Barmherzigkeit, bis sich die Unwissenden gegen ihn erhoben. Sie nahmen ihn fest und brachten ihn im Gefängnis zu Tode. So berichtet dir diese dahinfliegende Feder. Welch durchdringende Schau der Philosophie hatte dieser vortreffliche Mann! Er ist von allen Philosophen der Hervorragendste und ein großer Weiser. Wir bezeugen, daß er ein Held auf diesem Felde ist, ein hervorragender, der Weisheit ergebener Kämpe. Er hatte gründliche Kenntnis der Wissenschaften, die unter den Menschen geläufig waren, wie auch derjenigen, die vor ihrem Geist verschleiert waren. Mich dünkt, er trank einen vollen Zug, als das Größte Meer mit schimmernden Lebenswassern brandete. Er hatte Kenntnis von der besonderen, der ausgewogenen und der bezwingenden Natur, die wahrlich dem menschlichen Geiste am meisten ähnelt. Er hat sie aus der Substanz heraus entwickelt. Es gibt eine besondere Erklärung zu diesem bedeutsamen Thema. Würdest du die Weltweisen dieser Generation über seine Darlegung befragen, müßtest du bezeugen, daß sie unfähig sind, diese zu begreifen. Wahrlich, dein Herr spricht die Wahrheit, aber die meisten Menschen verstehen nicht.

Nach Sokrates kam der göttliche Plato, der sein Schüler war und als sein Nachfolger den Thron der Philosophie einnahm. Er bezeugte seinen Glauben an Gott und an Seine Zeichen, die alles durchdringen, was war und sein wird. Dann kam Aristoteles, der berühmte Mann der Wissenschaft. Er entdeckte die Kraft gasförmiger Stoffe. Diese Männer, die als Führer des Volkes hervorragen und berühmt sind, bekundeten alle ihren Glauben an das unsterbliche Wesen, das die Zügel aller Wissenschaften in Seinem Griff hält.

Ich werde auch das Bittgebet für dich anführen, das Balínús sprach, der vertraut war mit den Theorien des Vaters der Philosophie über die Geheimnisse der Schöpfung, dargelegt auf seinen smaragdenen Tafeln, auf daß jedermann volle Gewißheit in allem erlange, was Wir dir erläutern in diesem offenbaren Sendbrief, der, mit der Hand des rechten Maßes und des Wissens gehalten, den Geist des Lebens zur Erfrischung alles Erschaffenen verströmen wird. Groß ist der Segen dessen, der in diesem Meere schwimmt und den Lobpreis seines Herrn, des Gnädigen, des Meistgeliebten, feiert. Fürwahr, der Hauch göttlicher Offenbarung strömt so aus den Versen deines Herrn, daß keiner ihre Wahrheit bestreiten kann, jene ausgenommen, welche des Gehörs, der Schau, des Verständnisses und jeder menschlichen Fähigkeit ermangeln. Wahrlich, dein Herr bezeugt dies, und doch versteht es das Volk nicht.

Dieser Mann sprach: »Ich bin Balínús, der Weise, der Wundertäter, der Hersteller von Talismanen.« Er übertraf jeden anderen in der Verbreitung von Künsten und Wissenschaften und schwang sich auf zu den höchsten Höhen der Bescheidenheit und des demütigen Bittens. Höre, was er sagte, zu dem Allbesitzenden, dem Erhabensten flehend: »Ich stehe in der Gegenwart meines Herrn, lobpreise Seine Segnungen und Gnadengaben und huldige Ihm mit der Huldigung, die Er Seinem eigenen Selbst erweist, auf daß ich ein Quell der Gnade und der Führung werde für die Menschen, die meine Worte anerkennen.« Und weiter spricht er: »O Herr! Du bist Gott, und es gibt keinen Gott außer Dir. Du bist der Schöpfer, und es ist kein Schöpfer neben Dir. Hilf mir mit Deiner Gnade und stärke mich. Mein Herz ist in Angst geraten, meine Glieder zittern, ich habe den Verstand verloren, und der Geist hat mich verlassen. Verleihe mir Stärke und befähige meine Zunge, mit Weisheit zu reden.« Und schließlich sagt er: »Du bist in Wahrheit der Wissende, der Weise, der Machtvolle, der Barmherzige.« Dieser Weise wurde über die Geheimnisse der Schöpfung unterrichtet; er kam dem tiefen Sinn auf den Grund, der in den hermetischen Schriften verborgen liegt.

Weiter möchten Wir nichts dazu sagen, sondern nur wiedergeben, was der Geist Meinem Herzen einflößt. Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Wissenden, dem Mächtigen, dem Helfer in Gefahr, dem Erhabensten, dem Allgepriesenen. Bei Meinem Leben! An diesem Tag ist es der himmlische Baum leid, der Welt anderes zu verkünden als die Versicherung: »Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Mir, dem Unvergleichlichen, dem Allunterrichteten.«

Hegte Ich nicht so große Liebe zu dir, Ich hätte kein einziges Wort von dem zuvor Erwähnten geäußert. So schätze denn den Wert dieser Stufe und bewahre ihn, wie du dein Augenlicht bewahrst, und gehöre zu den wahrhaft Dankbaren.

Du weißt sehr wohl, daß Wir die Bücher nicht lasen, welche die Menschen besitzen, und die Gelehrsamkeit nicht erwarben, die unter ihnen geläufig ist. Und doch: Wann immer Wir die Aussprüche der Gebildeten und der Weisen anzuführen wünschen, erscheint augenblicks vor dem Antlitz deines Herrn in der Gestalt einer Tafel all das, was in der Welt erschienen und in den Heiligen Büchern und Schriften offenbart ist. So senden Wir in Schriftform hernieder, was das Auge wahrnimmt. Wahrlich, Sein Wissen umschließt die Erde und die Himmel.

Dies ist ein Sendbrief, darin die Feder des Unsichtbaren die Kenntnis all dessen verzeichnet, was war und was sein wird – eine Kenntnis, die nur Meine wundersame Zunge auslegen kann. Fürwahr, Mein Herz, wie es in sich besteht, ist durch Gott gereinigt von den Begriffen der Gelehrten und geheiligt über die Worte der Weltweisen. Wahrlich, es spiegelt nichts als die Offenbarungen Gottes. Dies bezeugt die Zunge der Größe in diesem deutlichen Buche.

Sprich: O Volk der Erde! Habet acht, daß euch nicht die Beschäftigung mit der Weisheit von deren Urquell ausschließe oder euch von ihrem Aufgangsort fernhalte. Richtet eure Herzen auf euren Herrn, den Erzieher, den Allweisen.

Jedem Lande haben Wir einen Anteil verschrieben, jedem Anlaß einen angemessenen Beitrag, jeder Verkündigung die rechte Zeit und jeder Lebenslage den passenden Ausspruch. Denke an Griechenland. Wir machten es zum Thron der Weisheit für eine lange Zeit. Als aber die festgesetzte Stunde schlug, da wurde sein Thron gestürzt, seine Zunge verstummte, sein Licht verdämmerte und sein Banner wurde eingeholt. So geben und so nehmen Wir. Wahrlich, dein Herr ist Der, welcher verleiht und entzieht, der Mächtige, der Kraftvolle.

In jedem Land haben Wir eine Leuchte der Erkenntnis aufgerichtet, und wenn die vorherbestimmte Zeit naht, wird sie hell strahlen an seinem Horizont, wie es Gott befiehlt, der Allwissende, der Allweise. Wäre es Unser Wille, könnten Wir dir beschreiben, was es in jedem Lande gibt und was dort geschehen ist. Fürwahr, das Wissen deines Herrn durchdringt die Himmel und die Erde.

Alsdann wisse, daß die Menschen ehedem Dinge schufen, welche die Gelehrten heutzutage nicht zu schaffen vermögen. Wir erinnern dich an Martos, der einer der Gelehrten war. Er erfand einen Apparat, der den Schall auf eine Entfernung von sechzig Meilen übermittelte. Neben ihm gab es andere, die Dinge entdeckten, wie sie niemand in diesem Zeitalter gesehen hat. Wahrlich, dein Herr offenbart in jeder Epoche, was Ihm gefällt, als ein Zeichen Seiner Weisheit. Er ist fürwahr der höchste Verordner, der Allweise.

Niemals wird ein wahrer Philosoph Gott oder Seine augenfälligen Beweise leugnen; vielmehr wird er Gottes Herrlichkeit und Seine allbezwingende Majestät, die alles Erschaffene überschatten, anerkennen. Wahrlich, Wir lieben diejenigen Gelehrten, die ans Licht bringen, was das Wohl der Menschheit fördert, und Wir helfen ihnen mit der Kraft Unseres Geheißes; denn Wir sind durchaus imstande, Unser Ziel zu erreichen.

Hütet euch, o Meine Geliebten, die Verdienste Meiner gelehrten Diener gering zu achten, derer, die Gott gnädig erwählt hat, Träger Seines Namens, der Gestalter, inmitten der Menschheit zu sein. Mühet euch aufs äußerste, Fertigkeiten und Unternehmungen zu entwickeln, von denen jedermann, jung oder alt, Nutzen zieht. Nichts haben Wir mit den Unwissenden zu tun, die sich einbilden, es bedeute Weisheit, seinem eitlen Wahn freien Lauf zu lassen und Gott, den Herrn aller Menschen, zu leugnen, wie Wir es von manchen Achtlosen heutzutage hören.

Sprich: Der Anbeginn der Weisheit und ihr Ursprung ist anzuerkennen, was Gott deutlich darlegt, weil dessen Kraft die Staatskunst, Schutz und Schirm für den Leib der Menschheit, auf eine feste Grundlage stellt. Denke eine Weile nach, damit du wahrnimmst, was Meine erhabenste Feder in diesem wundersamen Sendbrief verkündet. Sprich: Alles Politische, was ihr erörtert, fällt unter den Schatten eines der Worte, die vom Himmel Seiner ruhmreichen, Seiner erhabenen Rede herniedergesandt sind. So haben Wir dir berichtet, was dein Herz erhellt, deine Augen tröstet und dich befähigt aufzustehen, um Seine Sache inmitten aller Völker zu fördern.

O Mein Nabíl! Laß dich durch nichts betrüben, sondern frohlocke in überschäumender Freude, da Ich deines Namens gedachte, Mein Herz und Mein Angesicht dir zuwandte und mit dir Zwiesprache hielt durch diese unwiderlegliche, diese gewichtige Abhandlung. Sinne nach in deinem Herzen über die Trübsale, die Ich erdulde, die Haft und Gefangenschaft, die Ich ertrage, die Leiden, die Mich befallen, und die Anschuldigungen, die das Volk gegen Mich erhebt. Siehe, sie sind fürwahr in einen dichten Schleier gehüllt.

Als der Redestrom diesen Stand erreichte, brach der Morgen göttlicher Geheimnisse an, und das Licht der Äußerung wurde gelöscht. Möge Seine Herrlichkeit auf dem Volk der Weisheit ruhen, wie es Er, der Allmächtige, der Allgepriesene, geboten hat.

Sprich: verherrlicht sei Dein Name, o Herr, mein Gott! Ich flehe zu Dir bei Deinem Namen, durch den der Glanz des Lichtes der Weisheit hell erstrahlte, als die Himmel göttlicher Rede inmitten der Menschheit bewegt wurden, hilf mir gnädig mit Deinen himmlischen Bestätigungen und befähige mich, Deinen Namen unter Deinen Dienern zu preisen.

O Herr! Ich wende mein Angesicht Dir zu, trenne mich von allem außer Dir und halte mich fest an den Saum des Gewandes Deiner mannigfachen Segnungen. So löse denn meine Zunge, daß ich verkünde, was die Gemüter der Menschen in Bann schlägt, was ihnen Herz und Geist frohlocken läßt. Stärke mich so sehr in Deiner Sache, daß mich die Übermacht der Unterdrücker unter Deinen Geschöpfen nicht behindert und der Angriff der Ungläubigen unter den Bewohnern Deines Reiches nicht abhält. Mache mich zu einer Leuchte, die durch Deine Lande strahlt, auf daß alle, in deren Herzen das Licht Deiner Erkenntnis und die Sehnsucht nach Deiner Liebe glimmen, von ihrem Glanze geführt werden.

Wahrlich, Du bist mächtig zu tun, was Du willst, und in Deinem Griff hältst Du das Reich der Schöpfung. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Allmächtigen, dem Allweisen.

 

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