Zwölf Erläuterungen zu Ridván

Zwölf Erläuterungen zu Ridván

Bald feiern die Bahá'í auf der ganzen Welt das 12-tägige Ridván-Fest, deshalb wollten wir mit Ihnen 12 Dinge teilen, welchen Sie über diese besonderen Tage vielleicht wissen wollten: über die Bedeutung der 12 Tage, welche Bahá’u’lláh im Garten von Ridván in Bagdád verbracht hatte.

1. Das Wort

Ridván bedeutet in der arabischen Sprache wörtlich "Paradies" und wird als solches in den Heiligen Schriften der Bahá'í verwendet, um einen Ort oder eine Station von spiritueller Schönheit und Bedeutung zu beschreiben. In Sätzen wie dem "Ridván der göttlichen Gegenwart" oder dem "Ridván strahlender Herrlichkeit" verstehen wir Ridván als Synonym für das Wort Paradies.

2. Das Fest

Ridván in der allgemeinen Bahá'í-Sprache bezieht sich am häufigsten auf das Ridván-Fest - ein 12-tägiges alljährliches Fest, das zum Gedenken an die 12 Tage, welche Bahá’u’lláh 1863 im Garten von Ridván in Bagdád verbrachte, abgehalten wird. Während dessen erklärte er seinen Anhängern seine prophetische Mission und kündigte seine Stufe als der Verheißene aller Religionen an. Das Ridván-Fest, zusammen mit der Erklärung des Báb, werden von Bahá’u’lláh als "die beiden größten Feste" bezeichnet und im Bahá'í-Kalender entsprechend ihrer Bedeutung zugeordnet und als solche in der Bahá'í-Welt gefeiert. Der 1., 9. und der 12. Ridván-Tag gelten als Heilige Tage, an denen die Arbeit ausgesetzt werden sollte und das Ridván-Fest jedes Jahr vom 13. des Monats Jalál bis zum 5. des Monats Jamál nach dem Bahá'í-Kalender gefeiert wird.

3. Der 1. Ridván-Tag

1863, genau 31 Tage nach der Neujahrsfeier (Naw-Rúz), machte sich Bahá’u’lláh in Begleitung auf den Weg zur ersten Etappe einer viermonatigen Reise von Bagdád nach Konstantinopel, nachdem sie von den Regierungsbeamten der Stadt ins Exil geschickt worden waren. Bahá’u’lláh verließ sein Haus und wurde über den Tigris-Fluss gebracht, bevor er den Najíbíyyih-Garten erreichte, wo er die nächsten 12 Tage damit verbringen würde, Freunde und Anhänger zu verabschieden, bevor er endgültig aus Bagdád abreiste. Obwohl die Abreise Bahá’u’lláhs ein Anlass zur Trauer war, erklärte Er es vorhersagend zur Einweihung eines Festes der höchsten Glückseligkeit und Freude.

4. Der 9. Ridván-Tag

Neun Tage nach Bahá’u’lláhs Ankunft im Najíbíyyih-Garten, der später als der Garten Ridván bekannt wurde, wurde Er von dem Rest seiner Familie begleitet. Zu diesem Zeitpunkt strömten aufeinanderfolgende Wellen von Besuchern in den Garten, um die Anwesenheit von Bahá’u’lláh zu suchen und Ihm Lebewohl zu sagen. In 'Nabils Bericht' aus den frühen Tagen der Bahá’í-Offenbarung, beschreibt dieser Bahá’u’lláh, wie er nachts zwischen den Zelten derer spazieren geht, die in den Garten gekommen waren, und beobachtet laut:

»Seht diese Nachtigallen! So groß ist ihre Liebe zu den Rosen, dass sie unermüdlich, ohne zu schlafen, von der Abenddämmerung bis zum frühen Morgen ihre Melodien schlagen und sich voll brennender Leidenschaft dem Gegenstand ihrer Anbetung zuwenden. Wie können dann die schlafen, die behaupten, von der rosengleichen Schönheit des Geliebten entflammt zu sein?«

5. Der 12. Ridván-Tag

Der letzte Tag von Bahá’u’lláhs Aufenthalt im Garten Ridván vor seiner bevorstehenden Abreise war ein Tag des Verlustes und der Traurigkeit für diejenigen, die bleiben mussten. Shoghi Effendi schrieb im Buch 'Gott geht vorüber':

»Den Aufbruch Bahá'u'lláhs aus dem Garten Ridván am Nachmittag des vierzehnten Dhi'l-Qa'dih 1279 n.d.H. (3. Mai 1863) begleiteten Szenen einer wilden Begeisterung, nicht weniger eindrucksvoll, ja ergreifender noch als die, mit denen Er begrüßt wurde, als Er Sein Größtes Haus in Baghdád verließ. "Der große Tumult, den wir damals erlebten", schrieb ein Augenzeuge, "verband sich in unseren Köpfen mit dem Tag der Versammlung, dem Tag des Jüngsten Gerichts. Gläubige und Nichtgläubige brachen gleicherweise in Weinen und Wehklagen aus. Die Notabeln und Honoratioren waren starr vor Staunen. Tiefe, unbeschreibliche Emotionen brachen auf, und alle wurden davon angesteckt."«

Am Mittag, des zwölften Tages, nachdem er zum ersten Mal den Garten betreten hatte, stieg Bahá’u’lláh auf ein Pferd und verließ den Garten.

6. Die Bedeutung

Während des Ridván-Festes erklärte Bahá’u’lláh zum ersten Mal öffentlich Seine Stufe als Manifestation Gottes, vorhergesagt in allen Religionen. Er brachte eine Offenbarung mit, die eine neue Ära einleitete - den Beginn des Bahá'í-Glaubens.

Mehr über die Bedeutung von Ridván können Sie hier lesen: Das Ridván-Fest, der König der Feste.

7. Die Gärten

Während sich der oben erwähnte Garten Ridván auf den Najíbíyyih-Garten bezieht, in dem Bahá’u’lláh seine letzten 12 Tage in Bagdád verbrachte, um Freunde zu empfangen, die Ihn zu verabschieden kamen, gibt es tatsächlich einen zweiten Garten Ridván, auf den sich die Bahá'ís beziehen. Fünfzehn Jahre nachdem Bahá’u’lláh seine Mission beim ursprünglichen Fest von Ridván erklärt hatte, zog er schließlich in ein Haus außerhalb der Gefängnisstadt Akká im heutigen Israel. Bahá’u’lláhs Sohn ‘Abdu’l-Bahá mietete einen kleinen Inselgarten von großer Schönheit nahe genug am Haus, den Bahá’u’lláh besuchen konnte. Bahá’u’lláh nannte diesen Garten den Garten Ridván und empfing dort einst sogar Pilger über einen Zeitraum von neun Tagen.

8. Die Wahlen

Shoghi Effend schrieb zur Verwaltungsordnung Folgendes:

»Die Verwaltungsordnung des Glaubens von Bahá'u'lláh ist dazu bestimmt, sich zu einem Bahá'í-Weltgemeinwesen zu entwickeln. Sie hat schon die Angriffe überdauert, die so furchtbare Feinde wie die Könige der Kadscharen-Dynastie, die Kalifen des Islám, die führenden Geistlichen Ägyptens und die Nationalsozialisten in Deutschland gegen ihre Institutionen gerichtet hatten.«

Im Buch 'Die Bahá'í' lesen wir:

»Unter der Leitung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit sorgen gewählte Gremien, die als örtliche Geistige Räte und Nationale Geistige Räte bekannt sind, für die Belange der Bahá'í-Gemeinde auf ihrer jeweiligen Ebene und üben die Gesetz gebende, ausführende und entsprechende Autorität aus. Die Bahá'í-Gemeindeordnung weist den gewählten Gremien, die auch auf die Weisheit und Erfahrung Einzelner vertrauen, die letztliche Autorität zu.«

»Auf örtlicher Ebene werden die Angelegenheiten der Bahá'í-Gemeinde von dem gewählten neunköpfigen örtlichen Geistigen Rat verwaltet. An jedem Ort, an dem mindestens neun erwachsene Bahá'í leben, kann ein örtlicher Geistiger Rat gebildet werden. Der Rat setzt sich für die Förderung der geistigen Erziehung von Kindern und Jugendlichen ein. Er sichert die Ressourcen der Gemeinde und fördert liebevoll die Talente und Energien der Gemeindemitglieder.«

Mehr über die Bahá'í-Wahlen zu Ridván können Sie hier nachlesen: Was sind die Bahá'í Wahlen, welche zu Ridván stattfinden? 

9. Die Konventionen

Auf der ganzen Welt halten die Bahá'ís einmal im Jahr in ihren jeweiligen Ländern eine Nationaltagung ab, um neun Mitglieder zu wählen, welche im nationalen Verwaltungsorgan der Bahá'í, genannt "Der Nationale Geistige Rat", tätig sein werden.

Alle fünf Jahre findet im Bahá'í-Weltzentrum in Haifa, Israel, ein internationaler Konvent statt, um die Mitglieder des obersten globalen Leitungs- und Verwaltungsorgans des Bahá'í-Glaubens, das "Universale Haus der Gerechtigkeit", zu wählen.

Sowohl die jährliche Nationaltagung als auch der internationale Kongress finden vorzugsweise während der Ridván-Zeit statt.

10. Die Botschaften

Jedes Jahr veröffentlicht das Universelle Haus der Gerechtigkeit zu Ridván eine Ridván-Botschaft an die Bahá'ís der Welt. Als oberstes Gesetzgebungs- und Verwaltungsgremium erwartet die Bahá'í-Gemeinschaft vom Universellen Haus der Gerechtigkeit Rat, Anleitung und Führung in ihren geistigen und administrativen Angelegenheiten.

Bahá’u’lláh schrieb, dass .....

»Insofern es für jeden Tag ein neues Problem und für jedes Problem eine zweckmäßige Lösung gibt, sind solche Angelegenheiten dem Haus der Gerechtigkeit vorzulegen, damit dessen Mitglieder nach den Nöten und Erfordernissen der Zeit handeln.«

So wie Bahá’u’lláh Seine Vision von der neuen Ära teilte, welche mit Seiner Erklärung im Jahre 1863 im Ridván-Garten begann, so setzt dies auch das Universelle Haus der Gerechtigkeit jeden Ridván fort, um die Bahá'í-Gemeinschaft in einer sich ständig entwickelnden Welt mit ihr in Einklang zu bringen.

11. Die Briefe

Es gibt mehrere Briefe, die Bahá’u’lláh sowohl während als auch für das Ridván-Fest offenbarte. Diese Heiligen Worte werden oft laut oder privat beim Begehen des Ridván-Festes vorgelesen, um über ihren Sinn und ihre Bedeutung für die Bahá'í-Gemeinschaft nachzudenken.

In dem Buch 'Ährenlese' von Bahá'u'lláh lesen wir:

»Erhebe dich und verkünde der ganzen Schöpfung die Botschaft, dass Er, der Allbarmherzige, Seine Schritte zum Ridván gelenkt und ihn betreten hat. Führe dann das Volk zum Garten des Entzückens, den Gott zum Thron Seines Paradieses gemacht hat. Wir haben dich zu Unserer mächtigsten Posaune erkoren, auf dass ihr schallender Ruf die Auferstehung der ganzen Menschheit verkünde.«

12. Die Bedeutsamkeit

Und schließlich, als Bahá'í, als Anhänger Bahá’u’lláhs, welche das Paradies Seiner Gegenwart ebenso sehr suchen wie die Freunde, die sich in Bagdád um Ihn versammelt hatten, sind wir mit der Pflicht beauftragt und gesegnet, den "König der Feste" zu würdigen.

»Frohlocke in höchster Freude, o Volk Bahás, wenn du dich des Tages höchsten Glücks erinnerst, des Tages, da die Stimme des Altehrwürdigen der Tage sprach, da Er aus Seinem Hause fort zu jenem Orte ging, wo Er den Glanz Seines Namens, der Allbarmherzige, über die ganze Schöpfung ergoss.«

Allen eine Frohe Ridván-Zeit.

 

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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