Wir sind Eins - über die Einheit der Menschheit

Bahá'u'lláhs Lehren über die Einheit der Menschheit

Wissenschaft und Genetik der heutigen Zeit bestätigen uns: "Alle Menschen sind miteinander verwandt!" - Gibt es eine bessere Voraussetzung für die Errichtung der Einheit?

Shoghi Effendi, der Urenkel von Bahá'u'lláh, beschrieb die Einheit der Menschheit als den "Dreh- und Angelpunkt" der Lehre Bahá'u'lláhs. Als Bahá'u'lláhs Sohn `Abdu'l-Bahá Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in den Westen reiste, begann er seine Gespräche oft mit dem Prinzip der Einheit der Menschheit als dem ersten der Prinzipien Bahá'u'lláhs. Als der englische Gelehrte Edward Granville Browne Bahá'u'lláh gegen Ende von Bahá'u'lláhs Leben besuchte, stand das Thema Einheit im Mittelpunkt dessen, was er aus Bahá'u'lláhs Worten heraus vernahm. Aus dem Buch 'Bahá'u'lláh und das neue Zeitalter' erfahren wir: 

»Wir wünschen, dass alle Völker in einem Glauben vereint und alle Menschen Brüder werden; dass das Band der Liebe und Einigkeit zwischen den Menschenkindern gestärkt werde; dass Religionsverschiedenheit aufhöre und die Unterschiede, welche zwischen den Rassen gemacht werden, aufhören - was ist nun Schlimmes hieran? … Aber trotz all dem wird es dahin kommen; diese fruchtlosen Kämpfe, diese zerstörenden Kriege werden aufhören und der 'Größte Friede' wird kommen …«

Mit diesem Artikel kann ich nur hoffen, eine kurze Einführung in das Thema der Einheit der Menschheit zu bieten, das in Bahá'u'lláhs Schriften auf vielfältige Weise aufgegriffen wird. Ein Beispiel dafür ist der 'Wille und das Testament von Bahá'u'lláh', das 'Kitáb-i-‘Ahd' - das 'Buch des Bundes'. Die meisten von uns werden ein Testament schreiben, um unseren Erben physisches Eigentum zu überlassen. Bahá'u'lláhs Absicht war anders. Sein Ziel war es, die Einheit der Menschen zu fördern, wie er deutlich machte:

»Das Ziel dieses Unterdrückten bei allen Leiden und Trübsalen, die Er ertragen, bei allen Versen, die Er offenbart, und bei den Beweisen, die Er dargebracht hat, war einzig und allein, die Flamme des Hasses und der Feindschaft zu löschen, damit der Horizont der Menschenherzen vom Lichte der Eintracht erleuchtet werde, dass er wahren Frieden und wirkliche Ruhe finde. O ihr Erdenbewohner! Die Religion Gottes ist für Liebe und Einheit da; macht sie nicht zum Grund für Streit und Feindschaft.«

Im Buch 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs' finden wir folgende Hoffnung und Führung:

»O ihr, die ihr auf Erden wohnt! Das Unterscheidungsmerkmal für die Einzigartigkeit dieser höchsten Offenbarung besteht darin, dass Wir einerseits aus Gottes Heiligem Buche gelöscht haben, was die Ursache von Streit, Bosheit und Unrecht unter den Menschenkindern gewesen ist, andererseits die wesentlichen Vorbedingungen für Eintracht, Verständigung und völlige und dauernde Einheit niedergelegt haben. Wohl dem, der Meine Gesetze hält.«

Bahá'u'lláh ermahnte seine Anhänger/innen kategorisch sich nicht in "Konflikt und Streitigkeiten" zu stürzen - ein Verbot, von dem er sagte, dass es nicht aufgehoben werden kann. 
»Kampf und Streit sind ein für allemal verboten in Seinem Buche.«

Wie können wir nun die Beziehung zwischen den Mitmenschen besser verstehen? Die tiefen Gedanken im Ozean der Schriften Bahá'u'lláhs erkennen?
Im Buch 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs' finden wir folgende Aussagen:

»Das Wort Gottes ist eine Lampe, deren Licht der Satz ist: ihr seid die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit.«

»Bemüht euch, dass ihr diese überragende, diese höchst erhabene Stufe erreicht, die Stufe, welche der ganzen Menschheit die Gewähr für Schutz und Sicherheit bieten kann. Dieses Ziel überragt jedes andere Ziel, dieses Streben ist der Fürst allen Strebens…«

»O Volk Bahás! Verkehrt mit allen Menschen im Geiste der Freundlichkeit und Verbundenheit. Wenn ihr um eine bestimmte Wahrheit wisst, wenn ihr ein Juwel besitzt, das anderen versagt ist, so teilt es ihnen mit in einer Sprache höchster Liebenswürdigkeit und besten Willens.«

Mann erkennt nicht immer sofort die poetische Schönheit, und die tiefere Botschaft der Worte Bahá’u’lláhs. Was bedeutet es, Menschen als "Früchte" und "Blätter" eines einzelnen Baumes zu beschreiben? Die Menschen haben unzählige Möglichkeiten gefunden, sich zu trennen - Rasse, Religion, Nation, Klasse, Glaubensbekenntnis, Geschlecht. Solche Sichtweisen auf die Welt und die mangelnde Fürsorge füreinander oder die Entfremdung, die sie hervorrufen können, sind unvereinbar mit der Ansicht, dass das individuelle menschliche Leben innerhalb eines breiteren organischen Ganzen gestaltet wird. `Abdu'l-Bahá erweiterte das Thema im Buch 'Auf den Pfaden der Gottesliebe' mit folgenden Worten:

Die Gesegnete Schönheit sagt: »O Völker der Welt! Ihr seid die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit.«

So hat Er diese Welt des Seins mit einem einzigen Baum verglichen, und alle seine Völker mit seinen Blättern, den Blüten und Früchten. Es ist notwendig, dass der Ast blüht und das Blatt und die Frucht gedeihen, und von der Verbindung aller Teile des Weltenbaumes hängt das Gedeihen von Blatt und Blüte und die Süße der Frucht ab.

»Deshalb müssen alle Menschen sich gegenseitig äußerst wirksam unterstützen, alle müssen nach dem ewigen Leben trachten; und aus demselben Grunde müssen die, die Gott lieben, in dieser Welt des Zufalls zu Gnadengaben und Segnungen werden, die durch den milden König der sichtbaren und unsichtbaren Reiche ausgestrahlt wurden. Sie sollten ihren Blick läutern und die ganze Menschheit als Blätter, Blüten und Früchte am Baume des Seins erkennen. Sie sollten zu allen Zeiten danach trachten, eine gute Tat für einen Mitmenschen zu tun und ihm Liebe, Beachtung und vorsorgliche Hilfe zu erweisen. Niemanden sollten sie als ihren Feind betrachten, noch jemandem etwas Böses wünschen, sondern in jedem Menschen den Freund sehen, den Fremden als Vertrauten, den Unbekannten als Weggefährten betrachten, frei von Vorurteil und ohne Grenzen.« (`Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften)

Eine weitere Analogie, die Bahá'u'lláh im Buch 'Brief an den Sohn des Wolfes' bei der Erklärung der Beziehung zwischen den Menschen anführte, ist, dass die Welt ähnlich dem menschlichen Körper ist:

»Betrachtet die Welt wie einen menschlichen Körper, der – obwohl gesund und vollkommen erschaffen – aus vielerlei Gründen von schweren Störungen und Krankheiten befallen wurde.«

Wie die Analogie des Weltbaums ist das Modell ein organisches. Die Worte, die wir häufig verwenden, um menschliche Beziehungen wie "Gesellschaft" oder "Nation" zu gestalten, vermitteln nicht die gleiche Tiefe der Beziehung. Die Einheit der Menschheit ist nicht nur ein schönes, sondern auch ein ersehntes menschliches Prinzip. Es ist eine Realität, die auf allen Ebenen zum Ausdruck gebracht werden kann - vom Zusammenspiel von Fremden und Freunden bis hin zur Ordnung der Gesellschaft als Ganzes. Wir können uns auch einige der Merkmale organischer Körper - zum Beispiel ihre Komplexität, ihre Fähigkeit zu Stabilität und Veränderung - als Möglichkeiten vorstellen, um dieses Konzept besser zu verstehen.

Eine wichtiger Faktor eines organischen Konzepts der Menschheit ist ihre Fähigkeit zu organischem Wachstum. Die vergangene Entwicklung eines Organismus ermöglicht es uns nicht immer, seine Zukunft vorherzusagen. Zum Beispiel(,): bis die Frucht an einem Baum auftaucht, kann uns nichts in der Vergangenheit des Baumes sagen, dass er plötzlich einen neuen Zustand annehmen wird. Die Menschheit als Ganzes hat bereits solch tiefgreifende organische Übergänge - Phasenwechsel - durchgemacht. Die landwirtschaftlichen und industriellen Revolutionen bieten Beispiele. Die menschliche Einheit ist keine unrealistische Zukunft. Es liegt weit innerhalb der Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit, erklärte uns `Abdu'l-Bahá in Seinem Buch 'Ansprachen in Paris':
»Heute hat Bahá’u’lláh die "Einheit der Menschheit" verkündet. Alle Völker und Nationen gehören einer Familie an, sind Kinder eines Vaters und sollten zueinander wie Brüder und Schwestern sein. Ich hoffe, dass ihr euch bemühen werdet, diese Lehren zu leben und zu verbreiten.«

»Bahá’u’lláh hat uns gelehrt, auch unsere Feinde zu lieben und zu ihnen wie Freunde zu sein. Wenn alle Menschen diesem Prinzip gehorchten, so würde dadurch die größte Einigkeit und Einsicht in den Menschenherzen begründet werden.«

»Wir arbeiten und beten für die Einheit der Menschheit, damit alle Rassen der Erde zu einer Rasse und alle Länder zu einem Lande werden, damit alle Herzen wie ein einziges schlagen und für vollkommene Einheit und Brüderlichkeit zusammenwirken.«

In der von der Internationalen Bahá'í-Gemeinde ausgearbeitete Erklärung 'Das Wohlergehen der Menschheit' lesen wir:

»Das Ideal des Weltfriedens nimmt heute konkrete Formen an, die vor einem Jahrzehnt noch undenkbar gewesen wären. Hindernisse, die lange für unverrückbar gehalten wurden, sind auf dem Pfade der Menschheit zusammengebrochen; scheinbar unversöhnliche Konflikte beginnen, einem Prozess der Beratung und Entschlossenheit zu weichen; es wächst die Bereitwilligkeit, militärischen Aggressionen durch geeintes internationales Handeln zu begegnen. Dies bewirkte bei der überwiegenden Mehrheit der Menschheit und bei vielen führenden Persönlichkeiten der Welt große Hoffnung für die Zukunft unseres Planeten zu wecken, die schon fast erloschen schien.«

Das Universale Haus der Gerechtigkeit zeigt uns in Seiner Botschaft vom 18. Januar 2019 den Weg:

»Obgleich jedoch die Einheit der Welt möglich, ja unausweichlich ist, kann sie letztlich nicht erreicht werden ohne die vorbehaltlose Annahme der Einheit der Menschheit, die vom Hüter als "der Angelpunkt, um den alle Lehren Bahá’u’lláhs kreisen", beschrieben wird.«

 

@ Neue Blog Artikel via E-Mail abonnieren

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an, um Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.


Über den Autor
Helmut, Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

Weitere Beiträge dieses Autors

Kommentar schreiben





Durch das Anhaken der Checkbox erlaube ich www.erfurt-bahai.de die Speicherung meiner Daten um die Übersicht über Kommentare zu behalten und Missbrauch zu verhindern. Mit dem Absenden dieses Kommentars werden Name, E-Mail, Kommentar, URL und Zeitstempel in einer Datenbank gespeichert. Sie können Ihre Kommentare natürlich später jederzeit wieder löschen lassen. Detaillierte Informationen hierzu wie auch zur Nutzung von Google reCAPTCHA finden Sie in der Datenschutzerklärung.

* Diese Felder sind erforderlich

Kommentare

Keine Kommentare