Wer war Shoghi Effendi? - Der Hüter des Bahá'í-Glaubens!

Shoghi Effendi - Der Hüter des Bahá'í-Glaubens

Er war in den Augen seines Großvater ‘Abdu’l-Bahá sowohl ein Zeichen als auch ein Beweis für Gott. Er war ein Experte in Recht, Geschichte, religiösen Lehren, Ethik, Kunst, Musik, Sprachen, Finanzen und Architektur. Er liebte auch die Schwestergebiete der Geographie, Kartographie und Ökologie sehr. Mit seinem großen Wissen über Pflanzenarten bestellte er aus Saatgutkatalogen, um die einst kargen Hänge des Mt. Carmel, wo das Weltzentrum des Bahá'í-Glaubens heute seinen Sitz hat, zu verschönern. Immer ein Futurist und Visionär, kennzeichnete ihn das Schicksal als den "Sehnsüchtigen", als er die göttlichen Verse Bahá'u'lláhs als großer Lehrer, Übersetzer und Dolmetscher im Ausland verbreitete.

Um zu gewährleisten, dass Seine Offenbarung ihr Ziel, eine geeinte Welt zu schaffen, erreichen würde - und um die Einheit der Bahá'í-Gemeinschaft zu sichern - ernannte Bahá'u'lláh Seinen ältesten Sohn, ‘Abdu’l-Bahá, zum Zentrum Seines Bundes und verfügte die Errichtung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit. Im Gegenzug stellte ‘Abdu’l-Bahá Grundsätze für die Arbeitsweise des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf und erklärte, dass sich die Bahá'í nach seinem Tod seinem ältesten Enkel, Shoghi Effendi, geboren 1897, † 1957, zuwenden müssten, den er zum Hüter des Bahá'í-Glaubens ernannt hatte.

»O meine lieben Freunde! Nach dem Heimgang dieses Unterdrückten obliegt es den Aghsán ("Äste", die Nachkommen Bahá’u’lláhs), den Afnán ("Zweige", die Nachkommen des Báb) des Heiligen Lotosbaumes, den Händen der Sache Gottes und den Geliebten der Schönheit Abhá, sich Shoghi Effendi zuzuwenden, dem jugendlichen Ast, hervorgegangen aus den beiden geweihten, heiligen Lotosbäumen, der Frucht, entstanden aus der Vereinigung der beiden Sprösslinge des Heiligen Baumes; denn er ist das Zeichen Gottes, der ausersehene Ast, der Hüter der Sache Gottes, dem sich alle Aghsán, Afnán, Hände der Sache Gottes und Seine Geliebten zuwenden müssen. Er ist der Erklärer der Worte Gottes, und auf ihn wird der Erstgeborene seiner geradlinigen Abkommen folgen.«

(‘Abdu’l-Bahá, 'Wille und Testament')

Shoghi Effendi, der an der American University of Beirut und am Balliol College in Oxford, England, ausgebildet wurde, erfuhr von seiner Ernennung zum Hüter des Bahá’í-Glaubens im Alter von 24 Jahren, während seines Studiums in England, kurz nach dem Tod seines Großvaters ‘Abdu’l-Bahá.

Sowohl das Universale Haus der Gerechtigkeit, erst 1963 zum ersten Mal gewählt, als auch der Hüter hatten die Aufgabe, die Prinzipien anzuwenden, die Gesetze zu verkünden, die Institutionen zu schützen und den Bahá'í-Glauben an die Erfordernisse einer sich ständig weiterentwickelnden Gesellschaft anzupassen.

36 Jahre lang hat Shoghi Effendi mit außerordentlicher Weitsicht, Weisheit und Hingabe die Entwicklung systematisch gefördert, das Verständnis vertieft und die Einheit der Bahá'í-Gemeinde gestärkt, die zunehmend die Vielfalt der gesamten Menschheit widerspiegelt.

Unter der Leitung von Shoghi Effendi entwickelte sich das von Bahá'u'lláh entworfene einzigartige System zur Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten weltweit rasch. Er übersetzte Teile der umfassenden Bahá'í-Schriften ins Englische, entwickelte das geistige und administrative Zentrum des Glaubens im Heiligen Land und bot in den Zehntausenden von Briefen, die er verfasste, tiefe Einblicke in die spirituelle Dimension der Zivilisation und die Dynamik des sozialen Wandels und enthüllte eine ehrfurchtgebietende Vision der Zukunft, auf die sich die Menschheit zubewegt.

Während seiner Amtszeit entwarf er das religiöse und administrative Zentrum des Glaubens am Hang des Karmelberges in Haifa. Er vollendete dort auch die unter ‘Abdu’l-Bahá begonnene Errichtung des Schreins des Báb – einer der heiligsten Orte für die Bahá’í – und begann die Anlage der umliegenden Bahá’í-Gärten. Shoghi Effendi gestaltete ebenfalls den Schrein Bahá’u’lláhs und die ihn umgebenden Gärten in Bahjí bei Akká, in der Nähe von Haifa.

»Das erste der majestätischen Bauwerke, die diesen machtvollen Brennpunkt bilden, war das Internationale Archivgebäude, das im Sommer 1957 als eines der letzten großen Werke der Hüterschaft Shoghi Effendis fertiggestellt wurde. Mit ihm wurde der Stil für die verbleibenden Bauwerke festgelegt, die gemäß der Beschreibung des Hüters im Laufe der Zeit in Form eines weit ausholenden Bogens auf den Hängen des Berges Karmel errichtet werden sollen.«

(Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, 5. Juni 1975)

Die Entwicklung der Verwaltungsanordnung von Bahá'u'lláh

Die Entwicklung der Verwaltungsanordnung von Bahá'u'lláh war ein Schwerpunkt der Aufmerksamkeit von Shoghi Effendi. Im Zuge der Entwicklung der Bahá'í-Institutionen sollten sie die personellen und materiellen Ressourcen der Gemeinde mobilisieren und die notwendigen Instrumente für die Umsetzung des göttlichen Plans bereitstellen. Zunächst war eine Struktur von gewählten lokalen und nationalen Bahá'í-Institutionen erforderlich, um die Angelegenheiten der wachsenden Gemeinde zu verwalten. Shoghi Effendi leitete diese im Entstehen begriffenen Institutionen an, damit sie ein breites Spektrum wesentlicher Aktivitäten wie die Förderung der Lehren, die Herausgabe von Literatur und die Organisation des Gemeindelebens durchführen konnten - während sie gleichzeitig lernten, die von den Bahá'u'lláh vorgeschriebene Methode der beratenden Entscheidungsfindung zu praktizieren.

Es gibt drei Qualitäten im Wesen des Hüters, welche für uns sehr wichtig sind: Die erste davon ist Kühnheit, die zweite ist Einfallsreichtum und die dritte ist Sparsamkeit. Der Hüter hatte all diese Qualitäten in einem ausgeprägten Maße.

Der Hüter lies sich nie daran hindern etwas zu erreichen, wenn ihm Hindernisse in den Weg gelegt wurden. Er stellte sich ihnen, er versuchte nie, ihnen auszuweichen oder sie zu umgehen - er zog sie förmlich an.

Sein Einfallsreichtum bei der Durchführung der Arbeiten, insbesondere in Haifa, war phänomenal. Er entwickelte Wege, Dinge zu tun, die er selbst noch nie gesehen und von denen er noch nie gehört hatte.

Zum Beispiel baute er Terrassen und Gärten. Die Leute kamen zu ihm und sagten: "Ein Baum kann nicht in einem Meter Erde wachsen - ein Baum kann nicht auf dem Dach einer Zisterne wachsen - man kann einen Baum nicht in die Erde pflanzen und ringsum Erde bis zu seiner Krone aufhäufen, er wird absterben", und so weiter. Er tat all diese Dinge, er pflanzte Bäume auf Zisternenkronen, und nichts Negatives geschah mit ihnen, er bedeckte Bäume bis zur Krone - und es sah so aus, als würden drei schöne Bäume aus der Erde wachsen, statt einem. Er ließ sich von den Meinungen anderer Menschen nicht einschüchtern.

Shoghi Effendi's Ableben

Am 4. November 1957 verstarb Shoghi Effendi nach einem Influenzaanfall plötzlich in London. Er war gerade 60 Jahre alt. Fünf Tage später zog sein Begräbniszug nordwärts durch die Stadt zum so genannten Great Northern London Cemetery, wo die sterblichen Überreste des Hüters beigesetzt wurden.

Shoghi Effendi leitet die Anhänger Bahá'u'lláhs bei ihren Bemühungen um die Erweiterung und Festigung der Bahá'í-Gemeinschaft an. Weiterhin lesen wir über Beispiele für seine ungeheuren literarischen Fähigkeiten: Er schrieb voluminös, mit kraftvoller Gelehrsamkeit. Shoghi Effendi, der Autor von "Gott geht vorüber", "Die WeltordnungBahá’u’lláhs", "Der verheißene Tag ist gekommen" und vielen anderen Büchern und Abhandlungen, erläuterte und erklärte die Bahá’í-Prinzipien und verband ihre Umsetzung mit der laufenden Entwicklung der modernen Welt.

Nachstehend finden Sie einige kleine Auszüge aus den Schriften von Shoghi Effendi.

»Wie unermesslich ist die Offenbarung Bahá’u’lláhs! Wie groß ist das Ausmaß Seiner Segnungen für die Menschheit an diesem Tage! Und doch, wie armselig, wie unzureichend ist unser Verständnis ihrer Bedeutung und ihrer Herrlichkeit. Unser Geschlecht steht einer so gewaltigen Offenbarung zu nahe, um die unendlichen Möglichkeiten Seines Glaubens, den einmaligen Charakter Seiner Sache, die geheimnisvollen Fügungen Seiner Vorsehung voll zu würdigen.«

(Shoghi Effendi, 'Die Weltordnung Bahá’u’lláhs')

»Gottes Plan ist kein anderer, als auf Wegen, die Er allein bereiten und deren volle Bedeutung Er allein ergründen kann, das Große, das Goldene Zeitalter für eine lange zerspaltene und gequälte Menschheit einzuleiten. Ihr gegenwärtiger Zustand, ja auch ihre unmittelbare Zukunft, ist finster, schmerzlich finster. Die fernere Zukunft aber ist strahlend, herrlich strahlend – so strahlend, dass sie sich kein Auge vorstellen kann.«

(Shoghi Effendi, 'Der verheißene Tag ist gekommen')

»Die Offenbarung Bahá’u’lláhs, deren höchstes Ziel es ist, diese organische, geistige Einheit aller Nationen in ihrer Gesamtheit zu vollenden, muss, wenn wir zu ihren selbstverständlichen Folgerungen stehen, als Signal für den Eintritt des gesamten Menschengeschlechts in den Zustand der Mündigkeit betrachtet werden.«

(Shoghi Effendi, 'Die Weltordnung Bahá’u’lláhs')

»Die Vereinigung der ganzen Menschheit ist das Kennzeichen der Stufe, der sich die menschliche Gesellschaft heute nähert. Die Einheit der Familie, des Stammes, des Stadtstaates und der Nation ist nacheinander in Angriff genommen und völlig erreicht worden. Welteinheit ist das Ziel, dem eine gequälte Menschheit zustrebt.«

(Shoghi Effendi, 'Die Weltordnung Bahá’u’lláhs')

»Der belebende Sinn des weltweiten Gesetzes Bahá’u’lláhs darf keine Befürchtungen hervorrufen… Es übersieht weder die Verschiedenheiten der völkischen Herkunft, des Klimas, der Geschichte, Sprache und Überlieferung, des Denkens und der Gewohnheit, die die Völker und Länder der Welt unterschiedlich gestalten, noch versucht es, sie auszumerzen. Es ruft nach größerer Treue, stärkerem Bemühen als irgendein anderes, das je die Menschenwelt beseelt hat. Es besteht auf der Unterordnung nationaler Regungen und Belange unter die zwingenden Ansprüche einer geeinten Welt. Es verwirft einerseits die übersteigerte Zentralisation und entsagt zum andern allen Versuchen der Gleichmacherei.«

(Shoghi Effendi, 'Die Weltordnung Bahá’u’lláhs')

»Richtig eingeschätzt, unterstreicht die Vereinigung dieser drei Ruhestätten im Schatten des Grabmals des Báb, in einem Park von erlesener Schönheit mitten im Herzen des Karmel gelegen, der schneeweißen Stadt jenseits der Bucht von ‘Akká – der Qiblih der Bahá’í-Welt – zugewandt, die geistigen Kräfte, die von diesem Ort ausgehen, den Bahá’u’lláh Selbst den Thronsitz Gottes nannte. In einem Land, das schon von den Gläubigen dreier herausragender religiöser Systeme verehrt und heiliggehalten wird, markiert diese Vereinigung einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Errichtung jenes dauerhaften Weltverwaltungszentrums des zukünftigen Bahá’í-Gemeinwesens, das dazu bestimmt ist, in unmittelbarer Nähe des geistigen Zentrums des Glaubens zu wirken und nie von ihm getrennt zu werden.«

(Shoghi Effendi, 'Gott Geht Vorüber')

»Diese Redlichkeit des Verhaltens mit der damit verbundenen Gerechtigkeit, Rechtlichkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit muss jede Phase im Leben der Bahá’í-Gemeinde auszeichnen. "Die Gefährten Gottes", so hat Bahá’u’lláh selbst erklärt, "sind an diesem Tag der Sauerteig, der die Völker der Welt voll durchdringen muss. Sie müssen solche Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Ausdauer, solche Taten und einen solchen Charakter zeigen, dass die ganze Menschheit aus ihrem Beispiel Nutzen ziehen kann."«

(Shoghi Effendi, 'Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit')

Sie können mehr über einige von Shoghi Effendis Schriften und Briefsammlungen erfahren, indem Sie entsprechende Bücher unserer Bibliothek zum Lesen ausleihen.

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