Was ist der Weltreligionstag?

Die Vision der Einheit aller Offenbarungsreligionen

Der Weltreligionstag wurde 1950 von den Bahá'í der Vereinigten Staaten initiiert und wird am dritten Sonntag im Januar gefeiert. Der Tag war schon damals geprägt von Diskussionen, Konferenzen und anderen Veranstaltungen, die das Verständnis und die Kommunikation zwischen den Anhängern aller Religionen fördern. Sein Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf die Harmonie der spirituellen Prinzipien und die Einheit der Weltreligionen zu lenken und herauszuarbeiten, dass die Religionen der Welt eine treibende Kraft für die Einheit der Menschen sind. In vielerlei Hinsicht bemüht man sich bei den Feierlichkeiten zum Weltreligionstag, diese Worte aus dem Buch 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs' umzusetzen:

»O ihr Menschenkinder! Der Hauptzweck, der den Glauben Gottes und Seine Religion beseelt, ist, das Wohl des Menschengeschlechts zu sichern, seine Einheit zu fördern und den Geist der Liebe und Verbundenheit unter den Menschen zu pflegen. … Was immer auf dieser Grundlage errichtet ist, dessen Stärke können Wandel und Wechsel der Welt nie beeinträchtigen, noch wird der Ablauf zahlloser Jahrhunderte seinen Bau untergraben.«

Religion ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil im Alltag und in der Kultur der Menschen. Die Vielfalt der Weltzivilisation und der Glaubensrichtungen ist faszinierend – kann aber auch ein Grund für Konflikte sein. Im Grunde genommen vermittelt Glauben Sinn und Trost, motiviert außerdem seine Anhänger sich selbst zu verbessern und für andere da zu sein. Doch betrachtet man die Geschichte der Menschheit als Gesamtes, spielt Religion leider auch eine Schlüsselrolle in blutigen Machtspielen.

Das will der Weltreligionstag ändern: Statt auf Unterschieden zu beharren, sollen Gemeinsamkeiten gesucht, Differenzen akzeptiert und Verständnis für einander gefördert werden. In den Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 18. Januar 2019 und Oktober 2017 lesen wir folgendes:

»Einheit im Bahá’í-Sinne schließt das grundlegende Konzept von Vielfalt ein und unterscheidet sich dadurch von Uniformität. Durch die Liebe zu allen Menschen und durch die Unterordnung nachrangiger Loyalitäten unter das Wohl der Menschheit kann die Einheit der Welt verwirklicht werden und die unendlichen Ausdrucksformen menschlicher Vielfalt finden ihre höchste Erfüllung.«

»Bahá’u’lláhs Lehren bezeugen den Adel des menschlichen Geistes. Seine Vision der Gesellschaft ist eine, die diesem Adel würdig und auf Prinzipien gegründet ist, die ihn schützen und stärken. Die Einheit der Menschheitsfamilie stellt Er ins Zentrum kollektiven Lebens; die Gleichberechtigung von Frauen und Männern macht Er unmissverständlich geltend. Er bringt die scheinbar einander entgegenwirkenden Kräfte unseres Zeitalters in Einklang – Wissenschaft und Religion, Einheit und Vielfalt, Freiheit und Ordnung, persönliche Rechte und gesellschaftliche Verantwortung. Zu Seinen größten Gaben zählt die Gerechtigkeit, die sich in Institutionen manifestiert, deren Anliegen der Fortschritt und die Entwicklung aller Völker ist. In Seinen eigenen Worten hat Er „aus Gottes Heiligem Buche gelöscht…, was die Ursache von Streit, Bosheit und Unrecht unter den Menschenkindern gewesen ist“ und gleichzeitig „die wesentlichen Vorbedingungen für Eintracht, Verständigung und völlige und dauernde Einheit niedergelegt“.«

Obwohl der Weltreligionstag seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten hat, wird inzwischen sogar auch außerhalb der Bahá’í-Gemeinden am Weltreligionstag an die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für ein friedliches Zusammenleben in Vielfalt erinnert. Viele Gemeinschaften auf der ganzen Welt haben diese Idee der Vereinigung übernommen. Rechts sehen wir Gedenkmarken welche in Canada, Sri Lanka, der Demokratischen Republik Kongo und z.B. in Trinidad & Tobago erschienen sind.

Auch in unserer Nähe, in unserem Umfeld, gibt es eine organisierte interreligiöse Bewegung: seit einigen Jahren in Thüringen den „Interreligiösen Gesprächskreis - Religionen in Thüringen“. Seine nächste große Veranstaltung ist das Interreligiöse Gedenken am 03. November 2019, von 15-17 Uhr, im Atrium der Stadtwerke Erfurt. In seinem ersten Teil stellen Vertreter von Judentum, Christentum, Islam und Bahá’í Texte und Gebete aus ihren Traditionen vor. Anschließend tauschen sich auf dem Podium vier Vertreter/-innen der beteiligten Religionen über das Thema „Krankheit und Sterben“ aus.

In Erfurt intensiviert und organisiert sich gerade der „Erfurter Interreligiöse Dialog“, zu dem Gäste und Mitwirkende herzlich willkommen sind.

Im Geiste des Weltreligionstages, der darauf abzielt, das interreligiöse Verständnis zu stärken, wollten wir einige Blog-Artikel, die der Einheit der Religionen gewidmet sind, mit Ihnen teilen:

Das Prinzip der Einheit   
»Das Tabernakel der Einheit«, verkündet Bahá'u'lláh in Seiner Botschaft an die ganze Menschheit, »ist errichtet worden; betrachtet euch nicht gegenseitig als Fremde ... Ihr seid alle die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger ... Der Mensch rühme sich nicht dessen, dass er sein Land liebt, eher dessen, dass er die Menschheit liebt.«

Das Parlament der Weltreligionen -
mit dem Video: Das Herz des Glaubens - Das Parlament der Weltreligionen, dieses Video, welches für das Parlament der Weltreligionen 2015 erstellt wurde, fasst die Vision hinter dieser weltweiten interreligiösen Bewegung auf schöne Weise zusammen.

Die Religion als Quelle der Liebe und Freundschaft
Die göttlichen Propheten kamen, das Reich der Einheit in den Herzen der Menschen zu errichten. Sie alle kündeten der Menschenwelt die frohe Botschaft der göttlichen Gaben. Alle brachten der Welt die nämliche Botschaft der göttlichen Liebe. Um der Einheit der Menschen willen gab Jesus Christus am Kreuz Sein Leben... 

Toleranz, im Zentrum der Bahá'í Lehren
Toleranz ist ein wichtiges Thema und Konzept in der Bahá'í-Lehre. Die Bahá'í glauben an die Einheit der Menschheit, an die Einheit der Religion, befürworten eine Weltregierung und eine universelle Sprache. Die spirituelle Grundlage für religiöse Toleranz ist die Anerkennung der gemeinsamen Quelle aller großen Glaubensrichtungen der Welt.

Das Licht der Gerechtigkeit
Der Zweck der Gerechtigkeit ist das Zustandekommen von Einheit unter den Menschen. Das Meer göttlicher Weisheit wogt in diesem erhabenen Wort.

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Über den Autor
Helmut, Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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