Toleranz, im Zentrum der Bahá'í Lehren

Toleranz, im Zentrum der Lehren Baha'u'lláhs

Die Frage nach der Toleranz ist eine ziemlich schwierige, weil man sich erst einmal überlegen muss, was man unter Toleranz verstehen will.

»Die Religion muss die Quelle einer wahren Liebe sein, die weit über Toleranz hinausgeht.« sagte Bahá'u'lláh

Ein Vorbild gelebter Toleranz

Trotz aller eigenen Not wurde 'Abdu'l-Bahá bekannt als Helfer der Armen. Unablässig warb er für Toleranz und Verständigung unter den Religionen. Er war zu Gast in Moscheen, in Synagogen und Kirchen. Zu den Juden sprach er von Christus, zu den Christen von Mohammad. Unermüdlich warb er für Frieden und Aussöhnung. Die Beisetzung 'Abdu'l-Bahás im Jahre 1921 wurde zur bislang volkreichsten Demonstration gemeinsamer Betroffenheit und Trauer sämtlicher Religions- und Bevölkerungsgruppen Palästinas.

Abdu'l-Bahá in 'Briefe und Botschaften' sagte, bezüglich dem Lehren des Bahá'í-Glaubens: »Allerdings sollte diese Tätigkeit durch Weisheit gezügelt werden - nicht durch jene Weisheit, die verstummen und die hohe Pflicht vergessen lässt, vielmehr durch die Weisheit, welche göttliche Toleranz, Liebe, Güte, Geduld, guten Charakter, und geheiligte Taten darzutun gebietet. Kurz gesagt, ermutigt jeden einzelnen Freund, Gottes Sache zu lehren, und lenkt ihre Aufmerksamkeit auf diese in den Schriften dargelegte Bedeutung der Weisheit; sie ist das Wesen des Lehrens. Aber all das muss mit größter Toleranz geschehen, damit die Freunde himmlischen Beistand und göttliche Bestätigung erfahren.«

Toleranz innerhalb der Bahá'í-Gemeinde

Nach dem Universalen Haus der Gerechtigkeit sollte das Ziel der Toleranz in der Bahá'í-Gemeinschaft so sein: »Ihr Ziel sollte sein, eine Atmosphäre gegenseitigen Respekts und der Toleranz zu fördern, in der Gelehrte, deren Hauptinteresse theologischen Themenbereichen gilt, wie solche Gelehrte, die sich für eine Verbindung der durch die Bahá'í-Lehren vermittelten Erkenntnisse mit dem zeitgenössischen Gedankengut der Künste und Wissenschaften interessieren, eine Heimat finden können.«

In einem Brief Shoghi Effendis lesen wir: »Wissenschaftler und Fachleute sind gewohnt, im Laufe ihrer Forschungen auf neue Tatsachen zu stoßen, die ein Umdenken bei vielen Aspekten ihrer Fachgebiete erforderlich machen. Was nun ihre Vertiefung in die Lehren des Glaubens betrifft, brauchen sie natürlich Zeit, so viele neue Konzepte zu studieren und aufzunehmen. Man muss ihnen helfen, damit sie so schnell wie möglich vertiefte Kenntnis der Lehren erwerben. Allmählich werden diese Erkenntnisse auf ihre bisherigen Ansichten neues Licht werfen. Gleichzeitig müssen Bahá'í-Gemeinden Ideen gegenüber, die ihren bisherigen Vorstellungen nicht entsprechen, größere Toleranz entwickeln und für neue Einsichten offen sein ...«

Die Toleranz gegenüber Andersgläubigen

Wenn wir aus dem Gesichtspunkt, dass »alle Menschen miteinander verwandt sind«, (der Genetiker Svante Pääbo) uns überlegen, dass wir aus einer Quelle stammen dann lassen diese unmissverständlichen Worte Bahá’u’lláhs, keinen Platz für Entfremdung:

»Verkehrt mit den Anhängern aller Religionen im Geiste des Wohlwollens und der Brüderlichkeit.« Diese Worte lassen die Toleranz hinter sich und sind Aufruf für den gelebten Dialog in gegenseitiger Akzeptanz.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit schreibt in seiner Botschaft An die Religiösen Führer der Welt, April 2002 folgendes:

»Mit jedem neuen Tag wächst die Gefahr, dass die auflodernden Feuer religiöser Vorurteile einen Weltbrand entfachen, dessen Folgen sich niemand ausmalen kann. Eine solche Gefahr können die Regierungen nicht ohne Hilfe überwinden. Auch sollten wir uns nichts vormachen: bloße Aufrufe zu gegenseitiger Toleranz können keinen Hass tilgen, der für sich beansprucht, Gottes Segen zu besitzen. Diese Krise erfordert von den Amtsträgern der Religionen einen ebenso entschiedenen Bruch mit der Vergangenheit, wie er bei der Überwindung der gleichermaßen zerstörerischen Vorurteile der Rasse, des Geschlechts oder der Nation in der Gesellschaft vollzogen wurde. Wenn Einflussnahme auf Gewissensfragen überhaupt gerechtfertigt ist, dann nur, um dem Wohlergehen der Menschheit zu dienen. An diesem größten Wendepunkt in der Geschichte der zivilisierten Menschheit könnte nicht klarer sein, was solcher Dienst verlangt.«

Warum religiöse Toleranz nicht genug ist

Wir leben in einer vielfältigen religiösen Welt, daher brauchen wir Toleranz. Aber ist Toleranz genug?

Einige neue Überlegungen zu diesem Thema würden nicht nur religiöse Toleranz für diejenigen mit starken religiösen Überzeugungen schmackhafter machen, sondern sie könnten zu einer echten Wertschätzung der verschiedenen Glaubensausdrücke führen.

»Die Wohlfahrt der Menschheit«, mahnt Bahá’u’lláh, »ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist«.

Über das Prinzip der Einheit werden wir uns in einem weiteren Blog-Artikel auseinander setzen.

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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