Die Religion als Quelle der Liebe und Freundschaft

Die Religion, als Quelle der Liebe und Freundschaft

Alle Religionen lehren uns, einander zu lieben, unsere eigenen Mängel zu erkennen, bevor wir es wagen, die Fehler anderer zu verurteilen - und uns nicht über unsere Nachbarn zu erheben.

Nach den Lehren der Bahá'í-Religion ist beabsichtigt, alle Herzen zu vereinen und Krieg und Streit zu eliminieren. Religion sollte die Quelle der Spiritualität und Geistigkeit sein, jeder Seele Führung, Licht und Leben geben, Freundschaft ermöglichen. Wenn Religion Feindschaft, Hass oder Uneinigkeit verursacht, ist es besser, darauf zu verzichten, und die Entfremdung von einer solchen Religion wäre ein wirklich religiöser Schritt. Denn Religion ist wie eine Medizin, und der Zweck einer Medizin ist es, Heilung zu bringen, aber wenn sie nur Leiden verschlimmert, ist es besser, die Medizin abzulehnen. Jede Religion, die nicht zu Liebe und Harmonie führt, ist keine Religion. Alle heiligen Propheten und Offenbarer Gottes gaben Rezepte für die Genesung der Menschheit. Daher kann jede Medizin, die die Krankheit verkompliziert, nicht von einem großen und geschickten Heiler kommen. Die Verheißung des Friedens zwischen den Religionen erklingt auf vielen Seiten der Schriften Bahá'u'lláhs:

»Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.« (Kitáb-i-Aqdas)

»O ihr Menschenkinder! Die grundlegende Absicht, die den Glauben Gottes und Seine Religion beseelt, ist, die Belange der menschlichen Rasse zu schützen und ihre Einheit zu fördern ...« (Die Verkündigung Bahá'u'lláhs an die Könige und Herrscher der Welt)

Die Idee, dass die Religion der Einheit und der Harmonie dienen soll, entwickelte Abdu'l-Bahá in 'Christ sein heißt ...'

»Die göttlichen Propheten kamen, das Reich der Einheit in den Herzen der Menschen zu errichten. Sie alle kündeten der Menschenwelt die frohe Botschaft der göttlichen Gaben. Alle brachten der Welt die nämliche Botschaft der göttlichen Liebe. Um der Einheit der Menschen willen gab Jesus Christus am Kreuz Sein Leben...«

»Durch Seinen Tod und durch Seine Lehren gelangten wir in Sein Reich. Das Wesen Seiner Lehre war die Einheit der Menschheit und dass wir durch Liebe die erhabensten menschlichen Tugenden erlangen. Er kam, das Reich des Friedens und des ewigen Lebens zu errichten. Könnt ihr in Seinen Worten die leiseste Rechtfertigung für Uneinigkeit und Feindschaft finden? Das Ziel Seines Lebens und der Ruhm Seines Todes waren, die Menschheit von den Sünden des Streits, des Kriegs und Blutvergießens zu befreien. Die großen Nationen der Welt sind stolz darauf, dass sie ihre Gesetze und ihre Zivilisation auf der Religion Christi gründen.«

Die Einheit des Menschengeschlechts, wie sie Bahá'u'lláh vorausschaut, umschließt die Begründung eines Weltgemeinwesens, in welchem alle Nationen, Rassen, Glaubensbekenntnisse und Klassen eng und dauerhaft vereint, die Autonomie seiner nationalstaatlichen Glieder sowie die persönliche Freiheit und Selbständigkeit der einzelnen Menschen, aus denen es gebildet ist, ausdrücklich und völlig gesichert sind.

Shoghi Effendi schrieb 1936 [1] in 'Die Weltordnung Bahá'u'lláhs':

»Ein Netzwerk weltweiter Kommunikation wird ersonnen werden; es wird den ganzen Erdball umspannen und, von allen nationalen Hindernissen und Beschränkungen frei, mit wunderbarer Schnelligkeit und vollkommener Pünktlichkeit ablaufen. Eine Welthauptstadt wird als Nervenzentrum einer Weltzivilisation und als Brennpunkt wirken, in dem die einigenden Lebenskräfte zusammenlaufen und von dem ihre kraftbringenden Einflüsse ausstrahlen werden. Eine Weltsprache wird entweder geschaffen oder unter den bestehenden Sprachen ausgewählt und in den Schulen aller verbündeten Nationen als ein Hilfsmittel neben der jeweiligen Muttersprache gelehrt werden. Eine Weltschrift, eine Weltliteratur, ein einheitliches, allumfassendes Währungs-, Gewichts- und Maßsystem werden den Verkehr und die Verständigung unter den Nationen und Rassen der Menschheit vereinfachen und erleichtern. In dieser Weltgesellschaft werden Wissenschaft und Religion, die beiden gewaltigsten Kräfte im menschlichen Leben, in Einklang gebracht sein; sie werden zusammenwirken und sich harmonisch entwickeln.«

[1] Seit 1935 arbeitete Konrad Zuse in Berlin an seinem ersten frei programmierbaren Rechenwerk Z 1, das er 1937/38 fertigstellte.

Sehen wir der Verwirklichung dieser weltumfassenden Vision einen neuen Impuls verliehen und den Ausblick auf eine weltweite Erneuerung eröffnet.

Abdu'l-Bahá im Buche 'Briefe und Botschaften' ruft uns auf:

»Erhebt eure Stimme und singt die Weisen vom Reiche Abhá. Erstickt die Flammen des Krieges, hisst hoch die Banner des Friedens, arbeitet für die Einheit der Menschheit und denkt daran, dass Religion ein Kanal der Liebe zu allen Völkern ist.«

Die Menschheit wächst immer mehr zusammen, Nöte und Neugierde treibt uns in die Welt hinaus und wir sehen: überall sind Menschen wie du und ich, wir alle wollen in Frieden und Eintracht leben, unseren Kindern eine bessere Zukunft gestalten und sichern. Wir sehen, dass viele Menschen im Krieg sterben oder fliehen müssen, traurig in einer Zeit, in der wir das alles erleben und die tiefere Ursache nicht erkennen. Manche Politiker streben nach Frieden - aber wie?

In 'Der Weltfriedensvertrag' verweist Abdu'l-Bahá jedoch darauf, dass Frieden als isoliertes Ziel nicht zu realisieren ist; Frieden - wirklicher, dauernder Frieden - ist nur in einem geistig inspirierten und gehaltenen Gesamtkonzept zu haben. Quelle und Impulsgeber eines solchen Konzepts ist Ihm die Offenbarung Bahá'u'lláhs als umfassende religiöse Neuorientierung einer Zeit des Umbruchs in allen Aspekten menschlichen Lebens. Folgerichtig ist in diesem Brief das Motiv des Friedens aufs engste verwoben mit den Prinzipien einer Religion, welche nicht nur die individuelle Tugend der Nächstenliebe wieder belebt, sondern auch neue gesellschaftliche Maßstäbe setzt: die Einheit der Menschheit" und die Verwirklichung der weltumfassenden Harmonie des "Größten Friedens" in einer der Gerechtigkeit verpflichteten globalen Ordnung.

So kann dieser Brief Abdu'l-Bahás, dessen "weitreichende Bedeutung" Shoghi Effendi im Buch 'Gott geht vorüber', ausdrücklich hervorhob, durchaus als tragfähiges Modell einer zukunftsorientierten, friedenstiftenden Beziehung zwischen Religion und Politik verstanden und studiert werden.

Unsere Welt ist in den Kernschatten einer Zeit fundamentalen Wandels getreten, der alles in ihrer stürmischen Geschichte Dagewesene übertrifft. Ihre Völker, gleich welcher Rasse, Nation oder Religion sie auch angehören, sind gefordert, alle nachrangigen Treuepflichten und alle begrenzten Identitäten ihrer Einheit als Bürger einer einzigen planetaren Heimat unterzuordnen.

Was können wir tun? Helfen uns diese Aussagen Bahá'u'lláhs aus 'Brief an den Sohn des Wolfes'?

»Sei freigebig im Glück und dankbar im Unglück.«

»Sei des Vertrauens deines Nächsten wert und schaue hellen und freundlichen Auges auf ihn.«

»Sei ein Schatz dem Armen, ein Mahner dem Reichen, eine Antwort auf den Schrei des Bedrückten und halte dein Versprechen heilig.«

»Sei gerecht in deinem Urteil und behutsam in deiner Rede.«

»Sei zu keinem Menschen unbillig, sondern erweise allen Sanftmut.«

»Sei wie ein Lampe für die, so im Dunkeln gehn, eine Freude den Betrübten, ein Meer für die Dürstenden, ein schützender Port für die Bedrängten, Stütze und Verteidiger für das Opfer der Unterdrückung. Lass Sauberkeit und Redlichkeit all dein Handeln auszeichnen.«

»Sei eine Heimat dem Fremdling, ein Balsam dem Leidenden, dem Flüchtling ein starker Turm.«

»Sei dem Blinden Auge und ein Licht der Rechtleitung für den Fuß des Irrenden.«

Auch das Gebet ist ein Stück auf dem Weg zum Frieden, Abdu'l-Bahá schrieb im Buch 'Ansprachen in Paris':

»Ich bitte euch, einen und alle, dringend, eure Gebete mit den meinigen zu verbinden, auf dass Krieg und Blutvergießen ein Ende finden und Liebe, Freundschaft, Frieden und Eintracht die Welt beherrschen mögen!«

Das ist bestimmt ein Weg, aber Handlung muss auf das Gebet folgen, unsere Taten müssen mehr als Worte sein. In Taten Barmherzigkeit üben, Zivilisation verbreiten, der Wissenschaft zum Fortschritt helfen und Künste entwickeln und Wertschätzen. Menschen fördern, ein geduldiges Leben des tätigen Dienstes zu leben, durch unsere Handlungen das göttliche Licht offenbaren.

Lasst unsere Taten die Ursache des Fortschritts für die Menschheit sein.

Abdu'l-Bahá äußerte weiterhin im Buch 'Ansprachen in Paris':

»Strebet darum, dass eure Taten tagtäglich wundervolle Gebete seien. Wendet euch zu Gott und versuchet immer, zu tun, was recht und edel ist. Unterstützt die Armen, richtet die Gefallenen auf, gebt den Bekümmerten Trost, bringt Heilung für die Kranken, stärkt die, die in Ängsten sind, befreit die Unterdrückten, macht den Hoffnungslosen Hoffnung und beschützet die Verlassenen!«

Wir können hier keinen Unterschied machen, woher ein leidender kommt oder welchen Glauben er hat(,); wir wissen, dass wir Alle von einem Gott abstammen und wir eigentlich alle Brüder und Schwestern sind.

Abdu'l-Bahá schrieb in 'Das Geheimnis Göttlicher Kultur'

»Fürwahr, das stärkste der Mittel, die den Ruhm und den Fortschritt des Menschen bewirken, die höchste Wirkkraft für die Aufklärung und Erlösung der Welt sind Liebe, Freundschaft und Einheit zwischen allen Gliedern des Menschengeschlechts. Nichts in der Welt ist durchführbar, ja nicht einmal denkbar, ohne Einheit und Einklang, und das vollkommene Mittel, Freundschaft und Einheit zu bewirken, ist wahre Religion.«

»Überleget, ob es in der Schöpfung ein Prinzip gibt, das in irgendeiner Hinsicht machtvoller ist als die Religion, ob eine Kraft gedacht werden kann, die durchdringender ist als die zahlreichen göttlichen Offenbarungen, ob ein Mittel irgendwelcher Art wahre Liebe, Freundschaft und Einheit zwischen allen Völkern hervorbringt, wie es der Glaube an einen allmächtigen und allwissenden Gott vermag, oder ob es außer den Gesetzen Gottes Anzeichen einer Wirkkraft für die Erziehung der ganzen Menschheit auf jeder Stufe redlicher Lebensführung gibt!«

Bahá'u'lláh äußerte in 'Botschaften aus Akká':

»Das Ziel der Religion, wie sie vom Himmel des heiligen Willens Gottes offenbart ist, besteht darin, Einheit und Eintracht unter den Völkern der Welt zu stiften; macht sie nicht zur Ursache für Zwist und Streit. Die Religion Gottes und Sein göttliches Gesetz sind die machtvollsten Werkzeuge und die sichersten Mittel dafür, dass das Licht der Einheit zwischen den Menschen anbricht. Der Fortschritt der Welt, die Entwicklung der Nationen, die Ruhe der Völker und der Frieden aller Erdenbewohner gehören zu den Grundsätzen und Geboten Gottes. Die Religion schenkt dem Menschen die wertvollste aller Gaben, reicht ihm den Kelch des Wohlstands, verleiht ihm ewiges Leben und lässt unzerstörbare Wohltaten auf die Menschheit herniedergehen.«

Ich möchte mit dem Aufruf Abdu'l-Bahás diesen Post beenden:

»Ich hoffe, dass ihr eure Erkenntnisfähigkeit benutzen werdet, um die Einheit und Ruhe des Menschengeschlechtes zu fördern, dem Volk Belebung und Zivilisation zu geben, Liebe überall um euch zu wecken und den allgemeinen Frieden herbeizuführen.«

»Studiert die Wissenschaften, eignet euch mehr und mehr Wissen an. Man kann gewiss bis an sein Lebensende lernen. Nutzt euer Wissen stets zum Wohle anderer, dann mag der Krieg von dieser schönen Erde ablassen und ein herrlicher Bau des Friedens und der Eintracht aufgerichtet werden. Bemüht euch darum, dass eure hohen Ideale im Reiche Gottes auf der Erde wie im Himmel verwirklicht werden mögen.«

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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