Meditation im Bahá'í-Glauben

Wie können wir Meditation im Bahá'í-Glauben verstehen?

Gebet und Meditation werden oft gemeinsam als die wichtigsten Voraussetzungen für das geistige Wachstum genannt. In den Schriften Bahá'u'lláhs finden wir verschiedene Aussagen dazu:

»Meditiert darüber, damit das Geheimnis unsichtbarer Dinge euch enthüllt werde und ihr die Süße geistiger Düfte atmet und die Wahrheit erkennet, …«

(Bahá'u'lláh, 'Kitáb-i-Íqán')

»Versenkt euch in das Meer Meiner Worte, damit ihr seine Geheimnisse ergründet und alle Perlen der Weisheit entdecket, die in seinen Tiefen verborgen liegen.«

(Bahá'u'lláh, 'Kitáb-i-Aqdas')

In den Schriften Bahá'u'lláhs finden wir weitere Hinweise sowie einige Synonyme zum Meditieren, Sichversenken oder tiefen Nachdenken:

»… tief muss man über die Worte nachsinnen: »Eine Stunde Nachdenkens ist mehr wert als siebzig Jahre frommer Andacht.«

(Bahá'u'lláh, 'Kitáb-i-Íqán')

»Wolltest du eine Weile nachdenken, du würdest die Weisheit, Macht und höchste Herrschaft Gottes – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – bezeugen.«

(Bahá'u'lláh, 'Brief an den Sohn des Wolfes')

»Ja, mein Bruder, wenn wir über irgendeines der erschaffenen Dinge nachdenken, so werden wir hunderttausend vollkommene Weisheiten finden und ungezähltes wundersames und neues Wissen erfahren.«

(Bahá'u'lláh, 'Die Sieben Täler‘)

»Der Kitáb-i-Aqdas ist so offenbart, dass er alle göttlich bestimmten Sendungen anzieht und umfasst. Selig, wer ihn gründlich liest! Selig, wer ihn begreift! Selig, wer darüber meditiert! Selig, wer über seine Bedeutung nachdenkt!«

(Bahá'u'lláh, 'Botschaften aus ‘Akká')

Bahá’u’lláh schrieb weiter:

»…, dass in jedem Phänomen ein Zeichen (von Gott) zu finden ist: Das Zeichen des Verstandes ist Kontemplation, und das Zeichen der Kontemplation ist Stille; denn kein Mensch ist imstande, zwei Dinge gleichzeitig zu tun. Er kann nicht zugleich sprechen und meditieren.«

In Seinen Ansprachen bezeichnete ‘Abdu’l-Bahá das Gebet als »Zwiesprache mit Gott«, und über das Meditieren schrieb Er:

»Was dieses Land jedoch dringend benötigt, sind tiefes Nachdenken, entschlossenes Handeln, Bildung, Inspiration und Ermutigung.«

(‘Abdu’l-Bahá, 'Das Geheimnis göttlicher Kultur')

Einige Gedanken zudem was das Universale Haus der Gerechtigkeit am 1. September 1983 zu Meditation und Geistigem Wachstum schrieb finden Sie hier. 

Zum Beispiel sagte uns das Universelle Haus der Gerechtigkeit in Seiner Botschaft vom 1. September 1983 weiterhin:

»Es muss auffallen, wie privat und persönlich die grundlegendsten geistigen Übungen des Gebets und der Meditation in unserem Glauben sind … aber die täglichen Pflichtgebete müssen in der Abgeschiedenheit des eigenen Zimmers gesprochen werden, und das Meditieren über die Lehren ist ebenfalls eine private Tätigkeit des einzelnen, keine Form von Gruppentherapie.«

»Natürlich kann man auch auf andere Art seine Geistigkeit vermehren. So hat Bahá'u'lláh z.B. keine spezifischen Techniken genannt, die beim Meditieren befolgt werden sollen, und dem einzelnen Gläubigen steht es frei, auf diesem Gebiet so vorzugehen, wie er möchte, vorausgesetzt, er bleibt in Übereinstimmung mit den Lehren. Solche Aktivitäten sind jedoch rein persönlich und sollten unter keinen Umständen mit den Handlungen verwechselt werden, die Bahá'u'lláh selbst als grundlegend wichtig für unsere geistige Entwicklung erachtet hat.«

Shoghi Effendi wies in den Erläuterungen des 'Kitáb-i-Aqdas' darauf hin, dass die Fastenzeit mit der vollständigen Enthaltung von Speise und Trank zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang …

»im wesentlichen eine Zeit der Meditation und des Gebetes, der geistigen Erneuerung ist, während der der Gläubige sich bemühen soll, sein inneres Leben wieder zu ordnen und die in seiner Seele ruhenden geistigen Kräfte zu erfrischen und zu stärken. Der Sinn und Zweck des Fastens ist geistiger Natur. Fasten ist ein Symbol, eine Mahnung, sich selbstischer und fleischlicher Wünsche zu enthalten.«

Zur Frage, wer sollte meditieren?

Nach unseren heiligen Texten ist die Meditation jedem Menschen, ob Mann oder Frau, vorgeschrieben - im Grunde jeder menschlichen Seele.

»Man kann die Bezeichnung ›Mensch‹ keinem Wesen geben, welches diese Fähigkeit der Meditation nicht besitzt. Ohne sie wäre der Mensch ein rein animalisches Wesen, niederer als die wilden Tiere.«

»Durch die Fähigkeit zu meditieren erlangt der Mensch das ewige Leben. Durch sie empfängt er den Odem des Heiligen Geistes, dessen Gnadengaben sich in Überlegung und Betrachtung kundtun.«

»Die Fähigkeit zu meditieren befreit den Menschen von der animalischen Natur, geht der Wirklichkeit der Dinge auf den Grund und verbindet den Menschen mit Gott.«

(‘Abdu’l-Bahá, 'Ansprachen in Paris')

Lassen Sie uns in diesem Sinne vorwärts gehen und uns eingehender damit befassen, was Meditation eigentlich ist.

Was ist eigentlich Meditation?

In Seinen Ansprachen sagte ‘Abdu’l-Bahá über das Meditieren:

»Meditation ist der Schlüssel zu den Toren der Geheimnisse. In diesem Zustand abstrahiert sich der Mensch: Er zieht sich von allen außenstehenden Objekten zurück; in dieser subjektiven Haltung versinkt er im Ozean geistigen Lebens und kann die Geheimnisse der Dinge an sich enthüllen. Um dies zu erläutern, muss man sich den Menschen als ein Wesen vorstellen, das mit zweierlei Sehvermögen begabt ist. Wenn die Kraft des inneren Auges gebraucht wird, kann das äußere nicht sehen.«

»Während der Meditation wird die Seele des Menschen unterrichtet und gestärkt, durch Meditation entfalten sich vor seinem Auge Dinge, von denen er zuvor nichts wusste. Durch Meditation erfährt er göttliche Eingebung, durch sie empfängt er himmlische Nahrung.«

Wir lernen aus unseren Heiligen Schriften, dass wir keine feste Art der Meditation haben.

Viele Menschen bleiben in der Meditation oder im Gebet stecken, weil es an der Fähigkeit mangelt, sich zu konzentrieren, und hören wieder auf damit, um persönliche Unzulänglichkeiten zu umgehen oder einen Mangel an Spiritualität zu erkennen.

In Wirklichkeit ist die Meditation jedoch eine spirituelle Fähigkeit, die kultiviert und diszipliniert werden muss, um die Begabung aufzubauen, dieses Gespräch mit dem eigenen Geist oder Gott zu führen.

Es kann hilfreich sein, sich zu fragen: Welche Qualität der Aufmerksamkeit und Konzentration können wir unseren Gebeten und der Meditation entgegenbringen, unabhängig von den menschlichen Umständen, die wir zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort oder zu einer bestimmten Zeit durchlaufen, um ununterbrochen in diese Verbindung zu gelangen?

Wenn unser Verstand herumwandert, gibt es eine gewisse Disziplin, die erforderlich ist, um ständig die Aufmerksamkeit auf Gott zu lenken, zurück zu der Frage, die sich Ihrem eigenen Geist stellt, zurück zum Gespräch - und hoffentlich ohne sich durch Selbstverurteilung der eigenen Schuld, von Zweifel, Angst, Sorge usw. herunterziehen zu lassen?

»Es gibt Gedanken, die für den Menschen nutzlos sind: Sie gleichen Meereswogen, welche branden, ohne dass etwas geschieht. Aber wenn die Fähigkeit des Meditierens vom inneren Licht durchdrungen und mit göttlichen Attributen gekennzeichnet ist, werden die Ergebnisse Bestätigung finden.«

(‘Abdu’l-Bahá, 'Ansprachen in Paris')

Wie sollen wir meditieren?

Bahá'u'lláh hatte keine Verfahren festgelegt, die in der Meditation zu befolgen sind, und es steht den einzelnen Gläubigen frei, in diesem Bereich zu tun, was sie für richtig halten, vorausgesetzt, dass sie in Harmonie mit den Lehren bleiben. Solche Aktivitäten sind jedoch rein persönlicher Natur und sollten unter keinen Umständen mit jenen Handlungen verwechselt werden, die Bahá'u'lláh selbst als von grundlegender Bedeutung für unser spirituelles Wachstum erachtete. Einige Gläubige mögen finden, dass es für sie vorteilhaft ist, einer bestimmten Meditationsmethode zu folgen, und sie mögen dies sicherlich tun.

»Ebenso notwendig für die Aufrechterhaltung dieser Lebendigkeit ist es, einen Sinn für Geistigkeit zu kultivieren, jenes mystische Gefühl, das den Menschen mit Gott vereint und durch Meditation und Gebet erlangt wird.«

(Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Ridván 1993)

Basierend auf den obigen Zitaten, gibt es wirklich keine vorgeschriebene Art der Meditation, außer dem Zeichen oder der Voraussetzung, dass es "in Stille" ist. Die andere vorgeschlagene Art zu meditieren ist, den größten Namen Alláh'u'Abhá einmal am Tag fünfundneunzig Mal aufzusagen.

Meditation und das offenbarte Wort Gottes

»Der Menschengeist erhält Kenntnisse und neue Kraft durch die Meditation. Durch sie werden Dinge, von denen der Mensch nichts wusste, vor seinen Augen ausgebreitet. Durch sie empfängt er göttliche Eingebung, durch sie erhält er himmlische Nahrung.«

»Diese Fähigkeit bringt Künste und Wissenschaften aus dem Bereich des Unsichtbaren hervor. Erfindungen werden durch sie ermöglicht, gewaltige Unternehmungen ins Leben gerufen. Durch sie können Regierungen reibungslos arbeiten. Durch diese Fähigkeit betritt der Mensch das Reich Gottes.«

»Die Fähigkeit der Meditation gleicht einem Spiegel: Stellt man ihn vor irdische Dinge, wird er diese widerspiegeln. Wenn der menschliche Geist also über irdische Dinge nachsinnt, wird er von diesen Kenntnisse erhalten.«

»Wendet ihr aber den Spiegel eures Geistes himmelwärts, werden himmlische Bildnisse und die Strahlen der Sonne der Wirklichkeit in eurem Herzen widergespiegelt und ihr werdet die Tugenden des Himmelreiches erlangen. Lasst uns deshalb diese Fähigkeit richtig lenken, sie der himmlischen Sonne und nicht irdischen Dingen zuwenden, damit wir die Geheimnisse des Königreiches entdecken und die Gleichnisse der Bibel sowie die Mysterien des Geistes verstehen.«

 (‘Abdu’l-Bahá, 'Göttliche Lebenskunst')

Meditation zu einem Gebet von Bahá'u'lláh

Lassen Sie uns über Folgendes etwas tiefer nachdenken:

»Gepriesen seiest Du, o Herr mein Gott! Ich flehe Dich an bei Deiner Altehrwürdigen Schönheit, bei Deinem Größten Namen, den Du opfertest, damit alle Bewohner Deiner Erde und Deines Himmels wiedergeboren werden, und den Du ins Gefängnis warfest, damit die Menschheit zum Zeichen Deiner Großmut und Deiner souveränen Macht von den Fesseln übler Leidenschaften und verderbter Lüste befreit werde: Zähle mich zu denen, die den Duft Deiner Gnade so tief einatmen und den Lebenswassern Deiner Gunst so ungestüm zueilen, dass weder Pfeile noch Speere sie hindern, sich Dir zuzuwenden und ihr Angesicht auf den Morgen Deiner Offenbarung zu richten.«

»Wir bezeugen, o mein Herr, dass Du Gott bist und dass es keinen Gott gibt außer Dir. Seit Ewigkeit thronest Du auf den unzugänglichen Höhen Deiner Macht, und bis in alle Ewigkeit wirst Du Deine überragende, unumschränkte Herrschaft ausüben. Die Scharen der Welt sind machtlos, Deinen Willen zu durchkreuzen, und alle Bewohner von Erde und Himmel können Deinen Ratschluss nicht vereiteln. Du bist wahrlich der Allmächtige, der Erhabenste, der Größte.«

(Bahá'u'lláh, 'Gebete und Meditationen')

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