Frieden und die Kraft des Heiligen Geistes

Die Macht des Heiligen Geistes

Abdu'l-Bahá, zitiert im Buch 'Göttliche Lebenskunst', beantwortete die Frage "Was ist der Heilige Geist?" mit folgenden Worten:

»Der Heilige Geist ist der Mittler zwischen Gott und Seinen Geschöpfen. Er gleicht dem der Sonne zugekehrten Spiegel. Wie der reine Spiegel Licht von der Sonne empfängt und diesen Segen anderen weitergibt, so ist der Heilige Geist der Mittler des heiligen Lichtes von der Sonne der Wahrheit, das er den geheiligten Wirklichkeiten weiterreicht. Er ist mit allen göttlichen Vollkommenheiten geschmückt. Jedesmal, wenn er erscheint, wird die Welt erneuert und ein neuer Zyklus begründet. Der Körper der menschlichen Welt legt ein neues Gewand an. Er ist dem Frühling vergleichbar; sooft er kommt, schreitet die Welt von einer Stufe zur anderen. Durch das Kommen der Frühlingszeit wird die dunkle Erde, werden die Felder und Steppen grün und blühend, alle Arten von Blumen und süß duftende Kräuter wachsen; die Bäume erwachen zu neuem Leben, frische Früchte erscheinen, ein neuer Zyklus hat begonnen. So ist es mit dem Erscheinen des Heiligen Geistes. Wann immer er erscheint, frischt er die menschliche Welt auf und gibt den menschlichen Wesen einen neuen Geist: Er schmückt die Welt des Seins mit einem prächtigen Gewand, vertreibt die Finsternis der Unwissenheit und macht das Licht der Vollkommenheiten scheinen. Durch diese Kraft hat Christus Sein Zeitalter neu gestaltet; mit größter Frische und Lieblichkeit schlug der himmlische Frühling sein Zelt in der menschlichen Welt auf, und belebende Düfte erquickten die Erleuchteten.

Ebenso ist das Erscheinen Bahá'u'lláhs einem neuen Frühjahr gleich, das mit heiligem Odem, mit den Heerscharen ewigen Lebens und mit himmlischer Macht erschien. Es errichtet den Thron des göttlichen Königreiches im Herzen der Welt, belebt die Seelen durch die Kraft des Heiligen Geistes und begründet ein neues Zeitalter.«

Weiterhin schreibt Abdu'l-Bahá:

»Die göttliche Welt ist offensichtlich eine Welt des Lichts - also muss der Mensch schon hier erleuchtet werden. Es ist eine Welt der Liebe - Liebe zu Gott ist wesentlich. Es ist eine Welt der Vollkommenheit - Tugenden oder Vollkommenheiten müssen erworben werden. Jene Welt wird vom Odem des Heiligen Geistes belebt - in dieser Welt müssen wir ihn suchen. Sie ist das Reich ewigen Lebens - während dieses vergänglichen Daseins muss es erlangt werden.«

Haben Sie sich jemals gefragt, warum die weltweit am weitesten verbreiteten Religionen so lange fortdauern? Gelehrt von einem Boten, herrschen und bestehen sie seit Tausenden von Jahren.

Wir wissen, dass Königreiche und Länder kommen und gehen; komplette historische Perioden gehen vorüber; ganze Zivilisationen wachsen, gedeihen und verfallen, schwanken und brechen zusammen - aber die Religionen von Krishna, Buddha, Moses, Christus, Muhammad und einigen anderen göttlichen Boten bestehen weiter. Seit Jahrhunderten und sogar Jahrtausenden versuchen Milliarden von Menschen nach den Lehren der Propheten zu leben, welche diese großen Glaubensrichtungen begründet haben. Warum?

Die Bahá'í-Lehren sagen, dass die Langlebigkeit und die tiefe Wirksamkeit dieser Glaubenssysteme hauptsächlich von den ewigen moralischen Wahrheiten herrühren, die sie lehren.

Abdu’l-Bahá schrieb in 'Ansprachen in Paris':

»Da die Religion Gesittung einschärft, ist sie die wahrste Philosophie, und auf ihr baut sich die einzige ausdauernde Zivilisation auf

Macht es also Sinn, dass die Welt eine neue Reihe von spirituellen und moralischen Lehren braucht, um vom ewigen Krieg zum dauerhaften Frieden zu gelangen?

Nach den Lehren der Bahá'í wird es eine tiefgreifende Veränderung im menschlichen Geist erfordern, um einen so großen Entwicklungsschritt zu vollziehen:

»Menschliches Streben allein wird diesen Frieden nicht erreichen; es ist zu begrenzt, zu sehr verhaftet in partikularen Interessen. Ein dauerhafter Frieden ist letztlich nur möglich als Geschenk göttlicher Gnade.«

»Doch dieser Frieden fällt nicht vom Himmel; die göttliche Gnade will umgesetzt sein in menschliches Handeln: 'Eifer, unermüdlicher Eifer ist nötig. Nur unbezähmbare Entschlusskraft kann das Werk vollbringen'

Gewiss, unsere lange, jahrhundertealte Geschichte der gewalttätigen Kriegsführung und des bewaffneten Konflikts beweist, dass jede Änderung der nationalen Bündnisse oder jede Neuausrichtung der Ideologie oder jede Veränderung der geopolitischen Zugehörigkeit allein keinen langfristigen globalen Frieden sichern kann. All diese Dinge sind passiert, einige von ihnen oft, und der Krieg plagt uns immer noch. Es scheint, dass keine bloße Reihe von Verträgen, keine Verschiebung in der Loyalität und sogar keine bestehende multinationale Organisation den dauerhaften Frieden herbeiführen kann, den wir alle wollen und brauchen.

Die Sache des Friedens ist eine sehr große Sache; ihre Ursache liegt im Plan Gottes, und alle Kräfte der Welt sind dagegen. Regierungen betrachten zum Beispiel den Militarismus als entscheidenden Schritt zum menschlichen Fortschritt; diese Spaltung zwischen Menschen und Nationen ist die Ursache von Patriotismus und Ehre, dass, wenn eine Nation eine andere angreift und erobert, dadurch Reichtum, Territorium und Ruhm gewinnt, dieser Krieg und diese Eroberung, Blutvergießen und Grausamkeit die Ursache für den Fortschritt und Wohlstand dieser siegreichen Nation seien. Das ist ein verhängnisvoller Fehler.

Darum brauchen wir eine umfassende Kraft, welche die Gesinnungen, Meinungen und Gedanken aller beherrschen kann und derzufolge diese Spaltungen keinen Einfluss mehr haben und jeder Einzelne unter den Einfluss vom Gedanken an die Einheit der Welt, der gesamten Menschheit, gebracht werden kann.

»Es ist klar und offensichtlich, dass diese größte Macht in der menschlichen Welt die Liebe Gottes ist. Sie bringt die verschiedenen Gruppen unter den Schutz des Zeltes der Liebe und schenkt den gegnerischen und feindlichen Völkern und Familien die größte Liebe und Eintracht.« - Abdu`l-Bahá

»Vergleiche die Nationen der Welt mit den Mitgliedern einer Familie. Eine Familie ist eine Nation im Kleinen. Erweitere einfach die Reichweite des Haushalts, und du erhältst die Nation. Vergrößere den Kreis der Nationen, und du hast die gesamte Menschheit. Die Bedingungen, unter denen die Familie lebt, gelten auch für die Nation. Die Ereignisse in der Familie sind auch Ereignisse im Leben des Staates

Würde es zum Fortschritt und Aufstieg einer Familie beitragen, wenn Meinungsverschiedenheiten unter ihren Mitgliedern entstehen, sie sich gegenseitig bekämpfen, plündern, eifersüchtig und rachsüchtig nach Verletzungen sind und nach selbstsüchtigen Vorteilen suchen? Nein, dies wäre der Grund für die Auslöschung von Fortschritt und Aufstieg. So ist es in der großen Familie der Nationen, denn Nationen sind nur etwas wie das Anhäufen von Familien. So wie Streit und Zwietracht eine Familie zerstören und ihren Fortschritt verhindern, werden Nationen zerstört und Fortschritt behindert.

Alle himmlischen Bücher, göttlichen Propheten, Weisen und Philosophen stimmen darin überein, dass Kriegführung der menschlichen Entwicklung schadet und Frieden konstruktiv ist. Sie sind sich einig, dass die Grundlagen der Menschlichheit durch Streitigkeiten erschüttert wurden. Daher ist eine Kraft notwendig, um die Einheit der Menschheit zu etablieren.

Im Brief an die Zentralorganisation für einen dauerhaften Frieden vom 17. Juni 1920 weist Abdu'l-Bahá darauf hin, dass die Vorteile des Friedens den Menschen wohlbekannt sind. Jedoch ist Wissen allein nicht ausreichend. Es ist offensichtlich, dass diese größte Bestrebung ­Frieden ­ auch nicht durch gewöhnliche Emotionen erreicht werden kann. Daher schrieb Abdu'l-Bahá:

»Die materielle Zivilisation ist wie der Leib. Sei er auch noch so anmutig, elegant und schön, so ist er dennoch tot. Die göttliche Kultur ist wie der Geist; der Leib erhält sein Leben durch den Geist, sonst ist er ein Leichnam. So ist es klar, dass die Menschenwelt den Odem des Heiligen Geistes braucht. Ohne den Geist ist die Menschenwelt leblos; ohne dieses Licht verbleibt die Menschenwelt in tiefster Finsternis.«

Wir treffen uns monatlich jeden 2. Sonntag im Monat, um 15:00 Uhr, im Bahá’í Centrum in Erfurt, Josef-Ries-Straße 11, zu Gratis-Tee oder -Kaffee & Austausch in einer gemeinsamen Runde. Sie sind gerne eingeladen teilzunehmen.

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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