Drei Wege, die Bahá’ís im Umgang mit der globalen Erwärmung sehen

Wege im Umgang mit der globalen Erwärmung und dem Klimawandel

Welche Rolle kann Religion bei der Bewältigung der großen sozialen Fragen unserer Zeit spielen - einschließlich der globalen ökologischen Herausforderung durch den Klimawandel?

Einige Leute würden sagen, dass Religion und Sozial- oder Regierungspolitik nichts miteinander zu tun haben sollten - aber Religion lehrt moralische und spirituelle Wahrheiten, so dass jeder Gläubige eine Verantwortung hat, auf diese Wahrheiten zu reagieren. Die Bahá’í-Lehren machen dieses Prinzip deutlich:

Bei Bahá’u’lláh, im Buch 'Brief an den Sohn des Wolfes', lesen wir:

»Die Sache Gottes ist als ein Zeichen Seiner Gnade erschienen. Glücklich ist, wer danach handelt; glücklich ist, wer versteht; glücklich ist der Mensch, der sich an die Wahrheit hält, losgelöst von allem, was in den Himmeln und auf Erden ist.«

Im Buch 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs' lesen wir hierzu:

»Das Erhabene Wesen spricht: O ihr Vielgeliebten! Das Heiligtum der Einheit ist errichtet; betrachtet einander nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges. Wir hegen die Hoffnung, dass das Licht der Gerechtigkeit über die Welt scheine und sie von aller Tyrannei heilige.«

Schließlich hat die Religion lange Zeit eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Wandel gespielt. Im Umgang mit Kriegs-, Armuts- und Menschenrechtsfragen hat fast jede Religion die Gläubigen dazu veranlasst, den Lehren ihrer Stifter zu folgen und diese spirituellen Prinzipien auf aktuelle soziale und politische Belange anzuwenden.

Christus bat seine Anhänger zum Beispiel, den Armen und Bedürftigen besondere Aufmerksamkeit zu schenken - und das Christentum legt besonderen Wert darauf, genau das zu tun, wobei Tausende von Kirchen und ihre Gemeindemitglieder hart daran arbeiten, Leiden zu lindern, welche durch Armut und Obdachlosigkeit verursacht werden, und auch die Ursachen der Armut anzugehen.

Die Sorge hinsichtlich Armut, Krieg und menschlicher Freiheit besteht jedoch seit Jahrhunderten. Wir wissen, wenn wir die Glaubensrichtungen untersuchen, dass wir eine Verantwortung nicht nur gegenüber anderen Menschen, sondern auch gegenüber Gott haben, unser Bestes zu geben, um diese Probleme zu lindern. Jede wahre Religion lehrt Freundlichkeit, Fürsorge und Mitgefühl für unsere Mitmenschen, so dass es natürlich und richtig erscheint, auf diese Fragen in jeder erdenklichen Weise positiv zu reagieren.

Aber was ist mit den neuen Themen, die sich uns in der Zeit unserer jüngsten Geschichte gestellt haben? Was ist mit Arbeitskämpfen, was ist mit dem Thema Klonen oder mit den reproduktiven Rechten? Was ist mit globalen Umweltfragen, insbesondere dem Klimawandel?

Einige religiöse Gruppen haben beschlossen, das Problem des Klimawandels anzugehen, indem sie die alten und allgemeineren Lehren ihrer Glaubensliebe weitestgehend anwenden, - Liebe zu anderen, Sorge um das Wohlergehen der Menschheit als Ganzes und Bewahrung unserer natürlichen, von Gott gegebenen Umwelt. Auf der anderen Seite haben sich einige vehement gegen die Wissenschaft rund um den Klimawandel ausgesprochen.

Diese drastisch polarisierte, gespaltene Reaktion, die oft eher auf politischen als auf religiösen Bedenken beruht, spaltet Familien und Glaubensgemeinschaften.

Der Bahá’í-Glaube verfügt jedoch über einen integrierten Mechanismus, mit dem solche neu auftretenden Probleme konstruktiv und spirituell angegangen werden können. Diese einzigartige, göttlich geweihte Struktur verhindert Schisma und Spaltung, hält die Einheit aufrecht, welche die Bahá’í-Lehren in jedem menschlichen und religiösen Unterfangen fordern, und betont die tiefen spirituellen Prinzipien, die Bahá’u’lláh gebracht hat. Drei dieser wichtigen Prinzipien haben einen direkten Einfluss auf das Thema Klimawandel.

Erstens fordern die Bahá’í-Lehren die Übereinstimmung von Wissenschaft und Vernunft:

Im Buch 'Briefe und Botschaften' schrieb ‘Abdu’l-Bahá:

»Unter Bahá'u'lláhs Lehren finden wir ferner, dass Religion mit Wissenschaft und Vernunft in Einklang sein muss, so dass sie auf die Menschenherzen wirkt.«

In einer seiner Botschaften schreibt das Universale Haus der Gerechtigkeit:

»Er bringt die scheinbar einander entgegenwirkenden Kräfte unseres Zeitalters in Einklang – Wissenschaft und Religion, Einheit und Vielfalt, Freiheit und Ordnung, persönliche Rechte und gesellschaftliche Verantwortung.«

»… dass Wissenschaft und Religion zwei komplementäre Wissens- und Handlungssysteme bilden, dank derer der Mensch seine Umwelt verstehen lernt und die Zivilisation voranschreitet; dass Religion ohne Wissenschaft schnell in Aberglauben und Fanatismus entartet, während Wissenschaft ohne Religion zum Werkzeug eines rücksichtslosen Materialismus wird...«

»…; dass Wissenschaft und Religion die beiden untrennbaren, untereinander in Beziehung stehenden Wissenssysteme sind, die den Fortschritt der Kultur bewirken.«

»‘Abdu’l-Bahá schrieb, dass "die Wissenschaften von heute … Brücken zur Wirklichkeit" seien, und bekräftigte vielfach, dass "die Religion … in Einklang mit Wissenschaft und Vernunft stehen" müsse. Bezeichnenderweise antwortete Shoghi Effendi, als ihm eine wissenschaftliche Frage gestellt wurde, in einem Brief in seinem Auftrag, dass "wir … eine Religion" seien "und nicht qualifiziert, uns zu wissenschaftlichen Fragestellungen zu äußern". Und als Antwort auf Fragen mit wissenschaftlichem Hintergrund, die ihm zu unterschiedlichen Zeiten gestellt wurden, ermahnte er die Bahá'í beständig, dass solche Fragen von Wissenschaftlern untersucht werden müssten.«

Bahá’u’lláh erklärte in Seinem Buch 'Botschaften aus ‘Akká':

»Von allen Künsten und Wissenschaften sollten die Kinder diejenigen erlernen, welche dem Menschen Vorteil bringen, seinen Fortschritt sichern und seinen Rang erhöhen.«

Eine der Lehren Bahá’u’lláhs ist:

»Religion und Wissenschaft sind ideale Partner. Ihre Kräfte, Bemühungen und Einflüsse müssen in völligen Einklang gebracht werden.«

Zweitens bezeigen die Bahá’í-Lehren den Wissenschaftlern besondere Ehre und würdigen ihre wichtige Arbeit:

»Unter den Bahá'í-Lehren finden sich solche, die die Bedeutung der Wissenschaft betreffen. "Viel verdanken fürwahr die Völker der Welt den Wissenschaftlern…", stellt Bahá’u’lláh fest.«

»Ein Wissenschaftler, der vom Verständnis der weitreichenden Lehren des Glaubens erfüllt ist, wird immer daran denken, dass seine Existenz als Wissenschaftler ihn nicht von den grundlegenden Pflichten und Zielen entbindet, für die alle Menschen erschaffen wurden. Alle Menschen, nicht nur die Wissenschaftler, sind aufgerufen, die Wahrheit zu suchen und zu verteidigen, wie unbequem dies auch sein mag.«

Drittens verfügt der Bahá’í-Glaube über ein Verwaltungssystem, das eine kontinuierliche, zeitgemäße Beratung zu neu auftretenden Themen bietet

- ein demokratisch gewähltes globales Führungsgremium mit dem Namen "Universales Haus der Gerechtigkeit". Was auch immer die ursprünglichen Bahá’í-Schriften betrifft - vom Gründer des Glaubens, Bahá’u’lláh; vom Zentrum seines Bundes, ‘Abdu’l-Bahá; und von seinem Hüter, Shoghi Effendi - kann das Universale Haus der Gerechtigkeit darüber konsultieren, Gesetze erlassen und sie für die Bahá’ís der Welt umsetzen.

Vor kurzem, im November 2017, hat das Universale Haus der Gerechtigkeit einen detaillierten Brief zum Thema globaler Klimawandel geschrieben.

Indem wir diese Anleitung des Universellen Hauses der Gerechtigkeit nutzen und die Bahá’í-Lehren selbst anwenden, können wir einen neuen Ansatz für die Umweltfragen der Welt entwickeln.

Wir haben hier schon einige Artikel zur Frage der Rolle der Religion bei der Reduzierung des Klimawandels betrachtet.

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Über den Autor
Helmut, Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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