Die Symptome der Seele

Wie sehen wir die Symptome der Seele

Der Körper kann uns sagen, wenn etwas nicht funktioniert. Schmerzen, Unwohlsein, Hautausschläge, Knoten… all das sagt uns, dass etwas mit dem Körper nicht stimmt und wir müssen herausfinden, was es ist. Die Symptome sind Anzeichen, die zu einem tieferen, zugrunde liegenden Problem führen. Aber wir haben nicht nur einen Körper. Wir haben auch eine Seele. Tatsächlich sind wir Seelen, welche mit einem Körper leben. Wenn es also Anzeichen für gute und schlechte Gesundheit im Körper gibt, gibt es dann auch ähnliche Anzeichen in der Seele?

Das Verwirrende an der Seele ist, dass sie so schwer fassbar und geheimnisvoll ist. Wir können sie nicht sehen oder anfassen. Bahá'u'lláh sagt in der 'Ährenlese' über die Seele Folgendes:

»Wahrlich, Ich sage, die menschliche Seele ist über allen Austritt und alle Rückkehr erhaben. Sie ist in Ruhe und doch schwingt sie sich auf; sie schreitet fort, und doch ist sie in Ruhe. Sie ist in sich selbst Beweis für das Dasein einer bedingten Welt wie auch für die Wirklichkeit einer Welt, die weder Anfang noch Ende hat.«

Er erklärte auch, dass die Seele nicht von körperlicher Krankheit betroffen ist:

»Wisse, dass die Seele des Menschen über alle Gebrechlichkeit des Leibes und des Verstandes erhaben und davon unabhängig ist. Dass ein Kranker Zeichen der Schwäche aufweist, ist den Hindernissen zuzuschreiben, die sich bei ihm zwischen Seele und Leib legen; denn die Seele selbst bleibt unberührt von jedem körperlichen Leiden.«

Aber kann die Seele selbst krank sein?

Eines der grundlegenden Konzepte in den Bahá'í-Lehren ist, dass der Mensch nach dem Ebenbild Gottes erschaffen wurde, was bedeutet, dass alle Eigenschaften Gottes in uns verborgen liegen und diese bereit sind, entwickelt zu werden. Diese göttlichen Eigenschaften sind die Reihe von Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Freundlichkeit, Liebe und Vergebung. Und indem wir diese Eigenschaften entwickeln, nähern wir uns Gott. Man könnte also sagen, dass diese positiven Eigenschaften die Zeichen einer gesunden Seele sind. Jemand, der ein ehrliches, freundliches und großzügiges Leben im aufrichtigen Dienst führt, hat eine gesunde Seele, eine Seele, die sich in guter Form für ihr kommendes Leben in der geistigen Welt entwickelt. Auf der anderen Seite hat eine Person, die lügt, betrügt und andere verletzt, eine ungesunde Seele, die in der Welt des Selbstes gefangen ist. Und das Unglück, welches daraus entsteht, ist ein Zeichen dafür, dass die Seele krank ist. Man könnte also sagen, dass jede Tugend ihren Widerspruch hat: Freundlichkeit - Grausamkeit, Großzügigkeit - Gier, Liebe - Hass.

Diese seelischen Krankheiten betreffen nicht nur die Seele, sondern auch den Körper, Bahá'u'lláh sagt hierzu:

»Wahrlich, das Notwendigste ist Zufriedenheit in allen Lebenslagen, durch sie bewahrt sich der Mensch vor krankhaften Zuständen und vor Abspannung. Gib nicht dem Kummer und der Sorge Raum, denn sie verursachen das größte Elend. Eifersucht verzehrt den Körper, und Zorn verbrennt die Leber. Meide diese beiden, wie du einen Löwen meidest.«

Eines der Probleme, die viele Menschen mit der modernen westlichen Medizin haben, ist, dass sie oft nicht nach der Ursache sucht, sondern nur die Symptome behandelt. Die Folgen davon sind Fälle, in denen jemand einen sehr ungesunden Lebensstil führt und nur eine schnelle Lösung will, um seine Symptome zu lindern, so dass er seinen gewählten Lebensstil weiterleben kann. Aber sie vernachlässigen es, aus den Symptomen zu lernen. Die Symptome könnten da sein, um die Person zu lehren, dass etwas mit der Art und Weise, wie sie leben, nicht stimmt und sie müssen es ändern. Das gleiche, könnten wir sagen, gilt für die Seele. Wenn wir wütend, eifersüchtig oder unglücklich sind, glaube ich, dass wir die Symptome der Seele erleben. Diese sollen ebenso wie körperliche Symptome nicht einfach überdeckt oder entfernt werden, ohne zu prüfen, ob es eine wesentliche Ursache gibt. Wie beim Körper können wir oberflächlich mit den Symptomen der Seele durch Drogen, Alkohol, Sex, Glücksspiel, übermäßigem Materialismus, Verleumdung und Klatsch umzugehen versuchen.

Was wir tun müssen, ist, auf diese Zeichen der Seele zu achten, so unangenehm sie auch sein mögen. Das erfordert viel Ehrlichkeit, Mut und Demut. Wenn wir uns wegen etwas schuldig fühlen, was wir getan haben oder nicht getan haben, müssen wir einen ehrlichen Blick auf uns selbst werfen, um festzustellen, ob es unser Fehler war. Aber das bedeutet, bereit zu sein, die Schmerzen der Schuld zu erleben. Und wenn wir den Mut haben, diese Schuld zu spüren, müssen wir auf Distanz gehen und sehen, was diese Schuld uns lehren kann. Wenn wir uns wegen irgendetwas schuldig fühlen, versuchen wir oft, den Ausweg zu rationalisieren und unsere Handlungen zu rechtfertigen. In vielen Fällen könnten wir einfach unsere Fehler uns selbst eingestehen, von ihnen lernen und weitergehen.

Wir sollten dankbar sein für die Art und Weise, wie Gott uns in Bezug auf unseren Lebensinhalt geschaffen hat. Er hat uns geschaffen, um Ihm näher zu kommen, indem wir uns selbst reinigen. In den 'Verborgenen Worten' schrieb Bahá'u'lláh:

»Frohlocke vor Herzensfreude, damit du würdig seiest, Mir zu begegnen und Meine Schönheit widerzuspiegeln.«

Die größte Freude ist es, Gott näher zu kommen. Wann immer wir uns von Gott entfernen, erhalten wir Rückmeldungen oder Zeichen, die uns sagen, dass wir von unserem Ziel abweichen. Aber wir müssen in uns selbst aufpassen. Wenn wir uns von Gott entfernen und nicht in uns selbst schauen, sehen wir diese Symptome vielleicht nicht und so bleibt die Krankheit unserer Seele verborgen. Das tägliche Gebet und die Reflexion über geistige Texte sind deshalb so wichtig.

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit ein paar Aussagen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zur Seele und ihrer Stärkung:

»In der Gesellschaft insgesamt mehren und verschlimmern sich unglücklicherweise die Symptome eines immer tieferen Leidens der Seele.«

»In Verbindung gebracht mit der verwandelnden Kraft der Offenbarung kann jede Seele Bahá’u’lláh näherkommen, an Fähigkeit wachsen, Freude im Dienst finden und lernen, andere zu unterstützen.«

»In diesem Zusammenhang ist die geistige Wirklichkeit des Menschen ein grundlegendes Konzept, das es näher zu erforschen gilt. In der Offenbarung Bahá’u’lláhs wird der Adel, der jedem Menschen innewohnt, unmissverständlich verkündet. Dies ist ein fundamentaler Grundsatz des Bahá’í-Glaubens, und auf diesen Grundsatz gründet sich die Hoffnung für die Zukunft der Menschheit. Wiederholt bestätigen die Schriften, dass die Seele die Fähigkeit hat, alle Namen und Eigenschaften Gottes – des Mitleidvollen, des Schenkenden, des Freigebigen – widerzuspiegeln.«

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Über den Autor
Helmut, Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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