Die spirituelle Bedeutung und die Schönheit der Bahá’í-Gärten

Die spirituelle Bedeutung und die Schönheit der Bahá’í-Gärten

Bahá'u'lláh wurde 1868 als Gefangener der Herrscher der persischen und türkischen Regierung nach Palästina gebracht. In den letzten Jahren seines Lebens besuchte Er jedoch Haifa und wir können in den Aufzeichnungen Shoghi Effendis im Buch 'Gott Geht Vorüber' folgendes lesen:

»Im selben Jahr (1890) wurde das Zelt Bahá'u'lláhs, das »Königszelt der Herrlichkeit«, auf dem Karmel errichtet, dem »Hügel und Weinberg Gottes«, der Wohnstatt des Elias, von Jesaja als der »Berg des Herrn« gepriesen, zu dem »alle Völker herbeiströmen werden«. Viermal hielt sich Bahá'u'lláh in Haifa auf, das letzte Mal volle drei Monate lang.«

Dieser Ort, ein kleiner Kreis von Zypressen, welche heute noch in großer Schönheit und Würde stehen, der von Besuchern, Pilgern und Passanten leicht übersehen wird, markiert die Stelle, an der Bahá'u'lláh sein Lager aufschlug. Shoghi Effendi schreibt weiter:

»Während eines dieser Besuche offenbarte Er, der »Herr des Weinbergs«, indes Sein Zelt nahe dem Karmeliterkloster aufgeschlagen war, den wegen seiner Anspielungen und Prophezeiungen bemerkenswerten Sendbrief vom Karmel. Bei einer anderen Gelegenheit bezeichnete Er, am Hang des Berges stehend, Abdu'l-Bahá den Platz, der als endgültige Ruhestätte für den Báb dienen und auf dem später ein angemessenes Mausoleum erbaut werden sollte.«

Die Erhabenheit und Majestät dieses Brennpunktes der Bahá'í-Welt bietet gleichzeitig ein erweitertes Umfeld, in dem ein tiefer Respekt für die Natur und ein lebenslanges Engagement für deren Pflege und Schutz entwickelt ist. Die majestätischen Gebäude, die jetzt entlang des Bogens stehen, den Shoghi Effendi am Abhang des Berges Gottes nachzeichnet, sind zusammen mit der herrlichen Zier der Gartenterrassen, die das Heiligtum des Báb umfassen, Ausdruck der immensen Kraft, die diese Sache belebt.

Neben den wunderschoenen Aussichten lehren die Gärten eine tiefe Lektion in Spiritualität, welche in Steinen, Bäumen, Sträuchern, Schreinen, Skulpturen und Blumen geschrieben steht.

Kann uns ein Garten spirituelle Wahrheiten lehren?

Aufgrund meiner Erfahrungen in den Bahá’í-Gärten im Heiligen Land würde ich definitiv sagen, ja!

Die heiligen Stätten des Bahá’í-Glaubens im Norden Israels umfassen eine Reihe von hochkarätigen Orten, die für die Pracht und Erhabenheit ihres Designs bekannt sind: der Schrein des Báb und die neunzehn Terrassen, welche die gesamte Höhe des Berges Karmel in Haifa erklimmen, der Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, und das Heiligtum von Bahá'u'lláh bei Akká, mit Gärten, welche in alle Richtungen strahlen. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt haben diese wunderschönen Gärten gesehen. Sie enthalten eine tiefe spirituelle Bedeutung und inspirieren sogar zufällige Beobachter.

Alle heiligen Orte der Bahá'í sind so gestaltet, dass sie nicht nur schön sein sollten, sondern auch den Wunsch haben, die spirituelle Bedeutung des Ortes aufzuzeigen. Dies ist besonders der Fall bei den heiligen Schreinen, wo die Überreste des Báb und Bahá'u'lláhs zur Ruhe gelegt wurden. Die Absicht der Landschaftsgestaltung war, eine schöne und einzigartige Reihe von Gärten zu schaffen, die dem Gebet, der Andacht und der Meditation förderlich sind. Die Kombination der Architektur des Schreins und der terrassierten Gärten vereint den Besucher in einer reichen sinnlichen Erfahrung, welche die spirituelle Bedeutung des Ortes ausdrückt. Die Liebe zum Detail im Landschaftsdesign greift die Sinne des Besuchers auf, während Farbteppiche, Düfte, Vogelstimmen, das Gurgeln des Wassers, Hunderte von Schritten und das Gefühl von zerbrochenen Ziegeln unter den Füßen der Zeit trotzen. Diese Steigerung der Sinne und die Verlangsamung der Zeit durch die fortschreitenden Pfade schafft die meditative Atmosphäre, welche der spirituellen Wahrnehmung förderlich ist.

Wenn Sie von diesen wunderschönen Gärten und der wunderschönen Architektur umgeben sind, können Sie die Außenwelt hinter sich lassen und sich auf das wahre, spirituelle Selbst konzentrieren.

Formale Gärten sind seit Jahrtausenden ein Symbol für Perfektion und Schönheit und die Terrassen des Schreins des Báb setzen diese Tradition fort. Die neunzehn Terrassen scheinen über und unter dem Heiligtum zu erscheinen, wie die Fassung eines Diamantringes, und der gesamte Garten ist auf einer Achse von der Spitze des Berges bis zum Meer zentriert, die in Richtung des Schreins von Bahá'u'lláh, dem Urgrund der Zwillingsbegründer des Bahá'í-Glaubens, zeigt.

Der Schrein Bahá'u'lláhs in Bahjí, in der Nähe von Akká

Ziel der Gärten ist es, einen angemessenen Zugang zum Schrein von Bahá'u'lláh zu bieten, auf den sich das gesamte Gelände konzentriert. Tatsächlich führen alle diese radialen Wege zum Zentrum. Die Gärten ermöglichen dem Besucher die Wahl zwischen verschiedenen Wegen, welche das Heiligtum von Bahá'u'lláh umgeben. Der erste Zugang zu den historischen Strukturen beginnt durch inoffizielle Gärten vor dem Eingang zu den offiziellen, terrassierten Gärten, welche zum Schrein führen.

Die Gärten wurden entworfen und werden mit einem Schwerpunkt auf Umweltschutz gehalten. Bei der Wassernutzung ist der größte Teil des Grases jahreszeitlich bedingt; das Bewässerungssystem wurde für eine effektive Nutzung konzipiert; Trockenheitstolerante Pflanzen, Sträucher und Bäume wurden für den inoffiziellen Teil der Gärten ausgewählt.

Die Gärten in Bahjí bieten eine harmonische Mischung aus verschiedenen westlichen und östlichen Elementen. Einige Bereiche des Gartens weisen Elemente auf, die für persische Gärten typisch sind, wie geometrisch geformte Blumenbeete, während andere Abschnitte europäische Elemente wie Marmorsäulen und dekorative Urnen hervorheben. Alle diese Elemente sind innerhalb der lokalen Natur vernetzt, z.B. mit den Oliven-, Zitrus- und Granatapfelbäumen, manche der Olivenbäume stammen noch aus der Zeit Christi.

Wenn Sie die Frage beschäftigt, wie wird so etwas Besonderes finanziert? Die Mittel für die Erhaltung der Strukturen und der Gärten stammen ausschließlich aus Bahá'í-Spenden und der Eintritt für Besuchern ist kostenlos.

Kommen Sie einmal nach Haifa und Bahjí und besuchen Sie die heiligen Stätten der Bahá'í.

Über Erfurts Partnerstadt - Haifa schreibe ich in einem der nächsten Blog's.

Der Schrein des Báb und Terrassen

2008 wurde der Schrein des Báb, der als Wahrzeichen der Stadt gilt, von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Der Schrein Bahá'u'lláhs, mit dem Landhaus von Bahjí und den umliegenden Gärten

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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