Die Menschheit steht heute an einem historischen Scheideweg

Die Welt steht am Scheideweg des Schicksals

Die Menschheit steht heute an einem Scheideweg, und jeder Einzelne hat das Privileg, Teil des Plans zu sein, um ihn zu Einheit und Harmonie zu führen. Deshalb dürfen wir Menschen, auch wenn wir kein genaues Bild von den Problemen in der Welt haben, niemals aufgeben und eine Niederlage akzeptieren, während der Kampf zwischen den Kräften des Aufbaus und der Zerstörung überall um uns herum stattfindet. Diese Umbrüche senden uns Signale, damit wir unseren Beitrag zur Vorbereitung auf ein neues, spirituell fundiertes System der Global Governance leisten können:

»Durch die Macht Bahá'u'lláhs werden alle vereint sein. Als Er im Gefängnis war, erhob Er diese Standarte der Einheit der Menschheit. Obwohl der Verbannung zweier Könige unterworfen und Er Flüchtling vor Feinden aus allen Völkern war, schrieb Er in den Tagen Seiner langen Gefangenschaft an die Könige und Herrscher der Welt in Worten wunderbarer Beredsamkeit. Er zog sie streng zur Rechenschaft und befahl sie unter das göttliche Banner der Einheit und Gerechtigkeit. Er ermahnte sie zum Frieden und zu internationaler Einigung, und erlegte ihnen auf, ein internationales Schiedsgericht zu gründen: aus allen Nationen und Regierungen der Welt sollten Delegierte für einen Kongress der Nationen ausgewählt werden, der ein universelles Schiedsgericht begründen sollte, um internationale Streitigkeiten beizulegen.«

– `Abdu'l-Bahá, Die Verkündigung des Weltfriedens

Was die Tendenzen der Gegenwart betrifft, so scheint es, dass in den meisten Fällen die Freundlichkeit und Zusammenarbeit in Bezug auf unsere Mitmenschen gegenüber Nationalismus und Eigeninteressen in den Hintergrund getreten sind. Diese Trends sind die "letzten Hürden" der verfallenden alten Ordnung, deren Anhänger verzweifelt versuchen, die politische Kontrolle zu behalten. Ja, die Veränderungen in der Welt sind schnell und verwirrend, und die meisten Menschen, die für die Gestaltung von Politik und Gesetzen verantwortlich sind, halten an kurzsichtigen Zielen fest, anstatt sich für die Verbesserung der Bedingungen der Welt in allen Lebensbereichen einzusetzen.

Aber all diese Umwälzungen bieten uns die Gelegenheit, unsere Werte zu überdenken, die Vision einer geeinten und friedlichen Welt in die Hand zu nehmen und ein wichtiger Bestandteil der Konstruktion einer besseren Zukunft zu werden.

Wir finden in der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 1. März 2017 eine Erklärung zu den heutigen Fragen und Lösungsvorschläge:

»Aus dem andauernden Prozess des Übergangs von einer geteilten zu einer geeinten Welt ergeben sich Spannungen, die in den internationalen Beziehungen ebenso zu spüren sind wie in den sich vertiefenden Rissen, die kleine wie große Gemeinschaften spalten. Da die vorherrschenden Denkweisen offensichtlich unzureichend sind, braucht die Welt dringend eine gemeinsame Ethik, ein festes Rahmenwerk, um den Krisen begegnen zu können, die sich wie Gewitterwolken auftürmen. Die Vision Bahá’u’lláhs stellt viele der Annahmen infrage, die man den derzeitigen Diskurs bestimmen lässt – beispielsweise, dass Eigennutz nicht etwa gezügelt werden sollte, sondern vielmehr den Wohlstand fördert, und dass Fortschritt davon abhängig ist, dass sich dieser Eigennutz in erbarmungsloser Konkurrenz äußert. Den Wert eines Menschen hauptsächlich danach zu bemessen, wie viel Vermögen er im Vergleich zu anderen anhäufen und wie viele Waren er konsumieren kann, ist dem Bahá’í-Denken vollkommen fremd. Aber die pauschale Ablehnung von Reichtum als in sich widerwärtig und unmoralisch findet in den Lehren ebenso keine Zustimmung, und Askese ist untersagt. Reichtum muss der Menschheit dienen. Seine Verwendung muss geistigen Prinzipien entsprechen; es müssen Systeme geschaffen werden, die solchen Prinzipien folgen. In den erinnerungswürdigen Worten Bahá’u’lláhs: „Kein Licht gleicht dem Licht der Gerechtigkeit! Sie bewirkt Ordnung in der Welt und sichert die Ruhe der Völker.“«

In der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 29. November 2017 finden wir in Bezug auf den Klimawandel Folgendes:

»Die wissenschaftliche Forschung zur Frage des menschlichen Beitrags zum Klimawandel hat sich im Verlauf von über einem Jahrhundert immer weiter entwickelt wird in jüngster Zeit mit erhöhter Aufmerksamkeit betrieben. ... Solide wissenschaftliche Ergebnisse, erlangt durch die Anwendung solider wissenschaftlicher Methoden, zeitigen Wissen, auf dessen Grundlage gehandelt werden kann; letztlich müssen aber die Ergebnisse der Aktion der weitergehenden wissenschaftlichen Forschung und der Faktenlage über den tatsächlichen Zustand der Welt standhalten können. In dem weiten Spektrum der Fragestellungen, die diskutiert werden – was die Frage nach dem Ausmaß des menschlichen Einflusses ebenso einschließt wie die Frage nach Vorhersagen über die möglichen zukünftigen Folgen des Klimawandels und Methoden zu seiner Eindämmung – gibt es zweifellos einige Aspekte, die weniger stark durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse gestützt werden als andere, und daher einer weitergehenden kritischen Analyse unterzogen werden sollten.«

In einer Botschaft zum Weltfrieden schrieb das Universale Haus der Gerechtigkeit am 18. Januar 2019:

»Bemühungen, neue Systeme für die internationale Zusammenarbeit zu errichten und bestehende zu stärken, erhielten einen starken Impuls, als von den Vereinten Nationen eine Reihe von Weltkonferenzen zu Themen einberufen wurde, die für die Zukunft der Menschheit von Bedeutung sind. Es ergaben sich neue Möglichkeiten zum Konsens, und der Geist der Zusammenarbeit, der den Fortschritt vorantrieb, drückte sich auch in den Mandaten aus, die bestimmten, mit der Rechtsprechung betrauten internationalen Institutionen übertragen wurden. Dieser zielgerichtete Beratungsprozess fand um die Jahrhundertwende seinen Höhepunkt im Millennium-Forum, einer Konferenz von Vertretern von über tausend Organisationen der Zivilgesellschaft aus mehr als hundert Ländern. Ihm folgte der Millenniumsgipfel, eine beispiellose Zusammenkunft politischer Führer der Welt, die zur Einigung über eine Reihe von Zielen führte, die ein gemeinsames Anliegen der Menschheit darstellen.«

»Unter dem Begriff Millenniums-Entwicklungsziele wurden sie in den folgenden Jahren zu gemeinsamen Ausgangspunkten für kollektives Handeln. Diese verschiedenen Fortschritte sind – ungeachtet ihrer vielen Begrenzungen und Unvollkommenheiten und der schrecklichen Konflikte, die sich in dieser Zeit weiterhin ereigneten – dennoch Zeichen für ein weit verbreitetes, allmähliches, aber unaufhaltsames Heranwachsen eines globalen Bewusstseins der Völker der Erde und für ihr Hingezogensein zu universeller Gerechtigkeit, zu Solidarität, zu Zusammenarbeit, zu Mitgefühl und zu Gleichberechtigung.«

»Mit dem Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts zeichneten sich neue drohende Herausforderungen ab. Mit der Zeit verstärkten sich diese und führten zu einem Rückzug von den vielversprechenden Vorwärtsschritten, mit denen das vorige Jahrhundert geendet hatte. Heutzutage treiben viele, überall in den Gesellschaften vorherrschende Strömungen die Menschen auseinander, anstatt sie zusammenzuführen. Auch wenn die weltweite Armut in ihrer extremsten Form zurückgegangen ist, haben politische und wirtschaftliche Systeme die Anhäufung maßlosen, exorbitanten Reichtums seitens kleiner Seilschaften ermöglicht – eine Situation, die die fundamentale Instabilität im Weltgeschehen noch verschärft. Die Interaktionen zwischen dem einzelnen Bürger, den Regierungsinstitutionen und der Gesellschaft insgesamt sind oft angespannt, da diejenigen, die für den Vorrang des einen oder des anderen plädieren, immer mehr Unnachgiebigkeit in ihrem Denken zeigen. Religiöser Fundamentalismus verzerrt den Charakter von Gemeinschaften, ja sogar ganzer Nationen.«

»Die Defizite so vieler Organisationen und Institutionen der Gesellschaft haben verständlicherweise zu einem Rückgang des öffentlichen Vertrauens geführt; dies wiederum ist systematisch von Interessengruppen ausgenutzt worden, die versuchen, die Glaubwürdigkeit aller Wissensquellen zu untergraben. Bestimmte gemeinsame ethische Prinzipien, die zu Beginn dieses Jahrhunderts auf dem Vormarsch zu sein schienen, werden ausgehöhlt und bedrohen den vorherrschenden Konsens über Recht und Unrecht, durch den es in verschiedenen Bereichen gelungen war, die niedersten Triebe des Menschen in Schach zu halten. Und der Wille, sich aktiv an internationalem kollektiven Handeln zu beteiligen – vor zwanzig Jahren eine mächtige Denkströmung unter führenden Politikern der Welt – wird durch den Angriff wiederauflebender Kräfte des Rassismus, des Nationalismus und der Fraktionsbildung stark geschwächt.«

»So sammeln sich die Kräfte der Desintegration neu und gewinnen an Boden. Wie dem auch sei, die Vereinigung der Menschheit ist durch keine menschliche Kraft aufzuhalten; die Verheißungen der früheren Propheten und des Urhebers der Sache Gottes Selbst bezeugen diese Wahrheit. Doch der Weg, den die Menschheit einschlägt, um ihre Bestimmung zu erreichen, kann sehr wohl verschlungen sein. Der von den streitenden Völkern der Erde erregte Tumult droht die Stimmen jener edelgesinnten Seelen in jeder Gesellschaft zu übertönen, die zu einem Ende von Konflikt und Kampf aufrufen. Solange dieser Aufruf unbeachtet bleibt, besteht kein Grund zu bezweifeln, dass sich der gegenwärtige Zustand der Unordnung und Verwirrung der Welt verschlimmern wird – möglicherweise mit katastrophalen Konsequenzen – bis eine geläuterte Menschheit die Notwendigkeit erkennt, einen weiteren bedeutsamen, vielleicht dieses Mal entscheidenden Schritt in Richtung eines dauerhaften Friedens zu tun.«

Mit Auszügen aus der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit anlässlich des 200. Geburtstages Bahá’u’lláhs vom Oktober 2017 wollen wir diese Betrachtung beenden:

»„Es ist die Pflicht eines jeden Suchers, sich zu mühen und danach zu streben, die Küsten dieses Meeres zu erreichen“, bekundet Bahá’u’lláh. Die geistigen Lehren, die aufeinander folgende Gottesboten durch die Jahrhunderte hinweg übermittelten, fanden ihren Ausdruck in religiösen Systemen, die im Laufe der Zeit mit kulturellen Aspekten vermengt und durch von Menschen gemachte Dogmen belastet wurden. Aber lässt man diese außer Acht, dann wird deutlich, dass die ursprünglichen Lehren die Quelle der allgemeingültigen Werte sind, durch die unterschiedliche Völker eine gemeinsame Sache fanden und die das moralische Bewusstsein der Menschheit geformt haben.«

»In der heutigen Gesellschaft hat das Ansehen von Religion stark gelitten – und das nicht ohne Grund. Wenn im Namen von Religion Hass und Kampf gefördert werden, ist es besser keine Religion zu haben. Wahre Religion jedoch kann an ihren Früchten erkannt werden – an ihrer Fähigkeit, zu inspirieren, zu verwandeln, zu vereinen, Frieden und Wohlstand zu fördern. Sie steht in Einklang mit der Vernunft. Und sie ist unentbehrlich für gesellschaftlichen Fortschritt.«

»Der Glaube Bahá’u’lláhs entwickelt im Einzelnen und in der Gemeinschaft die Fähigkeit, im Lichte von Reflexion zu handeln. Auf diese Weise bildet sich nach und nach ein Fundus an Einsichten über wirksame Wege, um für die Besserung der Gesellschaft zu arbeiten. Bestrebungen, gesellschaftlichen Wandel durch politische Intrigen, Aufruhr, Verunglimpfung von bestimmten Gruppen oder unverhohlenen Konflikt zu erreichen, werden von Bahá’u’lláh scharf verurteilt, da diese nur den Kreislauf des Kampfes fortsetzen, während dauerhafte Lösungen weiterhin ausbleiben. Er tritt für völlig andere Mittel ein. Er fordert auf zu guten Taten, freundlichen Worten und aufrechtem Verhalten; Er verpflichtet zum Dienst an anderen und zu gemeinschaftlichem Handeln. Und Er ruft jedes Mitglied der menschlichen Gemeinschaft auf, sich an der Aufgabe zu beteiligen, eine Weltkultur zu errichten, die auf den göttlichen Lehren basiert. Könnte man angesichts der Dimension Seiner Vision nicht fragen, auf welche Grundlage die Menschheit eine realistische Hoffnung für die Zukunft setzen sollte, wenn nicht auf diese?«

»In jedem Land sind diejenigen, die von Bahá’u’lláhs Botschaft angezogen wurden und sich Seiner Vision verschrieben haben, dabei, systematisch zu lernen, wie sie Seine Lehren verwirklichen. Scharen von Jugendlichen werden sich ihrer geistigen Identität immer mehr bewusst und lenken ihre Energie auf die Fortentwicklung ihrer Gesellschaft. Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen entdecken, wie sie Streit und das Aufzwingen von Autorität durch Beratung und gemeinsames Suchen nach Lösungen ersetzen können. Aus jeder Ethnie, Religion, Nationalität und Gesellschaftsschicht vereinen sich Menschen in der Vision von der Menschheit als einem Volk und der Erde als einem Land. Viele, die lange Zeit gelitten haben, finden ihre Stimme und werden zu Protagonisten ihrer eigenen Entwicklung, einfallsreich und kraftvoll. Aus Dörfern, Nachbarschaften, Städten und Großstädten heraus erwachsen Institutionen, Gemeinden und Einzelne, die sich zum Ziel gesetzt haben, gemeinsam an der Entstehung einer geeinten und gedeihenden Welt zu arbeiten, die es wirklich verdienen könnte, als Königreich Gottes auf Erden bezeichnet zu werden.«

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