Der unveränderliche Glaube: Ostern und Ridván

Was haben Ostern und Ridván gemeinsam?

Als Bahá'í glauben wir, dass die Grundlage aller göttlichen Religionen eins ist. Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen den göttlichen Religionen, wir haben dies schon im Artikel "Einheit" versucht darzulegen und werden dies in weiteren Artikeln noch näher betrachten, um zu verstehen, was Bahá'u'lláh mit dieser Aussage in der 'Ährenlese', meinte:

»Dies ist der unveränderliche Glaube Gottes, ewig in der Vergangenheit, ewig in der Zukunft.«

In diesem Jahr fällt das christliche Osterfest etwas früher als das Ridván-Fest, aber was hat Ostern mit Ridván zu tun? Nun, auf den ersten Blick scheinen die beiden ziemlich unabhängig von einander zu sein. Aber wenn wir betrachten, wie die Bahá'í die Ereignisse des christlichen Osterfestes verstehen, so wurde mir klar, dass sobald man die Bräuche und Traditionen, die zum Synonym für Ostern geworden sind, wirklich verschwinden lässt, die Bedeutung von Ostern eng mit der Bedeutung von Ridván verbunden ist.

Für Christen erinnert Ostern an die Auferstehung Jesu, drei Tage nach seiner Kreuzigung am Karfreitag. Als Christ aufgewachsen, erinnere ich mich daran, Geschichten aus der Bibel über die tiefe Trauer und den Verlust, den die Jünger Jesu nach seiner Kreuzigung empfanden, gelesen zu haben. Eine meiner Lieblingsgeschichten, das 'Evangelium nach Johannes', handelt von Maria Magdalena, die weinend vor dem leeren Grab Jesu stand.

»Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.

Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.

Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.

Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Hebr. 2,11.12)

Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.«

Im Buch 'Abdu'l-Bahá in London' lesen wir:

»Nachdem der Herr Christus den Märtyrertod erlitten hatte, weinten die Jünger und gaben sich ihrem Kummer hin. Sie meinten, ihre Hoffnungen seien zerstört und die Sache gänzlich verloren, bis Maria Magdalena zu ihnen kam und sie aufrichtete mit den Worten: Trauert ihr um den Körper unseres Herrn oder um Seinen Geist? Wenn ihr um Seinen Geist trauert, seid ihr im Irrtum, denn Jesus lebt! Sein Geist wird uns niemals verlassen! So wurde durch ihre Weisheit und Ermutigung die Sache Christi für alle Zeiten am Leben erhalten.«

»Bedenket! Die Stufe und die Betätigung der Apostel war zur Zeit Christi verborgen, und niemand hielt sie für etwas Besonderes - nein, die Leute verfolgten und verlachten sie gar. Später wurde offenbar, welche Kronen, mit den glänzenden Juwelen der Führung übersät, den Aposteln, Maria Magdalena und Maria, der Mutter des Johannes, aufs Haupt gesetzt worden waren.«

Maria Magdalena stellte nach der Kreuzigung Christi die Zuversicht der Apostel wieder her. Als Bahá'í verstehen wir die Geschichte der Auferstehung als ein spirituelles Gleichnis und nicht als buchstäbliche physische Auferstehung. Über die Bedeutung der biblischen Geschichte schreibt Abdu'l-Baha in 'Beantwortete Fragen':

»… erklären Wir den Sinn der Auferstehung Christi wie folgt:

Die Jünger waren nach dem Kreuzestode Christi beunruhigt und verwirrt. Die Wirklichkeit Christi, Seine Lehren, Segensgaben, Seine Vollkommenheit und geistige Macht waren nach Seinem Kreuzestode zwei oder drei Tage lang verborgen und verschleiert, sie waren nicht sichtbar und leuchteten nicht. Im Gegenteil, man hielt sie für verloren, denn der Gläubigen waren wenige, und sie waren unruhig und aufgewühlt. Die Sache Christi war wie ein lebloser Körper; nach drei Tagen aber, als die Apostel fest und sicher wurden, Seiner Sache zu dienen begannen und sich entschlossen, die göttlichen Lehren zu verbreiten, indem sie nach Seinem Vermächtnis handelten und sich erhoben, Ihm zu dienen, leuchtete die Wirklichkeit Christi, und Seine Segensgaben wurden sichtbar; Seine Religion wurde lebendig, und Seine Lehren und Ermahnungen wurden klar und offenkundig. Mit anderen Worten: Die Sache Christi war wie ein lebloser Körper, bis das Leben und die Segensgaben des Heiligen Geistes sie erfüllten.«

Es ist nicht allzu schwer sich die Trauer vorzustellen, welche die frühen Anhänger jeder der Manifestationen Gottes gefühlt haben müssen, als sie Zeuge der Verfolgung wurden, die diesen Göttlichen Boten zugefügt wurde. In jeder Sendung lesen wir Geschichten darüber, wie diese Anhänger sich verlustig gefühlt haben, als sie von der Manifestation getrennt waren und unsicher waren, wie sie vorgehen sollten. Das war in der Zeit Bahá'u'lláhs nicht anders.

Nach dem Martyrium des Báb und der Verfolgung gegen die Bábi-Gemeinde war das Exil Bahá'u'lláhs, welcher von den Bábis als Führer ihrer Gemeinde betrachtet wurde, zutiefst betrübend und beunruhigte die Bábis. Wie die Jünger Jesu nach der Kreuzigung müssen sie die Ereignisse als tödlichen Schlag für die Sache wahrgenommen haben und waren nicht sicher, wohin sie sich wenden sollten.

Doch im Garten von Ridván - wie es drei Tage nach der Kreuzigung Jesu der Fall war - wurde der Kummer, mit dem sich die Bábis von Bahá'u'lláh verabschieden mussten, unerwartet in unvorstellbares Glück verwandelt, als Bahá'u'lláh erklärte, dass Er derjenige sei, »den Gott offenbaren wird.«

Ostern ist also, wie Ridván, eine Feier des Triumphes der göttlichen Sache - wo Kummer in Freude und Verfolgung in Sieg verwandelt wird. So wie wir Baha'i die 12 Tage von Ridván feiern, wünschen wir unseren christlichen Freunden Frohe Ostern!

Erklärungen von Abdu'l-Bahá zur Auferstehung und zum Pfingstgeheimnis

Für alle welche sich weiter in diese Frage vertiefen wollen, finden wir im Buch 'Beantwortete Fragen' von Abdu'l-Bahá weitere Erklärungen zur Auferstehung und zum Pfingstgeheimnis:

»Frage: Was bedeutet die Auferstehung Christi nach drei Tagen?

Antwort: Die Auferstehung der göttlichen Offenbarer ist keine leibliche. Die Bedingungen, unter denen sie leben, ihr Handeln, die Grundlagen ihrer Lehre, ihre Unterweisungen, ihre Interpretationen, Gleichnisse und Methoden haben geistige und göttliche Bedeutung und sind nicht an die stoffliche Welt gebunden. Nimm als Beispiel, dass Christus vom Himmel kam: An zahlreichen Stellen des Evangeliums heißt es ganz klar, dass der Sohn des Menschen vom Himmel kam, dass Er im Himmel ist und dass Er in den Himmel geht. So steht in Kapitel 6, Vers 38, des Johannesevangeliums: "Denn Ich bin vom Himmel gekommen"; und in Vers 42 lesen wir: "Sie sprachen: Ist dies nicht Jesus, Josefs Sohn, des Vater und Mutter wir kennen? Wie spricht er denn: Ich bin vom Himmel gekommen?" Und in Kapitel 3, Vers 13, heißt es: "Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist."

Beachte, dass geschrieben steht: "des Menschen Sohn, der im Himmel ist", obwohl Christus zu dieser Zeit auf Erden war. Bedenke auch, dass geschrieben steht, dass Christus vom Himmel kam, obgleich Er aus Marias Schoß kam und Sein Leib von ihr geboren wurde. Dies macht deutlich, dass es keine äußere, sondern eine innere Bedeutung hat, wenn gesagt wird, dass des Menschen Sohn vom Himmel kam; es ist eine geistige und keine körperliche Tatsache. Der Sinn ist, dass Christus, obwohl Er augenscheinlich aus Marias Schoß geboren wurde, tatsächlich vom Himmel kam, vom Mittelpunkt der Sonne der Wahrheit, von der göttlichen Welt und dem geistigen Gottesreich. Wie nun deutlich wurde, dass Christus vom geistigen Himmel des göttlichen Reiches herabkam, so hat auch Sein Verborgensein in der Erde während dreier Tage eine innere Bedeutung und ist keine äußere Tatsache. Ebenso ist Seine Auferstehung aus der Erde symbolisch; sie ist ein geistiges und göttliches Geschehnis, kein materielles; gleicherweise ist Seine Himmelfahrt eine geistige und keine körperliche.

Von diesen Erklärungen abgesehen, hat die Wissenschaft festgestellt und bewiesen, dass der sichtbare Himmel eine unendliche Weite ist, öde und leer, wo zahllose Gestirne und Planeten ihre Bahnen ziehen.

Darum erklären wir den Sinn der Auferstehung Christi wie folgt: Die Jünger waren nach dem Kreuzestode Christi beunruhigt und verwirrt. Die Wirklichkeit Christi, Seine Lehren, Segensgaben, Seine Vollkommenheit und geistige Macht waren nach Seinem Kreuzestod zwei oder drei Tage lang verborgen und verschleiert, sie waren nicht sichtbar und leuchteten nicht. Im Gegenteil, man hielt sie für verloren, denn der Gläubigen waren wenige, und sie waren aufgewühlt und voller Sorge. Die Sache Christi war wie ein lebloser Körper; nach drei Tagen aber, als die Apostel fest und sicher wurden, Seiner Sache zu dienen begannen und sich entschlossen, die göttlichen Lehren zu verbreiten, indem sie nach Seinem Vermächtnis handelten und sich erhoben, Ihm zu dienen, leuchtete die Wirklichkeit Christi, und Seine Segensgaben wurden sichtbar; Seine Religion wurde lebendig, und Seine Lehren und Ermahnungen wurden klar und offenkundig. Mit anderen Worten: Die Sache Christi war wie ein lebloser Körper, bis das Leben und die Segensgaben des Heiligen Geistes sie erfüllten.

Das ist die Bedeutung der Auferstehung Christi, und es war eine wahre Auferstehung. Aber da die Priester weder den Sinn des Evangeliums verstanden noch seine Symbole erkannten, wurde gesagt, Religion widerspreche der Wissenschaft, und die Wissenschaft empöre sich gegen die Religion; denn gerade diese Auffassung von der leiblichen Himmelfahrt Christi in den sichtbaren Himmel steht im Widerspruch zur exakten Wissenschaft. Wenn aber die Wahrheit über diese Frage erkannt und ihr Symbolcharakter erklärt wird, widerspricht ihr die Wissenschaft in keiner Weise; im Gegenteil werden Wissenschaft und Verstand sie bestätigen.

Frage: Nach der Bibel kam der Heilige Geist auf die Jünger herab. Auf welche Weise geschah dies und was bedeutet es?

Antwort: Das Herabkommen des Heiligen Geistes ist nicht wie der Eintritt der Luft in den Körper; es ist ein bildlicher und kein wörtlich zu nehmender Ausdruck. Es gleicht vielmehr dem Eintritt des Bildes der Sonne in einen Spiegel; das heißt, ihr Glanz wird in ihm sichtbar.

Die Jünger waren nach dem Hingang Christi in Verwirrung, ihre Meinungen und Gedanken gingen auseinander und widersprachen sich; später wurden sie gefestigt und einig, und am Pfingstfest kamen sie zusammen und lösten sich von den Dingen dieser Welt. Sie dachten nicht an sich selbst, verzichteten auf Behagen und irdisches Glück, opferten Leib und Seele ihrem geliebten Herrn, verließen ihre Familien und wurden heimatlose Wanderer, wobei sie sogar sich selbst vergaßen. Da wurde ihnen göttliche Hilfe zuteil, und die Kraft des Heiligen Geistes wurde offenbar; die Geistigkeit Christi siegte, und die Liebe Gottes herrschte. An diesem Tage wurde ihnen Hilfe geschenkt, sie zerstreuten sich in alle Richtungen und lehrten die Sache Gottes durch schlüssige Argumente.

Die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger bedeutet also, dass sie sich dem Geiste Christi ganz ergaben, wobei sie Sicherheit und Festigkeit fanden. Durch den Geist der Liebe Gottes gewannen sie neues Leben und sahen, dass Christus lebte, half und sie beschützte. Sie waren wie Wassertropfen und wurden zum Meer, sie waren wie schwache Mücken und wurden zu königlichen Adlern, sie waren kraftlos und wurden stark. Sie waren wie Spiegel, die der Sonne zugewendet sind; wahrlich, in ihnen wurden Strahlen der Sonne offenbar.«

@ Neue Blog Artikel via E-Mail abonnieren

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an, um Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

Mehr Beiträge dieses Autors

Einen Kommentar schreiben





Durch das Anhaken der Checkbox erlaube ich www.erfurt-bahai.de die Speicherung meiner Daten um die Übersicht über Kommentare zu behalten und Missbrauch zu verhindern. Mit dem Absenden dieses Kommentars werden Name, E-Mail, Kommentar, URL und Zeitstempel in einer Datenbank gespeichert. Sie können Ihre Kommentare natürlich später jederzeit wieder löschen lassen. Detaillierte Informationen hierzu wie auch zur Nutzung von Google reCAPTCHA finden Sie in der Datenschutzerklärung.

* Diese Felder sind erforderlich.

Kommentare

Keine Kommentare