Der revolutionäre Ansatz der Bahá'í zum Klimawandel

Der revolutionäre Ansatz der Bahá'í zum Klimawandel

Wir würden nie diese verschiedenen Eigenschaften wie Beratung, Mäßigung, Liebe, Einheit, Wissen und Bildung, mit dem Klimawandel in Beziehung bringen, aber lasst uns einmal über folgende Zitate nachdenken und reflektieren, vielleicht finden wir einen Ansatzpunkt, wie wir doch auf den Klimawandel einwirken können.

»Die Beratung stellt ein Werkzeug bereit, durch das ein gemeinsames Verständnis erreicht und ein gemeinsames Handlungsmuster definiert werden kann. Sie ist geleitet von dem freien, respektvollen, geheiligten und unvoreingenommenen Bestreben einer Gruppe von Menschen, Meinungen auszutauschen, nach der Wahrheit zu suchen und eine Einigung zur erzielen. Anfängliche Meinungsverschiedenheiten werden als Ausgangspunkt für die Untersuchung einer Fragestellung angesehen, die das Ziel verfolgt, ein größeres Verständnis und Einigkeit zu gewinnen; sie sollten nicht zur Ursache für Groll, Abneigung oder Entfremdung werden. Durch gemeinschaftliches Handeln kann eine Schlussfolgerung über eine bestimmte Vorgehensweise überprüft und gegebenenfalls in einem Lernprozess angepasst werden. Anderenfalls werden, wie 'Abdu'l-Bahá erklärt, "Starrsinn und Beharren auf der eigenen Ansicht ... schließlich zu Zank und Streit führen", während "die Wahrheit aber ... verborgen" bleibt.«

In allen Dingen ist Mäßigung wünschenswert

Das Universale Haus der Gerechtigkeit schrieb an eine Gruppe von Gläubigen:

»Ebenfalls relevant ist im Zusammenhang mit einer solchen Beteiligung« am gesellschaftlichen Diskurse, »ein besseres Verständnis und eine sorgsamere Anwendung der Einsichten Bahá'u'lláhs in die Tugend der Mäßigung. "In allen Dingen ist Mäßigung wünschenswert", sagt Er. "Wird etwas übertrieben, so erweist es sich als Quell des Unheils." Dieser Aufruf zur Mäßigung umfasst insbesondere den Gebrauch der Sprache, soll eine gerechte Schlussfolgerung gezogen werden. "Menschliche Rede will ihrem Wesen nach Einfluss üben und bedarf deshalb der Mäßigung", schreibt Bahá'u'lláh. "Ein bestimmtes Wort ist wie der Frühling, der die zarten Schößlinge im Rosengarten der Erkenntnis grünen und blühen lässt, während ein anderes Wort wie tödliches Gift ist", erklärt Er. "Ein umsichtiger und weiser Mensch sollte deshalb voll Milde und Geduld reden, damit die Süße seiner Worte einen jeden erlangen lässt, was der Stufe des Menschen angemessen ist." Unter dieser Mäßigung versteht Er jedoch in keinster Weise einen bloßen Kompromiss, eine Verwässerung der Wahrheit oder einen heuchlerischen oder utopischen Konsens. Die Mäßigung, die Er anmahnt, verlangt die Beendigung der zerstörerischen Exzesse, die die Menschheit geplagt und endlose Streitigkeiten und Unruhen angefacht haben. Die Mäßigung in Beratung und Handeln steht im scharfen Gegensatz zum rücksichtslosen Aufzwingen von Meinungen durch Macht oder dem Beharren auf ideologischen Zielen, die beide die Suche nach Wahrheit behindern und die Saat fortgesetzter Ungerechtigkeit säen. "Wer sich an die Gerechtigkeit hält, kann auf keinen Fall die Grenzen der Mäßigung überschreiten", sagt Bahá'u'lláh. "Durch die Führung des Allsehenden erkennt er die Wahrheit in allen Dingen."«

Abdu'l-Bahá schreibt, weiter, was noch wichtig ist, wie wir unser Leben ausrichten können:

»Glaube an Gott und richte dein Angesicht auf Sein hehres Reich. Sei verliebt in die Schönheit Abhá, stehe fest im Bündnis, sehne dich danach, zum Himmel allumfassenden Lichts aufzusteigen. Löse dich von dieser Welt und werde wiedergeboren durch den süßen Duft der Heiligkeit, der aus dem Reich des Höchsten weht. Rufe die Menschen zur Liebe, sei gütig zum ganzen Menschengeschlecht. Liebe die Menschenkinder, nimm Anteil an ihrem Leid. Gehöre zu denen, die Frieden stiften. Biete deine Freundschaft an und sei vertrauenswürdig. Sei Balsam für jede Wunde, Arznei für jedes übel. Bringe die Seelen zusammen. Singe die Verse der Führung. Bete zu deinem Herrn, erhebe dich und führe die Menschen auf den rechten Pfad. Löse deine Zunge, lehre und lass aus deinem Angesicht das Feuer der Liebe Gottes leuchten. Halte keinen Augenblick inne, suche keinen Atemzug der Ruhe. So wirst du zum Zeichen und Symbol der Liebe Gottes, zum Banner Seiner Gnade.«

Das Universale Haus der Gerechtigkeit in Seinem Schreiben, von 1990, 'Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen' versucht unser Verständnis weiter zu erweitern:

»Indem sich die Herzen der Menschen ändern und sie im Lichte der Lehren Bahá'u'lláhs in Einheit zu arbeiten anfangen, werden sie viele praktische Maßnahmen durchführen können, die zur Verbesserung des Zustands der Welt beitragen. Dies zeichnet sich bereits in den Bemühungen um soziale und wirtschaftliche Entwicklung in den Gebieten ab, wo große Bahá'í-Gemeinden entstanden sind. Natürlich dürfen Sie auch Menschen unterstützen, mit denen Sie in Kontakt kommen und die an der Verbesserung der Welt interessiert sind, aber die grundlegende Problemlösung ist die von Bahá'u'lláh überbrachte.«

Was können wir als unsere Aufgabe ansehen?

Die Qualität der Freiheit und ihrer Äußerungen - ja die bloße Möglichkeit, in einer Gesellschaft Freiheit zu bewahren - beruht ohne Zweifel auf dem Wissen und der Bildung der Menschen und auf ihrer Befähigung, den Herausforderungen des Lebens mit Gleichmut zu begegnen. Der geliebte Meister, Abdu'l-Bahá, schrieb:

»Ehre und Würde des einzelnen liegen darin, dass er unter all den Massen der Weltbewohner zu einer Quelle des gesellschaftlichen Wohles wird. Gibt es eine größere Gnade als die, dass ein Mensch, wenn er in sich geht, feststellen darf, dass er, durch göttliche Gunst bestätigt, Frieden und Wohlfahrt, Glück und Nutzen unter seinen Mitmenschen bewirkt? Nein, bei dem einen wahren Gott! Es gibt keine größere Freude, kein vollkommeneres Glück.«

»Zufriedenheit und rechtes Maß, Güte und Mitgefühl, Opferbereitschaft und das Vertrauen auf den Allmächtigen sind zu allen Zeiten Eigenschaften, die der gottesfürchtigen Seele wohl anstehen.«

Am 1. März 2017 zählt das Universale Haus der Gerechtigkeit Fakten auf welche die Krankheit unserer Gesellschaft darstellen:

»Die Kräfte des Materialismus fördern ein diametral entgegengesetztes Denken: Glück erlangt man als Folge ständigen Konsums; je mehr man hat, desto besser; und morgen ist auch noch ein Tag, um sich um die Umwelt zu sorgen. Solche verführerischen Botschaften schüren ein sich immer mehr verfestigendes Anspruchsdenken, das die Rhetorik von Recht und Gerechtigkeit benutzt, um doch nur Eigennutz zu verschleiern. Gleichgültigkeit gegenüber der Not anderer wird alltäglich, während Ablenkung, Unterhaltung und Vergnügungen aller Art unersättlich konsumiert werden. Langsam durchdringt der zermürbende Einfluss des Materialismus jede Kultur, und alle Bahá’í erkennen, dass auch sie – in unterschiedlichem Maß – seine Weltsicht unwillkürlich übernehmen, sofern sie sich nicht mit aller Kraft bemühen, sich seine Auswirkungen immer wieder bewusst zu machen.«

Weiterführend zeigt das Universale Haus der Gerechtigkeit auch Lösungswege auf:

»Eltern müssen sich klar darüber sein, dass Kinder die Normen ihrer Umgebung in sich aufnehmen, selbst wenn sie noch sehr jung sind. Das Programm zur Freisetzung geistiger Kräfte Juniorjugendlicher fördert das Nachdenken und schärft das Urteilsvermögen in einem Alter, in dem die Verlockung des Materialismus immer stärker wird. Mit dem Erwachsenwerden kommt eine Verantwortung, die man mit seiner gesamten Generation teilt: Weltliches Streben darf uns nicht dazu verleiten, blind für Not und Unrecht zu werden. Die Kurse des Trainingsinstituts bringen uns in Kontakt mit dem Wort Gottes, und die dabei vermittelten Eigenschaften und Einstellungen helfen uns mit der Zeit, die Illusionen zu durchschauen, derer sich die Welt in jeder Phase unseres Lebens bedient, um unsere Aufmerksamkeit vom Dienen weg auf das Ich zu lenken. Und schließlich lässt das systematische Studium des Wortes Gottes und die Erforschung seiner Implikationen das Bewusstsein dafür reifen, dass es notwendig ist, unsere materiellen Angelegenheiten im Einklang mit den göttlichen Lehren zu regeln.«

Dieses Schreiben vom 1. März 2017 schließt das Universale Haus der Gerechtigkeit mit folgenden Gedanken:

»Geliebte Freunde, die Extreme von Reichtum und Armut in der Welt werden immer untragbarer. Je länger die Ungleichheit fortdauert, desto mehr erkennt man, dass die etablierte Ordnung sich ihrer selbst nicht mehr sicher ist, und stellt ihre Werte in Frage. Ganz gleich, welche Leiden eine zerstrittene Welt noch erfahren wird, wir beten darum, dass der Allmächtige Seinen Geliebten helfen wird, alle Hindernisse auf ihrem Weg zu überwinden, und ihnen beistehen wird, der Menschheit zu dienen. Je stärker die Präsenz einer Bahá’í-Gemeinde innerhalb einer Bevölkerung zunimmt, desto größer ist auch ihre Verantwortung, Wege zu finden, um dort die tieferen Ursachen der Armut anzugehen. Auch wenn die Freunde noch am Anfang dieses Lernprozesses stehen und erst beginnen, sich an den damit verbundenen Diskursen zu beteiligen, schafft doch der Prozess der Gemeindeentwicklung im Fünfjahresplan überall das ideale Umfeld, um – langsam, aber kontinuierlich – Wissen und Erfahrung über das höhere Ziel wirtschaftlichen Handelns wachsen zu lassen. Möge – vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Arbeit an der Errichtung einer göttlichen Zivilisation – solches Forschen und Lernen in den kommenden Jahren ein noch klarer hervortretendes Merkmal von Gemeindeleben, institutionellem Denken und individuellem Handeln werden.«

 

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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