Der geringere Friede und der größte Friede

Verheißungen Bahá'u'lláhs: der geringere Friede und der größte Friede

Die Bahá'í-Lehren machen deutlich, dass die großen Veränderungen, welche die Welt in der Neuzeit erlebt hat, Aspekte von Gottes Plan zur Vereinigung der Menschheit sind.

Diese Veränderungen wurden durch das Erscheinen von Bahá'u'lláh und seiner neuen Weltordnung angeregt, die sich jetzt in den frühen Entwicklungsstadien befindet. Bahá'u'lláh schrieb in seinem Allerheiligsten Buch, dem Kitáb-i-Aqdas, Folgendes:

»Die Welt ist aus dem Gleichgewichtgeraten durch die Schwungkraft dieser größten, dieser neuen Weltordnung. Die Lebensordnung der Menschheit ist aufgewühlt durch das Wirken dieses einzigartigen, dieses wundersamen Systems, desgleichen kein sterbliches Auge je gesehen hat.«

In anderen Passagen bezieht sich Bahá'u'lláh auf die gewaltigen, geheimnisvollen Kräfte, die in der Welt als direkte Folge seiner Offenbarung entfesselt wurden. Er beklagt, dass die Menschheit als Ganzes diese Realität nicht wahrnimmt:

»Neues Leben durchpulst in dieser Zeit alle Völker der Erde, und doch hat keiner seine Ursache entdeckt und seinen Grund erkannt.«

Bahá'u'lláh sieht voraus, dass die Unfähigkeit der Menschheit, ihn zu erkennen und zu akzeptieren um so tragischer ist, weil seine Ankunft seit so vielen Jahrhunderten angekündigt wurde – daher zu schweren und anhaltenden Leiden führen wird. Er ermahnt die Völker der Welt, auf seinen Ruf zu achten oder sich Gottes Gericht zu stellen:

»Erhebe dich, o Volk, und erwarte die Tage göttlicher Gerechtigkeit, denn die verheißene Stunde ist gekommen.«

Dennoch gibt es unzählige Beispiele, in denen Bahá'u'lláh vom unvermeidlichen Triumph seiner Sache spricht. In bestimmten Passagen weist er darauf hin, dass der gegenwärtige Zustand der Dinge nur ein Vorspiel zu einer revolutionären Wendung des Schicksals ist:

»Fürwahr, Wir sind gekommen, um alle, die auf Erden wohnen, zu vereinigen und zusammenzuschweißen.«

Er bestätigt ferner, dass: »die ganze Erde schwanger ist« und »der Tag naht, da sie ihre edelsten Früchte hervorbringen wird, da aus ihr die höchsten Bäume aufsprießen werden, die bezauberndsten Blumen, die himmlischsten Segnungen«.

Im Buch 'Anspruch und Verkündigung' wird Bahá’u’lláh zitiert:

»Die Zeit naht, da alles Erschaffene seine Frucht hervorbringt. Verherrlicht sei Gott, der diese Gnade gewährt, die alles umfasst, das Sichtbare wie das Unsichtbare.«

»Wisse wahrlich«, erklärt Bahá'u'lláh, »diese großen Heimsuchungen, die über die Welt gekommen sind, bereiten sie vor auf das Kommen der größten Gerechtigkeit.«

An anderer Stelle schreibt Bahá'u'lláh:

»Die Welt liegt in Wehen, und ihre Erregung wächst von Tag zu Tag. Ihr Antlitz ist auf Eigensinn und Unglauben gerichtet. Ihr Zustand wird so werden, dass es nicht angemessen und schicklich wäre, ihn jetzt zu enthüllen. Lange wird ihre Verderbtheit währen. Und wenn die festgesetzte Stunde kommt, wird plötzlich erscheinen, was der Menschheit Glieder zittern macht. Dann und erst dann wird das göttliche Banner entfaltet, und die Nachtigall des Paradieses wird ihr Lied singen.«

Bahá'u'lláh stellt uns eine Zeit in der Zukunft vor, in der die Völker der Welt in Frieden und Einheit, Einheit in der Vielfalt, als Glieder einer Gemeinde zusammenleben werden. Die universelle Gerechtigkeit wird - basierend auf der Einhaltung des Gesetzes Gottes - gegründet. Eine neue, auf spirituellen Werten basierende Zivilisation wird entstehen. Er bezeichnete dies als den größten Frieden.

In seiner eigenen Zeit forderte er die Herrscher der Welt auf, seine Sache zu unterstützen und deutete an, dass der Größte Friede aufgrund ihrer Führung und ihres Einflusses relativ schnell hätte zustande kommen können, wenn sie diese dafür genutzt hätten. Als sie ihn ablehnten, ermahnte Bahá'u'lláh sie, den "geringeren Frieden" zu etablieren - eine politische Einheit der Nationen, die den Auftakt für den größten Frieden bilden würde.

Weil sie Seine Aufforderung ignorierten, sagte Bahá'u'lláh göttliche Vergeltung für diese Herrscher voraus. In den folgenden Jahren wurde jede der von Bahá'u'lláh kritisierten Dynastien hinweggefegt, einschließlich jener in Frankreich, Deutschland, Russland, der Türkei, dem Iran und Österreich. Die einzigen Ausnahmen waren Großbritannien, dessen Regierung er für seine Rechtsordnung, seine konstitutionelle Monarchie und die Abschaffung des Sklavenhandels lobte, ebenso die Vereinigten Staaten von Amerika, von denen er sagte, dass sie in der Zukunft eine besondere Rolle bei der Schaffung von Gerechtigkeit in der Welt spielen würden.

Abdu'l-Bahá erklärte später, dass der geringere Friede im Laufe der Zeit etabliert werden würde, wenn die Völker der Welt allmählich bewusster werden, dass die Welt unser gemeinsames Heimatland ist und dass ein System internationalen Regierens für die Stabilität der Welt unerlässlich ist. Aber er machte auch deutlich, dass politische Einheit allein auf lange Sicht Frieden und Wohlstand nicht garantieren würde. Ein höheres Niveau der Einheit muss erreicht werden - nur möglich durch das Festhalten an den spirituellen Wahrheiten, die von Bahá'u'lláh gelehrt werden.

Die Bahá'í-Schriften erklären, dass es drei Stufen geben wird, die zu der neuen göttlichen Zivilisation führen: Zuerst wird es eine Periode großer Unruhe und Leiden geben, die wir jetzt erleben. Dann wird der Geringere Friede kommen, die politische Einheit der Nationen. Danach wird der größte Frieden kommen.

Von Shoghi Effendi lesen wir im Buch 'Die Weltordnung Bahá'u'lláhs':

»Der Größte Friede andererseits, wie ihn Bahá'u'lláh versteht - ein Friede, der sich unausweichlich als praktische Folge aus der Vergeistigung der Welt und der Verschmelzung aller ihrer Rassen, Bekenntnisse, Klassen und Nationen ergibt -, kann auf keine andere Grundlage gestellt und durch keine andere Wirkkraft bewahrt werden als die gottgegebenen Satzungen, die in der mit Seinem heiligen Namen verbundenen Weltordnung inbegriffen sind, in Seinem vor fast siebzig Jahren der Königin Victoria offenbarten Sendschreiben erklärt Bahá'u'lláh, auf diesen Größten Frieden anspielend: »Was der Herr als höchstes Mittel und mächtigstes Werkzeug für die Heilung der ganzen Welt verordnet hat, ist die Vereinigung aller ihrer Völker in einer allumfassenden Sache, einem gemeinsamen Glauben. Dies kann auf keine andere Weise erreicht werden als durch die Macht eines befähigten, allgewaltigen und erleuchteten Arztes. Wahrlich, dies ist die Wahrheit, und alles andere ist nichts als Irrtum ...

»Den Geringeren Frieden kennzeichnen die Überwindung des Krieges als Mittel der Politik und die politische Vereinigung der Welt. Der Größte Friede ist die Frucht, das Resultat der uneingeschränkten Geltung des göttlichen Gesetzes auf Erden.«

Das Universale Haus der Gerechtigkeit äußerte im Dokument 'Die Verheißung des Weltfriedens':

»In dem aufrichtigen Wunsch, Ihnen unsere inbrünstige Hoffnung und unser tiefes Vertrauen kundzutun, zitieren wir die nachdrückliche Verheißung Bahá'u'lláhs: "Diese fruchtlosen Kämpfe, diese zerstörenden Kriege werden aufhören und der ,Größte Friede? wird kommen."«

 

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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