Dienen, eine praktische Anwendung des Geistigen Lebens

Der Dienst und das Dienen

Im Bahá'í-Glauben spielt Dienst eine große Rolle in der Anbetung Gottes. Der Dienst gilt als Anbetung, wenn man etwas tut, was mit dem Interesse geschieht, anderen zu dienen. Aus diesem Grund haben viele Bahá'í dienst-orientierte Berufe wie Lehrer, Ärzte oder arbeiten mit lokalen Non-Profit-Organisationen. Dienst kann auch in Form von gemeinnützigen Projekten auf individueller und gemeinschaftlicher Ebene erfolgen, aber es kann auch bedeuten, dass man für seine Familie sorgt und auf seine Kinder aufpasst.

Abdu'l-Bahá sagt:

»Im Bahá'í-Glauben werden Künste, Wissenschaften und alle Arbeit als Gottesdienst erachtet. Ein Mensch, der etwas, sei es auch nur ein Stück Notizpapier, nach seinem besten Können herstellt und dabei bewusst alle seine Kräfte darauf richtet, es zu vervollkommnen, preist damit Gott. Kurz, alle Bemühungen und Anstrengungen, die ein Mensch macht, sofern sie von ganzem Herzen kommen und er von den höchsten Beweggründen und dem Willen dazu getrieben wird, der Menschheit zu dienen, sind Gottesdienst. Gott dienen heißt der Menschheit dienen und den Nöten der Menschen abhelfen. Dienst ist Gebet.«

»Es gibt nichts Höheres als den Dienst im Reiche Gottes und Ihm wohlzugefallen. Ich wünsche daher, dass eure Herzen sich dem Königreich Gottes zuwenden, eure Absichten rein und aufrichtig seien, dass euer Streben dem Dienste am Mitmenschen gelte ohne Rücksicht auf euer persönliches Wohlergehen; nein, vielmehr mögen alle eure Absichten um das Wohlergehen der Menschheit kreisen, trachtet, euch auf dem Pfad der Hingabe an die Menschheit aufzuopfern. Wie Jesus Christus sein Leben dahingab, so bringet auch ihr euch dar an der Schwelle des Opfers für eine bessere Welt, und wie Bahá'u'lláh fast fünfzig Jahre lang schwere Ungemach und harte Prüfungen für euch ertrug, so seid auch ihr bereit, Schwierigkeiten zu ertragen und Schicksalsschlägen zu widerstehen um der ganzen Menschheit willen.«

Arbeit als Gottesdienst

Müßiges herumsitzen ist mit der Würde des Menschen nicht vereinbar. Kinder müssen bestens ausgebildet werden und Erwachsene in einem Beruf tätig sein. Arbeit sichert ein vernünftiges Maß an Wohlstand. Die Bahá'í-Religion lehrt, dass Arbeit, wenn sie mit einer Haltung der Dienstbarkeit ausgeführt wird, Gottesdienst ist. Dienstbarkeit bedeutet das allgemeine Wohl dem eigenen vorzuziehen. Hierbei ist zu beachten, dass nicht immer Berufstätigkeit im strengen Sinn gemeint ist. Natürlich gilt das Versorgen und Erziehen von Kindern, Tätigkeit im Haushalt sowie das ernsthafte Studium nützlicher Wissenschaften als Arbeit. In der Bahá'í-Religion gibt es keine Priester. Der Dienst für den Glauben befreit nicht von der Pflicht der Berufstätigkeit.

Im Buch 'Gott geht vorüber' veröffentlichte Shoghi Effendi, der Urenkel Bahá'u'lláhs Folgendes:

Bahá'u'lláh »…auferlegt allen die Pflicht, sich in einem Gewerbe oder Beruf zu betätigen, erhöht solche Arbeit zum Rang des Gottesdienstes, betont die Notwendigkeit, die für die Kindererziehung erforderlichen Mittel bereitzustellen…«

Handeln

Überall auf der Welt streben Anhänger Bahá'u'lláhs und ihre Freunde ernsthaft danach, zum Wohlergehen ihrer Gemeinschaften und zum Fortschritt der Gesellschaft beizutragen. Ein Prozess des Aufbaus lebendiger Gemeinschaften durch individuelles und kollektives Handeln, angetrieben durch eine Verpflichtung zum Lernen, wie Bahá'u'lláh es ausdrückte, »danach zu streben, das hier Niedergeschriebene in die Wirklichkeit und die Tat umzusetzen.«

Abdu'l-Bahá, zitiert im Buch 'Göttliche Lebenskunst', erklärte die Frage des Handelns:

»Der Mensch muss ganz in Gott aufgehen und muss seine Eigensucht vergessen, damit er sich zur Stufe des Opfers erhebe, in einem Maße, dass er nicht zum Vergnügen schläft, sondern um den Körper auszuruhen, um besser handeln, klarer sprechen, schöner erklären, den Dienern Gottes dienen und die Wahrheiten beweisen zu können. Wenn er wach ist, sollte er sich bemühen, aufmerksam zu sein, der Sache Gottes zu dienen und seine eigenen Maßstäbe denen Gottes zu opfern. Wenn er diese Stufe erlangt, werden die Bestätigungen des Heiligen Geistes ihn gewiss erreichen, und ein Mensch mit dieser Kraft kann allen widerstehen, die auf Erden wohnen.«

»Ihr müsst edle, köstliche Früchte tragen, euch und anderen zum Nutzen.« - Bahá'u'lláh

Dienst in der Kindererziehung

Ich möchte die Kindererziehung, einen so wichtigen Aspekt im Dienst an der Menschheit, mit aufnehmen. Zu den größten aller großen Dienste gehört die Kindererziehung und die Förderung der verschiedensten Wissenschaften, Handwerke und Künste.

In der Schrift 'Ziele der Kindererziehung' lesen wir die Aussage Bahá'u'lláhs:

»Gesegnet ist der Lehrer, der sich erhebt, die Kinder zu unterrichten und die Menschen auf die Pfade Gottes, des Schenkenden, des Vielgeliebten, zu führen.«

Abdu´l-Bahá schrieb zu der Notwendigkeit der Erziehung:

»Jedes Kind hat die Möglichkeit in sich, das Licht der Welt zu sein - und genauso ihre Dunkelheit. Deshalb muss der Frage der Erziehung höchste Bedeutung beigemessen werden.«

Abdu'l-Bahá sagte, zitiert im Buch 'Bahá'u'lláh und das Neue Zeitalter' zur Wertigkeit des Lehrers folgendes:

»Der Lehrer ist die mächtigste Triebkraft der Zivilisation, und seine Tätigkeit ist die höchste, die der Mensch zu erstreben vermag.«

Gesundheit und das Dienen

Mit den Worten Shoghi Effendis bezüglich unserer Lebensernegie und Gesundheit, eine hilfreiche Voraussetzung zum dienen möchte ich schliessen:

»Sie sollten Ihre Gesundheit nicht vernachlässigen, sondern sie als Mittel betrachten, das es Ihnen ermöglicht zu dienen. Er - der Körper - ist wie ein Pferd, das die Persönlichkeit und den Geist trägt, und als solches sollte er gut gepflegt werden, damit er seine Arbeit tun kann! Sie sollten sicherlich Ihre Nerven schützen und sich dazu überwinden Zeit zu nehmen - und zwar nicht nur für Gebet und Meditation, sondern für echte Ruhe und Entspannung

 

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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