Der Báb - Wer Er war

Gedanken zum Báb und wer Er war

Die Bahá'í auf der ganzen Welt feiern den Beginn eines neuen Zeitalters, als dessen Herold der Báb am 23. Mai 1844 im Alter von fünfundzwanzig Jahren erstmalig auftrat, und betonen die spirituelle Bedeutung jenes Tages für die Welt.

An diesem heiligen Tag, der Erklärung des Báb, fragen sich wahrscheinlich auch viele, wie es gewesen wäre, demjenigen zu begegnen, der der Prophet und Vorläufer von Bahá'u'lláh, dem Gründer des Bahá'í-Glaubens, war.

Pilger haben die Möglichkeit, ein Bild Seines Ebenbildes im Internationalen Bahá'í-Archiv auf dem Karmel zu sehen, für die meisten Bahá'í das einzige Mal, an dem sie es sehen werden.

Es ist ein Porträt aus dem 19. Jahrhundert im persischen Miniaturstil. (Es gibt keine Fotos vom Báb.)

Wenn sie ihre Eindrücke danach besprechen, neigen viele dazu zu sagen, dass dieses Bild bestätigt, was Zeitgenossen über ihn gesagt haben - dass er ruhig und gut aussehend war.

Ebenfalls im Archiv befindet sich eine Ausstellung von Kleidungsstücken, die einst vom Bab getragen wurden und die seinen feinen Geschmack für schön gefertigte Kleidungsstücke mit harmonischen Farben zeigt - elegant, aber nicht aufwendig.

Aus dieser zeitlichen Entfernung haben wir die Vorstellung von einem wunderschön gestalteten jungen Mann.

Während wir versuchen, unser Verständnis von Báb zu entwickeln, können wir über Berichte einiger derjenigen nachdenken, die in den drei Jahrzehnten seines Lebens gesegnet waren, in Seiner Gegenwart zu sein.

Was haben also seine Zeitgenossen von ihm gehalten?

Shoghi Effendi schrieb im Buch 'Gott geht vorüber':

»Seit dem Beginn unserer Epoche, seit den Tagen des Báb, des Herolds des Glaubens, bekunden die Berichte seitens der Christen aufmerksame Sympathie für die neue Lehre, ein deutlicher Kontrast zur Haltung ihrer muslimischen Nachbarn. Das wohl früheste Beispiel dafür ist das liebenswürdige Kompliment des damals in Tihrán ansässigen englischen Arztes Dr. Cormick, der den an den Folgen der Folter leidenden Báb im Gefängnis behandelte und sich dahingehend aussprach, dass die Lehre des Báb derjenigen des Christentums durchaus ähnlich sei. Der erste westliche Historiker der Bewegung, Graf Gobineau, ein französischer Diplomat, schrieb (1865) voll Begeisterung über das heilige Wesen des Báb, Seine erhabenen Ideale, den Zauber Seiner Persönlichkeit, Seine Redegewandtheit und den erstaunlichen Eindruck, den Seine Worte auf Freund und Feind machten. Ähnlich schrieben über Ihn auch Ernest Renan in "Les Apôtres" (1866), Lord Curzon in "Persia", Professor Browne aus Cambridge in verschiedenen Werken, und viele gebildete Christen aus späterer Zeit.«

Im Buch 'Nabil - Bericht aus den frühen Tagen der Bahá'í-Offenbarung' lesen wir zudem:

»Der einzige bekanntgewordene Bericht, dass ein Europäer den Báb zu Gesicht bekam, entstand zur Zeit Seiner Verfolgung, als ein in Tabríz wohnender englischer Arzt, Dr. Cormick, von den persischen Behörden zu Ihm gerufen wurde, um Ihn auf Seinen Geisteszustand zu untersuchen. Das Schreiben dieses Arztes an einen Kollegen, der in amerikanischem Auftrag in Persien weilte, wird in Professor E. G. Brownes `Materials for the Study of the Bábi Religion` zitiert. Dieser Arzt schreibt: "Sie fragen mich nach Einzelheiten meines Interviews mit dem Gründer dieser Bábísekte. Es kam nichts Wichtiges heraus bei diesem Gespräch, da der Báb gewahr wurde, dass ich mit zwei anderen persischen Ärzten geschickt war, ihn zu untersuchen, ob er geistig normal oder eher verrückt war, und zu entscheiden, ob er zu töten war oder nicht. Da er das wusste, war er nicht gewillt, die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Auf alle Fragen sah er uns nur sanft an und sang in tiefer, melodischer Stimme, ich nehme an, es waren Hymnen. Zwei andere Siyyids, ihm nahestehende Freunde, die später mit ihm zusammen getötet wurden, waren auch da, zusammen mit einigen Regierungsbeamten. Er würdigte mich erst einer Antwort, als ich sagte, ich sei kein Muselman und wollte gern etwas über seine Religion wissen, der ich mich unter Umständen anschließen wollte. Daraufhin sah er mich eine Weile an und sagte, er hege keinen Zweifel, dass eines Tages alle Europäer zu seiner Religion übertreten würden. Unser Bericht an den Sháh ging selbstverständlich dahin, sein Leben zu erhalten. Einige Zeit darauf wurde er auf Befehl des Amír-Nizám, Mírzá Taqí Khán doch getötet. Auf unseren Bericht hin erhielt er lediglich die Bastonade. Bei dieser Operation schlug ihm ein Scherge absichtlich oder nicht mit dem Prügel, der für seine Füße bestimmt war, übers Gesicht, was eine böse Wunde mit Schwellung hervorrief. Auf die Frage, ob man ihm zur Behandlung einen persischen Wundarzt schicken solle, äußerte er den Wunsch, dass man mich bitten möge, und ich behandelte ihn dann einige Tage lang. Aber bei den nun folgenden Zusammentreffen gelang es mir nie, ihn für ein vertrautes Gespräch zu gewinnen, weil immer einige Amtspersonen zugegen waren, er war ja Gefangener. Er war ein sehr zart und gebrechlich aussehender Mann, ziemlich schmal von Statur und sehr hellhäutig für einen Perser. Seine Stimme war melodisch und weich und hat mich sehr beeindruckt. Als Siyyid war er auch in der Tracht dieser Sekte gekleidet, ebenso seine beiden Gefährten. Sein ganzes Aussehen und Verhalten war sehr dazu angetan, einen für ihn einzunehmen. Über seine Lehre vernahm ich von ihm selbst nichts. Doch man hat den Eindruck, dass seine Religion eine gewisse Nähe zum Christentum hat. Einige armenische Zimmerleute, die in seinem Gefängnis einiges auszubessern hatten, haben ihn in der Bibel lesen gesehen, und er machte auch keinen Hehl daraus, im Gegenteil, er sprach mit ihnen sogar darüber. Den muselmanischen Fanatismus gibt es ganz bestimmt nicht in seiner Religion, wie auch nicht bei den Christen. Auch findet man in ihr nicht die Unterdrückung der Frauen, wie sie heutzutage besteht."

Das war der Eindruck, den der Báb auf einen kultivierten Engländer machte.«

Und was ist mit der persischen Bevölkerung?

Hunderttausende von Persern nahmen den Glauben des Bab an - der wichtigste war Bahá'u'lláh selbst -, aber auch viele angesehene Gelehrte, religiöse Führer und die berühmte Dichterin Táhirih sowie viele einfache Bürger.

Im Buch 'Die Offenbarung Bahá'u'lláhs', Band 1, von Adib Taherzadeh lesen wir:

»Ein Anhänger Azals bat einmal den verstorbenen Hájí Siyyid Javád-i-Karbilá'í, einen frühen Gläubigen und einen der Spiegel der Bábí-Sendung, er möge das Antlitz des Báb und dessen Schönheit beschreiben. Javád antwortete: `Er war unübertrefflich an Schönheit und Anmut; ich sah in Ihm alle Tugend und Schönheit, die der Person Josephs zugeschrieben wird.`«

Die geheimnisvolle und außergewöhnliche Wirkung dieses charmanten, gut aussehenden jungen Mannes hat über sein eigenes Leben hinaus zugenommen, und Er inspirierte Generation um Generation, sich dem Glauben zu weihen, dessen Verkünder er war, und sich der anspruchsvollen Aufgabe zu widmen, die Menschheit in einer globalen Gesellschaft der Gerechtigkeit und Liebe zu vereinen.

Im 'Buch der Gewissheit' schrieb Bahá’u’lláh über den Báb:

»Sieh, wie dieser Sadrih * des Ridváns Gottes sich in der Blüte der Jugend erhob, Gottes Sache zu verkünden, und welche Standhaftigkeit diese Schönheit Gottes dabei an den Tag gelegt hat. Die ganze Welt stellte sich Ihm in den Weg und ist damit völlig gescheitert. Je schwerer die Verfolgungen waren, mit denen sie diesen Sadrih der Seligkeit heimsuchten, desto mehr wuchs Sein Eifer, um so strahlender brannte die Flamme Seiner Liebe. All dies ist offensichtlich, und niemand bestreitet diese Wahrheit. Am Ende gab Er Sein Leben hin und nahm Seinen Flug zu den Reichen der Höhe.«

(*Persisches „Sadrih“ bedeutet in etwa: 'Ast' oder 'Zweig' von Lotos.)

 

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Über den Autor
Helmut, Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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