Das Parlament der Weltreligionen

Für eine gerechtere, friedlichere und nachhaltigere Welt

Der 125. Jahrestag des Parlaments der Weltreligionen, eines Weltereignisses, war am 11.09.2018 in Toronto, woraus eine weltweite interreligiöse Bewegung entstand.

Das Erste Parlament der Weltreligionen war ein internationaler interreligiöser Kongress, der vom 11.-27.09.1893 in Chicago im Rahmen der Weltausstellung (World’s Columbian Exposition) stattfand. Diese 17-tägige Konferenz tagte in der eigens errichteten 'Hall of Columbus' an der etwa 4-5.000 Repräsentanten zahlreicher, damals bekannter Religionen aus vielen Ländern vertreten waren.

Einer der Hauptinitiatoren war der gebürtige Stuttgarter Dr. phil. Adolf Brodbeck (1853-1930). In seiner Rede beim Weltparlament am 12. September 1893 erklärte er folgendes:

»... Die Zeit ist gekommen für eine neue Form der Religion, in welcher der peinliche Zwiespalt zwischen moderner Zivilisation und altem Glauben verschwindet und frohe Harmonie an ihre Stelle tritt. Was gut ist, kann gelassen werden; andere Dinge können reformiert werden, somit frisches Leben bringend in tote Formen, andere Dinge wiederum sind gänzlich abzutun; und endlich haben neue Faktoren ins Leben zu treten. ... Wir sind nicht Heiden, noch Juden, noch Mohammedaner, noch Buddhisten, noch Christen, und genauer, weder Katholiken, noch Protestanten, noch Methodisten, noch Anhänger irgend einer anderen Form von Christentum.«

Die globale interreligiöse Gemeinschaft erweckt das Herz des Glaubens im Parlament der Weltreligionen zum Leben, dem ältesten, größten und umfassendsten interreligiösen Ereignis, das als Mutter der interreligiösen Bewegung bekannt ist. Indem sie Tausende von Menschen aus über 80 Nationen, 118 Glaubenstraditionen, von Moscheen, Gurdwaras, Kathedralen und Synagogen zu einem globalen Ereignis zusammenbringen. So feiern die Teilnehmer die Schönheit des Glaubens, lernen die Gaben anderer kennen, verstehen und schätzen und engagieren sich gemeinsam stärker in jeder Tradition, um sich mit den kritischen Herausforderungen der Welt in Einklang zu bringen.

Der Rat für ein Parlament der Weltreligionen ist eine Organisation, die Menschen des Glaubens zusammenbringen möchte, um für eine gerechtere, friedlichere und nachhaltigere Welt zu arbeiten. Nach 1893, gab es das nächste Parlament der Weltreligionen in Chicago zur 100- Jahr-Feier; danach wurden insgesamt sechs weitere Parlamente organisiert, die in Kapstadt, Barcelona, Melbourne, 2015 in Salt Lake City/Utah, 2016 in Nitra/Slowakei und 2018 in Toronto/Kanada stattfanden. Weitere Information dazu gibt es auf der Webseite oder auf den Seiten von Facebook.

Das Parlament der Weltreligionen führte 2018 in Toronto 8.324 Teilnehmer zusammen, darunter eine starke Bahá’í-Delegation. Es war damit, so weit wir es wissen, die bisher größte interreligiöse Versammlung der Weltgeschichte.

Dass die Menschheit sich der geistigen Dimension des Wandels in der Welt bewusst wird, hat für Bahá’í eine besondere Bedeutung.

»Für die Bahá’í ergab sich ein besonderes Interesse an dieser Veranstaltung aus der Tatsache, dass der Name Bahá'u'lláhs öffentlich zum ersten Mal im Westen beim Parlament in Chicago 1893 erwähnt worden war. In Deutschland wurden die Bahá’í (1953 beim Weltreligionstag in Berlin) zum ersten Mal am interreligiösen Dialog beteiligt. In ungewöhnlicher Form fand ein interreligiöser Dialog statt, als 1998 Vertreter der Weltbank und von neun großen Religionen im Lambeth-Palast (London) eine Veranstaltung abhielten, die zur Bildung eines Entwicklungsdialogs der Weltreligionen führte. Es ist das vom Dialog verkündete Ziel zu versuchen, den Graben zwischen den Religionsgemeinschaften und der Weltbank zu überbrücken, um ihnen eine wirkungsvollere Zusammenarbeit bei der Überwindung der Armut in der Welt zu ermöglichen. Die Häufigkeit und der umfassende Charakter dieser interreligiösen Versammlungen ist ein neues Phänomen in den Beziehungen der Religionen untereinander. Es ist offensichtlich, dass sich die verschiedenen Religionsgemeinschaften darum bemühen, den Geist der Freundlichkeit und Brüderlichkeit untereinander zu erreichen, den Bahá’u’lláh Seine Anhänger aufgerufen hat, den Anhängern anderer Religionen gegenüber an den Tag zu legen.«
(Aus der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu Ridván 2000.)

Die interreligiöse Verlautbarung »Erklärung zum Weltethos«, herausgegeben von einer Versammlung religiöser und geistiger Führer aus faktisch allen größeren Religionen und geistigen Bewegungen auf dem 1993 in Chicago veranstalteten Parlament der Weltreligionen, hält fest, dass die Religionen der Welt wirklich vieles finden können, was sie in dieser Hinsicht gemeinsam haben. Es heißt in der Verlautbarung:

»Wir bekräftigen, dass sich in den Lehren der Religionen ein gemeinsamer Bestand von Kernwerten findet und dass diese die Grundlage für ein Weltethos bilden … Es gibt bereits uralte Richtlinien für menschliches Verhalten, die in den Lehren der Religionen der Welt gefunden werden können und welche die Bedingung für eine dauerhafte Weltordnung sind.«
(Erklärung zum Weltethos, Die Deklaration des Parlaments der Weltreligionen, herausgegeben von Hans Küng und Karl Josef Kuschel, München 1993, S. 16)

Ein Video, welches für das Parlament der Weltreligionen 2015 erstellt wurde, fasst die Vision hinter dieser weltweiten interreligiösen Bewegung wunderbar zusammen.

Zur weiteren Vertiefung gibt es noch 2 wissenschaftliche Ausarbeitungen von Dr. Michael Sturm-Berger:

Vom ersten Weltparlament der Religionen zur Institutionalisierung des interreligiösen Dialoges.

Wer entwickelte die Idee zum ersten Weltparlament der Religionen? (Genauere Quellen-Angaben bitte bei Bedarf anfragen!)

 

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Über den Autor
Helmut, Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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