Das Leben Bahá'u'lláhs

Einige Episoden aus dem Leben Bahá'u'lláhs

Bahá'u'lláh wurde in Teherans berüchtigtes Gefängnis, das "Schwarze Loch" geworfen, wo Er die Ankündigung Seiner Offenbarung erhielt, sein Land und sein Besitz wurden beschlagnahmt, dann wurde er von der Regierung aus Persien vertrieben, 1852 sukzessive nach Bagdad verbannt, 1863 von Bagdad nach Konstantinopel, 1867 nach Adrianopel (jetzt Edirne) und 1868 schließlich in die Gefängnisstadt Akká in Palästina (heute Israel).

Bahá'u'lláh verbrachte schließlich den Rest seines Lebens als politischer Gefangener, wie wir in 'Abdu'l-Bahás Buch 'Die Verkündigung des Weltfriedens' lesen - mit folgendem Ziel:

»Bahá'u'lláh litt vierzig Jahre als Gefangener und im Exil, damit das Königreich der Liebe im Osten und Westen errichtet werden möge.«

Er lehrte einen neuen Glauben mit bemerkenswert fortschrittlichen Prinzipien: die unabhängige Erforschung der Wahrheit, die Einheit aller Religionen, das Einssein Gottes als auch der Menschheit, die Errichtung einer globalen demokratischen Ordnung, die Übereinstimmung von Wissenschaft und Religion. Bahá'u'lláhs neuer Glaube forderte Dogma und Orthodoxie heraus, indem er den Klerus abschaffte, Rassenvorurteile verbot, die Gleichwertigkeit von Frauen und Männern festschrieb und von den Herrschern der Welt verlangte, ihre Rüstungen zu reduzieren und Frieden zu schließen.

Diese spirituellen und sozialen Lehren veranlassten persische und osmanische Regierung, Bahá'u'lláh jahrzehntelang grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung zu unterwerfen. Bahá'u'lláh erlitt furchtbare Leiden, nicht wegen irgendeines Verbrechens, sondern weil er die friedlichen Prinzipien seines neuen Glaubens verkündete, der die bestehenden Machtstrukturen und die grassierende Korruption der staatlichen, gesellschaftlichen und religiösen Ordnungen der damaligen Zeit kühn herausforderte.

In den Schriften ‘Abdu’l-Bahás, im Buch 'Beantwortete Fragen', finden wir eine Aussage über den geistigen Grund der Verbannung Bahá’u’lláhs ins Heilige Land:

»Als Bahá’u’lláh in dieses Gefängnis im Heiligen Lande kam, erkannten die Einsichtigen, dass die frohe Botschaft, die Gott zwei- und dreitausend Jahre vorher durch den Mund der Propheten verkünden ließ, sich verwirklicht und dass Gott Sein Versprechen erfüllt hatte. Denn mehreren Propheten hatte Er Sich geoffenbart und die gute Nachricht gegeben, dass "der Herr der Heerscharen im Heiligen Land geoffenbart würde." Alle diese Prophezeiungen wurden erfüllt, und wenn diese Verfolgungen durch Seine Feinde, Seine Vertreibung und Verbannung nicht gewesen wären, könnte man sich nicht vorstellen, wie Bahá’u’lláh hätte gezwungen werden können, Persien zu verlassen und in diesem Heiligen Land Sein Zelt aufzuschlagen.«

Die Bahá'í-Lehre sagt uns, dass Bahá'u'lláh diese schreckliche Behandlung erlitt, wie alle Propheten und Manifestationen Gottes Verfolgung erlitten haben, als ein Opfer für die ganze Menschheit. 'Abdu'l-Bahá sagte, dass Bahá'u'lláh

»…, die Gesegnete Vollkommenheit trug all diese Torturen und Schicksalsschläge, damit unsere Herzen entflammt und strahlend werden, unser Geist verherrlicht, unsere Fehler zu Tugenden werden und unsere Unwissenheit in Wissen verwandelt wird; damit wir die wahren Früchte der Menschheit erlangen und himmlische Gnaden erwerben; damit wir, obwohl Pilger auf Erden, auf der Straße des Himmelreiches reisen und, obwohl wir bedürftig und arm sind, die Schätze des ewigen Lebens empfangen.«

Trotz anhaltender, von der Regierung geförderter Kampagnen, die sich gegen die Bahá'í richten, - und trotz des Ablebens von Bahá'u'lláh - wächst, entwickelt sich und gedeiht der Bahá'í-Glaube in jedem Winkel der Erde weiter.

Bahá'u'lláhsLehren betonen immer noch Frieden, Einheit und Harmonie unter allen Menschen. Sie haben Millionen auf der ganzen Welt inspiriert, und der Glaube, den Bahá'u'lláh vor so langer Zeit offenbarte, hat sich infolgedessen in das Spektrum der wichtigsten Glaubensrichtungen der Welt eingereiht.

Damit die Menschheit aus ihrer Knechtschaft erlöst werde

So gedenken Bahá'í auf der ganzen Welt des Heraufdämmerns einer neuen, lichterfüllten Offenbarung durch die kraftvollen Lehren dieses relativ neuen globalen Glaubens und erinnern sich an die extremen Opfer, welche Bahá'u'lláh für seine Botschaft der Einheit der Menschheit brachte. Sie werden sich daran erinnern, dass Bahá'u'lláh sagte, Er, die

»... Altehrwürdige Schönheit hat eingewilligt, in Ketten gelegt zu werden, damit die Menschheit aus ihrer Knechtschaft erlöst werde, und hat es hingenommen, zum Gefangenen in dieser mächtigsten Festung zu werden, damit die ganze Welt wahre Freiheit gewinne. Er hat den Kelch des Leidens bis zur Neige geleert, damit alle Völker der Welt immerwährende Freude gewinnen und von Fröhlichkeit erfüllt werden. Dies gehört zur Barmherzigkeit eures Herrn, des Mitleidvollen, des Barmherzigsten. Wir nehmen es hin, erniedrigt zu werden, o ihr, die ihr an die Einheit Gottes glaubt, damit ihr erhoben werdet, und dulden mannigfache Leiden, damit ihr blühet und gedeihet. Seht, wie jene, die Gott Gefährten zugesellt haben, Ihn, der gekommen ist, die ganze Welt neu zu bauen, gezwungen haben, in der trostlosesten aller Städte zu wohnen!«

(Bahá'u'lláh, 'Ährenlese aus den Schriften Bahá'u'lláhs')

Die Früchte der Offenbarung zeigen sich

Der schnelle, revolutionäre Wandel in der Haltung der Bábí-Gemeinde während Bahá'u'lláhs Aufenthalt im Iráq; die Offenbarung des Kitáb-i-Íqán (Das Buch der Gewissheit), der Schlüssel zum Verständnis aller Religionen; das wachsende Ansehen Bahá'u'lláhs und der Gemeinde, die Er sowohl im Iráq, als auch in Adrianopel vor der Öffentlichkeit repräsentierte; die öffentliche Proklamation Seines Glaubens an die Könige und Herrscher der Welt; die Verbannung Bahá'u'lláhs ins Heilige Land als Erfüllung der Prophezeiungen vorangegangener Religionen; das Opfer Seines geliebten Sohnes, des Reinsten Zweiges, auf dass die Diener Gottes "erquickt und alle Erdenbewohner vereint werden"; Seine wundersame Freilassung aus dem Gefängnis von Akká; die allmähliche Erkenntnis Seiner göttlichen Tugenden und übermenschlichen Kräfte bei den Einwohnern von Akká; die Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas und die Formulierung der Gesetze, die Er als "das höchste Mittel für den Bestand der Ordnung in der Welt und für die Sicherheit ihrer Völker" beschreibt; die Ankunft vieler Pilger, die in Seine Gegenwart gelangten und dadurch ihre Einsicht in den Glauben ausweiten und sich so veredeln konnten, dass sie zu neuen Geschöpfen wurden.

In den Texten 'Abdu'l-Bahás lesen wir:

»Eines Tages nun begab ich mich in die heilige Gegenwart der Gesegneten Schönheit und sagte: `Der Palast zu Mazra'ih steht für uns bereit und ein Gefährt, um Dich dahin zu bringen`. (Um jene Zeit gab es in 'Akká oder Haifa keine Fahrzeuge.) Er weigerte sich zu gehen und sagte: `Ich bin ein Gefangener.` Später bat ich Ihn wieder, erhielt aber die gleiche Antwort. Ich ging soweit, Ihn ein drittes Mal zu bitten, aber Er sagte nur: `Nein`, und ich wagte nicht, weiter in Ihn zu dringen.«

Der Abschied Bahá'u'lláhs aus der Gefängnisstadt und Sein Umzug in das Landhaus von Mazra'ih, der das Edikt des Sultans bezüglich Bahá'u'lláhs lebenslanger Gefangenschaft zum toten Buchstaben werden ließ; die spontanen aufrichtigen Zeichen der Ehrerbietung, die die Regenten von Palästina, Regierungsbeamte und Männer geistiger Bildung, Bahá'u'lláh entgegenbrachten; die Verlegung von Bahá'u'lláhs Wohnsitz in das Landhaus von Bahjí, von Ihm als "die erhabenste Vision der Menschheit" beschrieben; die enorme Verbreitung von Bahá'u'lláhs Schriften und die Offenbarungen von Prinzipien und Lehren des Glaubens, die zusammen mit den Gesetzen des Kitáb-i-Aqdas Kette und Schuss des Gewebes Seiner zukünftigen Weltordnung bilden.

Die enorme Ausdehnung der Gemeinde in Persien; während des Wirkens von Bahá'u'lláh, der Übertritt vieler herausragender und gebildeter Persönlichkeiten zum Glauben; der Übertritt von Juden und Parsen; die Verbreitung des Glaubens außerhalb Persiens in mehr als zehn Ländern Asiens und Afrikas; der Übertritt von Buddhisten zum Glauben in Indien und Birma; der Aufbau einer kraftvollen Gemeinde in Ishqábád und die Vorbereitungen für den dortigen Bau eines Hauses der Andacht.

Die folgenden Worte Abdu'l-Bahás beschreiben den Glauben im gegenwärtigen Stadium der Kindheit und seine zukünftige Volljährigkeit:

»Eines der großen Ereignisse«, bekräftigt ‘Abdu’l-Bahá, »welches sich am Tage der Offenbarung jenes unvergleichlichen Zweiges zuträgt, ist das Aufpflanzen des Banners Gottes unter allen Nationen. Damit ist gemeint, dass alle Nationen und Geschlechter im Schatten dieses göttlichen Banners, welches nichts anderes als der Zweig des Herrn selbst ist, versammelt und zu einer einzigen Nation verschmolzen werden. Religiöser und sektiererischer Gegensatz, Rassen- und Völkerfeindschaft, Streitigkeiten zwischen den Nationen werden ausgemerzt werden. Alle Menschen werden einer Religion angehören, werden einen gemeinsamen Glauben haben, werden zu einer einzigen Rasse vermischt und ein einziges Volk werden. Alle werden in einem gemeinsamen Vaterland wohnen, und das ist der Erdball als Ganzes.«

So erklärt Er weiter,

»Nunmehr hat in der Welt des Seins die Hand göttlicher Macht die Grundlagen dieser allerhöchsten Gnadengabe fest begründet. Was auch im Innersten dieses heiligen Zyklus verborgen ruht, es wird allmählich erscheinen und offenbar gemacht werden; denn jetzt ist erst der Beginn seines Wachstums und der Morgen der Offenbarung seiner Zeichen. Noch vor dem Ende dieses Jahrhunderts und dieses Zeitalters wird klar und augenscheinlich gemacht sein, wie wundersam jene Frühlingszeit war und wie himmlisch jene Gabe.«

(Shoghi Effendi, 'Die WeltordnungBahá'u'lláhs')

Aqá Ridá schrieb in seinen Memoiren über seine Pilgerreise nach Akká, über die besonderen Momente wo er die Gegenwart Bahá'u'lláhs erlangte:

»Jedes Mal, wenn ich in Seine Gegenwart trat, fand ich die Tore Seiner Gnade und Offenbarung vor meinen Augen weit geöffnet. All dies war ein mächtiger Beweis und eine kostbare Gabe. Die übernatürlichen Handlungen, die ich in Seiner gesegneten Gegenwart beobachtete, und die ungeheure Freude, die durch meine Seele strömte, wenn ich vor Ihm saß, sind unbeschreiblich, und ich kann darüber nichts berichten ... Wenn in der Versammlung der Freunde die Gesegnete Schönheit das Angesicht einem Menschen zuwandte, war dieser unfähig, Ihm ins Antlitz zu schauen und die leuchtenden Strahlen der Sonne der Wahrheit zu sehen. Daher war es Bahá'u'lláhs Angewohnheit, nach rechts zu blicken, wenn Er sprach, so dass die Freunde es leichter ertragen konnten, Ihm ins Gesicht zu schauen. Wenn Er hingegen Sein Antlitz den Freunden zuwandte, pflegte Er die Augen zu schließen und dann zu sprechen ...«.

 

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