Bahá'í Häuser der Andacht

Bahá'í Häuser der Andacht: Eine kurze Einführung

Bahá'í-Gotteshäuser (oder Tempel, wie sie oft genannt werden) sind Gebetsstätten, die von Bahá'í erbaut wurden, aber offen sind für Menschen aller Religionen und Glaubensrichtungen. In den Bahá'í-Schriften werden sie auch als Mashriqu'l-Adhkár bezeichnet, was arabisch für "Aufgangsort des Lobpreises Gottes" steht, und sie sind nicht einfach Gebäude, sondern gelten als heilige Institutionen. Bahá'u'lláh beschreibt im Buch 'Kitáb-i-Aqdas' diese heilige Institution mit diesen Worten:

»O Volk der Schöpfung! Euch obliegt, im Namen des Herrn der Offenbarung in den Städten Häuser zu erbauen, so vollkommen wie sie auf Erden nur gebaut werden können, und sie geziemend auszuschmücken, nicht aber mit Bildern und Statuen. Sodann rühme und preise darin deinen barmherzigen Herrn im Geiste strahlender Freude. Siehe! Durch Seine Erwähnung werden die Herzen erleuchtet und die Augen getröstet.«

Die Bedeutung

Das Andachtshaus der Bahá'í ist dem Lobpreis Gottes geweiht. Es bildet das Zentralgebäude des Mashriqu'l-Adhkárs, eines Gebäudekomplexes, der im Laufe der künftigen Entfaltung außer dem Haus der Andacht eine Reihe von Baulichkeiten für soziale, humanitäre, erzieherische und wissenschaftliche Zwecke umfassen wird. Abdu'l-Bahá beschrieb den Mashriqu'l-Adhkár als »eine der wichtigsten Institutionen auf der Welt«, und Shoghi Effendi erläuterte, er sei der greifbare Ausdruck einer Verbindung von »Bahá'í-Andacht und -Dienstbarkeit«. Im Blick auf die künftige Entwicklung dieser Institution schrieb Shoghi Effendi, dass das Andachtshaus und seine Nebengebäude »den Leidenden Linderung, den Armen Unterhalt, den Reisenden Zuflucht, den Hinterbliebenen Trost und den Unwissenden Erziehung gewähren sollen«.

Innerhalb des Zentralgebäudes werden nur Worte aus den Heiligen Schriften der Offenbarungs-Religionen gelesen oder gesungen, ebenso Hymnen, die auf diesen Worten beruhen.

»Selig«, äußerte Bahá’u’lláh im Kitáb-i-Aqdas, »wer seine Schritte früh zur Dämmerstunde zum Mashriqu’l-Adhkár lenkt, mit Ihm Zwiesprache hält, Seiner gedenkt und Seine Vergebung erfleht. Darin eingetreten, sitze er schweigend und lausche den Versen Gottes, des unbedingten Herrschers, des Allmächtigen, des Allgepriesenen.«

Im Buch 'Bahá'u'lláh und das Neue Zeitalter' lesen wir zur Einrichtung des Mashriqu’l-Adhkár Folgendes:

»Wenn diese Einrichtungen, Hochschule, Hospital, Fremdenheim und Krankenhaus für Unheilbare, Universität zum Studium höherer Wissenschaften und zur Fortbildung und andere der Menschheit dienende Bauten, erstellt sein werden, so werden die Tore allen Nationen und Religionen offen stehen. Es wird durchaus keine Trennungslinie gezogen werden. Ihre Wohltaten werden ungeachtet der Farbe oder Rasse erwiesen werden. Ihre Tore werden dem Menschengeschlecht weit offen stehen. Vorurteile gegen niemanden, Liebe für alle. Der Hauptbau wird Gebet und Andacht geweiht sein. Auf diese Weise ... wird Religion mit Wissenschaft in Einklang gebracht und die Wissenschaft zur Dienerin der Religion werden, und beide werden ihre materiellen und geistigen Gaben auf die ganze Menschheit strömen lassen.«

Wo befinden sich die Bahá'í-Tempel?

In ihrem Wesen existieren die Samen eines Hauses der Andacht in jeder Gemeinschaft, die sich in Lobpreis und Andacht Gottes und im Dienst für andere versammelt.

Auf jedem bewohnten Kontinent gibt es derzeit einen "Muttertempel". Sie befinden sich in:

Wilmette/USA, Panama-Stadt/Panama, Kampala/Uganda, Hofheim-Langenhain/Deutschland, Sydney/Australien, Apia/ West-Samoa, Neu Delhi/Indien und Santiago/Chile.

In seiner Ridvan-Botschaft von 2012 schrieb das Universale Haus der Gerechtigkeit:

»Mit größter Freude künden wir nun an, dass nationale Mashriqu'l-Adhkárs in zwei Ländern errichtet werden sollen: in der Demokratischen Republik Kongo und in Papua-Neuguinea.«

Weitere Bahá'í-Tempel in Planung und Bau

»Mit Herzen, übervoll vor Dankbarkeit gegenüber der Gesegneten Schönheit, teilen wir Ihnen hocherfreut mit, dass wir derzeit Beratungen mit den jeweiligen Nationalen Geistigen Räten aufnehmen in Bezug auf die Errichtung der ersten örtlichen Häuser der Andacht in folgenden Clustern: Battambang, Kambodscha; Bihar Sharif, Indien; Matunda Soy, Kenia; Norte del Cauca, Kolumbien; und Tanna, Vanuatu.«

In der Ridván-Botschaft vom April 2018 schrieb das Universale Haus der Gerechtigkeit:

»In Santiago, Chile und Battambang, Kambodscha werden die weltweit zuletzt eingeweihten Häuser der Andacht zu etablierten Zentren der Anziehung, Leuchtfeuer, die alles, wofür der Glaube steht, in die Gesellschaft ausstrahlen. Und ihre Zahl wird schon bald steigen. Wir freuen uns anzukündigen, dass die Einweihungsfeier für den Tempel in Norte del Cauca, Kolumbien im Juli stattfinden wird. Und der Bau weiterer Häuser der Andacht liegt in greifbarer Nähe. In Vanuatu wird gerade die Erlaubnis eingeholt, mit dem Bau zu beginnen. In Indien und der Demokratischen Republik Kongo hat ein hochkomplexer und anspruchsvoller Prozess endlich zum Erwerb von Bauland geführt. Die Freude darüber, das Design des ersten nationalen Mashriqu’l-Adhkár in Papua-Neuguinea, das zu Naw-Rúz enthüllt wurde, zu sehen, hatte kaum nachgelassen, als auch das Design des örtlichen Hauses der Andacht in Kenia enthüllt wurde. Inzwischen haben wir allen Grund zu der Erwartung, dass die kürzlich veröffentlichte Erklärung und Zusammenstellung über die Institution des Mashriqu’l-Adhkár, die von unserer Forschungsabteilung erstellt wurde, die Wertschätzung der Freunde für die Bedeutung der Andacht im Gemeindeleben weiter anregen wird. Denn mit ihren Diensten, besonders mit ihren regelmäßigen Andachtsversammlungen, legen Bahá’í überall die geistigen Grundlagen zukünftiger Häuser der Andacht.«

Einige interessante Fakten

  • Bahá'í-Tempel stehen allen Menschen offen, unabhängig von ihren religiösen Überzeugungen.
  • Präsentationen, Vorträge, oder Predigten sind in den Tempeln nicht erlaubt.
  • Alle Bahá'í-Tempel sind mit neun Eingängen ausgestattet, und alle haben "den größten Namen", eine kalligrafische Darstellung der Anrufung "O Du Herrlichkeit der Herrlichkeiten", die als Krönung des Tempels im Inneren, im Mittelpunkt der Kuppel platziert ist.
  • Bahá'í-Tempel können auf vielfältige Art und Weise und mit zahlreichen Materialien gebaut werden. Die strukturellen Anforderungen aller Bahá'í-Tempel sind, dass sie eine Kuppel haben, rund sind und neun Seiten besitzen. Die Kuppel symbolisiert die wesentliche Einheit, wie auch die neun Eingänge, welchen die großen Religionen der Welt zugrunde liegen.
  • Das Haus der Andacht in Neu-Delhi, oft Lotus-Tempel genannt, ist eines der meistbesuchten Gebäude der Welt. Im Durchschnitt werden täglich 8.000 bis 10.000 Besucher dort begrüßt.
  • Das Haus der Andacht in Wilmette brauchte 50 Jahre Bauzeit bis zur Fertigstellung: Der Bau wurde durch zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise hindurch fortgesetzt. Das Gebäude wurde vollständig durch freiwillige Spenden von Bahá'í auf der ganzen Welt finanziert.
  • Das erste Bahá'í-Gotteshaus wurde in der Stadt Ashkhabad im heutigen Turkmenistan erbaut und hatte nur eine kurze, 20-jährige Geschichte, bevor es den Händen der sowjetischen Behörden übergeben werden musste. Es wurde später, bei einem der schlimmsten Erdbeben der modernen Geschichte im Jahre 1948 zerstört.
  • Das Haus der Andacht in Deutschland besitzt 540 diamantförmige Fenster, die der Kuppel eine optische Leichtigkeit verleihen und das Sonnenlicht zum Spielen veranlassen.
  • Malietoa Tanumafili II., König von Samoa (1913-2007), der erste regierende Bahá'í-Monarch, nahm an der Einweihung des Andachtshauses in der Hauptstadt Apia auf West-Samoa teil.
  • Über den Bahá'í-Tempel in Deutschland können Sie hier mehr lesen.
     

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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