Die Antworten der Bahá'í auf die aktuellen politischen und sozialen Turbulenzen

Die Antworten der Bahá'í auf die aktuellen politischen und sozialen Turbulenzen in unserem Land und anderswo

Die besorgniserregenden Umstände, mit denen die Völker der Welt konfrontiert sind und die anhaltenden Probleme, die durch Uneinigkeit innerhalb und zwischen den Nationen verursacht werden, beschäftigen wohl jeden Weltenbürger.

In der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit 'Ein gemeinsamer Glaube' finden wir Bahá'í eine Aussage dazu, was wir tun müssen:

»Um auf die geistigen Nöte ihrer Mitmenschen adäquat antworten zu können, müssen die Bahá’í die relevanten Probleme besser verstehen lernen. Die dafür erforderliche Anstrengung des Denkens kann man möglicherweise mit dem Hinweis würdigen, dass die vielleicht am häufigsten und immer wieder eindringlich wiederholte Ermahnung in den Schriften ihres Glaubens ist: zu „meditieren“, „nachzudenken“ und zu „reflektieren.“«

Zu diesem wichtigen Thema finden wir in der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 1. Dezember 2019 weitere Gedanken:

»Die Bahá’í werden sich natürlich immer Gedanken um den Zustand der Welt machen. Das Wohlergehen der Menschheit, ihr Frieden und ihre Ruhe sind der beständige Wunsch und das Anliegen all jener, die sich Bahá’u’lláhs Ermahnung zu Herzen genommen haben: „Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt.“«

Hinsichtlich der Beziehung der Bahá'í zu Politik tritt der Bahá'í-Glaube für den Frieden durch Einheit der Menschheit ein. Er ist vielleicht die einzige Instanz in der Welt, die bei allen Äußerungen und allem Tun in dieser Hinsicht das Wohl der gesamten Menschheit als Ziel verfolgt - und zwar ohne die geringste Bevorzugung oder Benachteiligung irgendeiner Gruppe. Seine Glaubwürdigkeit in dieser Hinsicht kann der Glaube nur aufrecht erhalten, wenn er sich kompromisslos von allen politischen Auseinandersetzungen fernhält. Diese Haltung kann bei Menschen, die den Glauben nicht zur Genüge kennen, die falsche Einschätzung und den Vorwurf hervorrufen, ihm sei das Schicksal der Menschen gleichgültig. Da können wir aber informieren und Aufklärung betreiben. Wir können zum Beispiel auf die Aufrufe der Internationalen Bahá'í-Institutionen, einschließlich des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, hinweisen - und auf die Aktivitäten im Rahmen der verschiedenen UNO-Gremien. Weiter zitiert das Universale Haus der Gerechtigkeit:

»„Sprich kein Wort über Politik“, war der Rat ‘Abdu’l-Bahás an eine Gläubige, und Er fügte hinzu: „Erwähne die Könige der Erde und die weltlichen Regierungen nur, um Gutes über sie zu sagen.“«

»Shoghi Effendi warnte davor, dass wir nicht zulassen dürften, dass unser Verständnis des Glaubens getrübt werde „durch den Schmutz und den Staub weltlicher Ereignisse, die, so schillernd und weitreichend in ihren unmittelbaren Auswirkungen sie auch sein mögen, doch nur die flüchtigen Schatten einer unvollkommenen Welt sind“.«

Worauf sollten wir achten, wenn wir die Sozialen Medien nutzen? - Ein Instrument, was sehr schnell viele Menschen erreichen und falsche Meinungen formen kann.

»Vieles, was als harmlos oder gar gut gemeint angesehen wird, befördert bei näherer Betrachtung das Vertiefen sozialer Gräben, schürt Differenzen zwischen entgegengesetzten Gruppen, verfestigt Meinungsverschiedenheiten und schiebt dabei Möglichkeiten zu Konsens und der Suche nach Lösungen beiseite.«

Weitere Grundsätze müssen manchmal sogar noch gewissenhafter eingesetzt werden:

»Zu diesen Grundsätzen gehören das Verbot der üblen Nachrede, der Rat, die Welt mit eigenen Augen und nicht mit den Augen anderer zu sehen, die Notwendigkeit, die Einheit der Menschheit hochzuhalten und eine Denkweise von „wir“ und „ihr“ zu vermeiden, sowie die Prinzipien der Beratung und die damit verbundenen notwendigen Regeln des Anstands.«

Was bieten die Bahá'í weltweit an? - Zum Beispiel Programme zur Alphabetisierung, Kurse zur Werteerziehung sowie in manchen Fällen Kurse für „weiterführende Bildung“. Sich unter allen Umständen für die Bildung und Erziehung von Mädchen und Jungen einzusetzen ist ein großes Ziel. Dazu lesen wir in der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 09. November 2018:

»Bemühungen, bei denen Herausforderungen unterschiedlichster Art angegangen werden, darunter die allgemeine Bildung von der Vorschule bis zur Universität, Alphabetisierung, Gesundheit, Umwelt, Unterstützung von Geflüchteten, Frauenförderung, die Freisetzung des Potenzials von Juniorjugendlichen, die Beseitigung von Rassenvorurteilen, Landwirtschaft, lokale Wirtschaft und Dorfentwicklung.«

Als Führung für uns wollen wir einmal kurz Gegensätze weiterer Prinzipien betrachten, welche uns bei den politischen und sozialen Turbulenzen helfen können in der heutigen Welt eine Richtschnur zu finden:

1. Ehrlichkeit im Vergleich zur Unehrlichkeit:

»Die Besserung der Welt kann durch reine und gute Taten, durch lobenswertes und geziemendes Verhalten erreicht werden.«

(Das Universale Haus der Gerechtigkeit, 09. November 2018)

2. Wahrheit im Vergleich zu Lügen und Verleumdungen:

»Wahrhaftigkeit ist die Grundlage aller menschlichen Tugenden.«

(‘Abdu’l-Bahá, zitiert von Shoghi Effendi in 'Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit')

3. Keuschheit im Vergleich zu korrupten Neigungen:

»Lasst euer Auge keusch, eure Hand getreu, eure Zunge wahr und euer Herz erleuchtet sein.«

(Bahá'u'lláh, 'Botschaften aus ‘Akká')

4. Ziviler Diskurs im Vergleich zur Arroganz:

»Freundlicher Zuspruch ist ein Magnet für die Menschenherzen. Er ist das Brot des Geistes, er verleiht den Worten Bedeutung und ist die Quelle des Lichts der Wahrheit und des Verstehens.«

(Bahá'u'lláh, 'Brief an den Sohn des Wolfes')

5. Versöhnung im Vergleich zu Konflikten:

»In dieser heiligen Sendung ist keinerlei Streit und Zank gestattet. Jeder Angreifer beraubt sich der Gnade Gottes.«

(Bahá'u'lláh, 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs)

6. Frieden im Vergleich zu Krieg:

»Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens. Ein Hassgedanke muss durch einen mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden. Kriegsgedanken zerstören alle Eintracht, Wohlfahrt, Ruhe und Freude.«

(‘Abdu’l-Bahá, 'Ansprachen in Paris')

7. Geistiger Adel im Vergleich zur Unmenschlichkeit:

»Reich erschuf Ich dich, warum machst du dich selbst arm? Edel erschuf Ich dich, warum erniedrigst du dich selbst?«

(Bahá'u'lláh, 'Verborgene Worte')

8. Freiheit mit oder ohne Grenzen:

»Wisst, dass die Verkörperung der Freiheit und ihr Sinnbild das Tier ist. Was dem Menschen ziemt, ist, dass er sich in Schranken fügt, die ihn vor seiner eigenen Unwissenheit beschützen und vor dem Schaden des Unheilstifters bewahren.«

(Bahá'u'lláh, 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs)

9. Föderalismus im Vergleich zum Bau von Trennmauern:

»Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.«

(Bahá'u'lláh, 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs)

10. Globalismus im Vergleich hasserfülltem Nationalismus:

»Es rühme sich keiner, dass er sein Land liebt, weit eher, dass er das Menschengeschlecht liebt.«

(Bahá’u’lláh, 'Botschaften aus ‘Akká')

11. Einheit der Menschheit im Vergleich zum Hass auf Einwanderer:

»Ihr seid die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Verkehrt miteinander in größter Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Brüderlichkeit.«

(Bahá'u'lláh, 'Brief an den Sohn des Wolfes')

12. Religiöse Versöhnung oder anhaltende Trennung:

»Dies ist Gottes unveränderlicher Glaube, ewig in der Vergangenheit, ewig in der Zukunft.«

(Bahá'u'lláh, 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs)

In der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 3. November 1980 lesen wir weiter zur Frage der Völker und dem Wunsch nach der Einheit der Menschheit:

»Jede Institution dieser göttlich erschaffenen Ordnung ist eine weitere Zuflucht für die bestürzten Völker; jede Seele, die durch das Licht dieser heiligen Botschaft erleuchtet wird, ist ein weiteres Bindeglied in der Einheit der Menschheit, ein weiterer Diener, der die Nöte einer kranken Welt zu beheben hilft. Selbst wenn die Bahá'í-Gemeinden in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren vom Weltzentrum abgeschnitten oder voneinander getrennt werden sollten - wie mit einigen bereits geschehen - , werden die Bahá'í weder schwanken noch zögern.«

Nach den Bahá'í-Schriften sind die Schwierigkeiten unserer Zeit Symptome eines Grundproblems: der Uneinigkeit. Diese ist nur durch die geistige Verwandlung der Menschenherzen und der Gesellschaft zu lösen, wie sie der Bahá'í-Glaube ins Auge fasst.

Ein Auszug aus der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 20. Oktober 2008 zur Macht, welche dem Bahá'í-Glauben innewohnt, worin wir lesen:

»Von diesen Gedanken erfüllt wenden wir unsere Herzen immer wieder im Gebet Bahá'u'lláh zu und flehen Ihn an, Seine Anhänger durch Seine unfehlbare Gnade zu stärken. In solchen Momenten flehen wir Ihn an, ihre Seelen mit dem Licht der Erkenntnis und des Glaubens zu erleuchten. Lasst sie die Macht nicht unterschätzen, die dem System innewohnt, welches sie derzeit für die Verbreitung Seines Glaubens in Aufstellung bringen, noch das wahre Ziel des globalen Unterfangens, zu dem sie aufgebrochen sind, missverstehen. Lasst sie nicht abweichen von dem Pfad des Lernens, auf den sie sich begeben haben, noch abgelenkt werden durch die vergänglichen Bestrebungen einer verwirrten Gesellschaft.«

»Lasst sie nicht darin versagen, den Wert der Kultur zu schätzen, die nun in der Gemeinde verwurzelt ist; eine Kultur, die das systematische Studium des Schöpferischen Wortes in Kleingruppen voran treibt, um dadurch die Befähigung zum Dienst aufzubauen. Lasst sie niemals die zwingende Notwendigkeit vergessen, sich der Nöte der Kinder der Welt anzunehmen und ihnen Unterricht anzubieten, der ihre geistigen Fähigkeiten entwickelt und die Grundlagen für einen edlen und aufrechten Charakter legt. Lasst sie die volle Bedeutung ihrer Bemühungen erkennen, jungen Menschen zu helfen, in den frühen Jahren ihres Heranwachsens eine starke moralische Identität aufzubauen und sie zu ermächtigen, zum Wohlergehen ihrer Gemeinden beizutragen.«

»… Mögen sie alle miteinander mit Standhaftigkeit und Treue ausgestattet werden und den Mut erhalten, jedwedes Opfer zu bringen, das notwendig ist, ... Durch die Rechtschaffenheit ihrer Lebensführung, die Aufrichtigkeit ihrer Liebe für ihre Mitmenschen und den Feuereifer ihres Wunsches, den Völkern der Welt zu dienen, mögen sie die von Bahá'u'lláh verkündete Wahrheit verfechten, dass die Menschheit eins ist. Mögen sie emsig bemüht sein, Freundschaftsbande zu knüpfen, die den üblichen sozialen Barrieren keine Beachtung schenken, und sie ohne Unterlass alles dafür tun, Herzen in der Liebe zu Gott zu verbinden. Dass sie die tiefgreifenden Auswirkungen ihrer Aufgabe erkennen mögen, ist unsere sehnliche Hoffnung. Dass sie nicht zögern mögen, ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, ganz gleich, wie schwer die Krisen sind, die die Welt, die sie umgibt, verschlingen, ist unser innigstes Gebet an der Heiligen Schwelle.«

Wir schließen diesen Artikel mit den Ruhmesworten Bahá'u'lláhs aus dem Buch 'Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs' über unsere Heimat Erde:

»Dies ist der Tag, da die Welt des Unsichtbaren ausruft: »Groß ist deine Seligkeit, o Erde, denn du wurdest zum Schemel deines Gottes gemacht und zum Sitz Seines mächtigen Thrones auserkoren.« Das Reich der Herrlichkeit verkündet: »Könnte doch mein Leben ein Opfer für dich sein, denn Er, der Geliebte des Allerbarmers, hat auf dir Seine Herrschaft errichtet durch die Macht Seines Namens, der allem Vergangenen und Künftigen verheißen ist.« Dies ist der Tag, da jeder liebliche Duft seinen Wohlgeruch aus dem Duft Meines Gewandes zieht, eines Gewandes, das seinen Duft über die ganze Schöpfung verbreitet. Dies ist der Tag, da sich die rauschenden Wasser ewigen Lebens aus dem Willen des Allbarmherzigen ergießen. Eilt euch mit Herz und Seele und trinkt euch satt, o Scharen der Höhe!«

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