Als Erfurter auf Pilgerreise in Haifa

Als Erfurter auf Pilgerreise in Haifa und im Heiligen Land

Im meinem Leben hatte ich schon mehrmals die Gelegenheit das Heilige Land zu besuchen. Das letzte Mal waren wir gemeinsam mit der Familie auf Pilgerfahrt. Wenn ich mir Abdu'l-Bahás Aussage ins Gedächtnis rufe, dass der Besuch der Heiligen Schreine »verpflichtend« ist, »sofern man es sich leisten kann und dazu in der Lage ist und sonst kein Hindernis im Wege steht«, danke ich Gott, dass wir es uns in Deutschland einfach so leisten können eine Reise ins Heilige Land zu machen.

Wir waren eine Gruppe von etwa 250 Pilgern aus der ganzen Welt. Alle 14 Tage beginnt eine solche Pilgerreise. Dann kommen Bahá'í aus aller Welt in Haifa zusammen - neun Tage lang. Gemeinsam begehen sie die Begrüßung und die Verabschiedung. Dazwischen besuchen sie in Kleingruppen die heiligen Stätten. Viel Zeit wird gewidmet dem Beten in den heiligen Schreinen und zum gemeinsamen Austausch mit den vielen Pilgern. Jedes Jahr kommen Tausende von Pilgern aus aller Welt, um in den Schreinen zu beten und zu meditieren - und um die anderen heiligen Bahá’í–Stätten in der Umgebung von Haifa und Akká zu besuchen.

Abdu'l-Bahá schrieb an einen Pilger: »Danke Gott, dass du zu dem Gesegneten Ort gekommen bist, deine Stirn auf die Schwelle des Heiligen Schreins gelegt und eine Wallfahrt gemacht hast zu dem erhabenen Heiligtum, um welches die Vertrauten des geistigen Reiches in Anbetung kreisen.«

An diesen Heiligen Orten, fühlt man sich wie in einer anderen Welt: der Besuch der Heiligen Orte, der Austausch mit den Pilgern aus der ganzen Welt, Tage, Stunden voller Energie, Liebe und Erkenntnis.

Diese Pilgerreisen inspirieren nicht nur die Gläubigen, die daran teilnehmen, sondern tragen, da sie Bahá’í aus aller Welt zusammenbringen, auch dazu bei, dem Glauben den nötigen sozialen Zusammenhalt zu geben.

»Die Pilgerreise «, hebt die Höchste Körperschaft hervor, »ist eine der göttlichen Verordnungen, die im Heiligsten Buche niedergelegt sind. Aussagen, die vom geliebten Hüter gemacht wurden, lassen erkennen, dass die Pilgerreise zu den Heiligen Schreinen zu einem Mittel werden kann, das dazu verhilft, die mystische Liebe zu erfahren, die den Kern jeder wahren Religion ausmacht‘, eine ‚klarere Vision von der Mission und der Bedeutung des Glaubens‘ zu erlangen und ‚die Freunde mit neuer Kraft zu beleben und sie zu größeren Diensten und Opfern anzuspornen‘.«

Auf meinen Pilgerreisen konnte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren: beten, meditieren, eintauchen in die Geschichte des Bahá'í-Glaubens, was einen guten Effekt auf die eigene Geistigkeit hat.

Jedes einzelne Wort der gesprochenen oder gesungenen Gebete und Texte dringt direkt ins Herz. Diese Texte geben Antworten auf Fragen, die mich schon lange bewegen. Hier durften wir spüren, wie es ist, wenn Herzen verbunden werden.

Wann werden sich auch hier in Thüringen die Herzen öffnen? Ich bete seit Jahren inständig darum, gemeinsam mit Gleichgesinnten den Pfad des Dienens beschreiten zu dürfen.
 

Eine noch junge Religion

Bahá'í ist eine junge Religion. Die Pilger können in Haifa & Umgebung viele Stätten und Gebäude besichtigen, an denen die zentralen Figuren des Glaubens gelebt haben. In den Bahá'í-Gärten, die am Hang des Berges Karmel liegen, führen die Treppen hinauf zum Grabmal mit der goldenen Kuppel: Der Schrein des Báb ist das Wahrzeichen Haifas. Der Religionsstifter Bahá'u'lláh, dessen 200. Geburtstag wir 2017 auch in Erfurt feierten, wurde 1892 im Landhaus Bahji, in der Nähe der Küstenstadt Akká beerdigt. Die Unesco nahm auch diese Bahá'í-Pilgerstätte in West-Galiläa 2008 in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Der Bahá'í-Glaube, der von Bahá'u'lláh begründet wurde, entstand nach Bahá'u'lláhs Verbannung aus Persien um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts im Irak. Nach längerer Verbannung des Stifters, zuletzt nach der türkischen Strafkolonie Akká, und späterhin nach Seinem Tod und Seiner Beisetzung bei Akká, hat der Glaube sein endgültiges Zentrum im Heiligen Land gefunden. Das Verwaltungszentrums für die ganze Welt liegt in der Stadt Haifa am Berge Karmel.

Die Bahá'í-Religion hat nur wenige Rituale, das heißt beispielsweise auch, dass jeder im Allgemeinen beten kann, wie er möchte: im Sitzen, Stehen oder auf den Knien, laut oder still. Neben den besonderen Momenten in den Schreinen des Báb und Bahá'u'lláhs ist der Besuch und die Begrüßung der höchsten Körperschaft der Bahá'í, des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, ein besonderes Erlebnis.

Die Lehren der Offenbarer bauen aufeinander auf. Zu diesen zählen Moses, Jesus Christus, Mohammed, aber auch Krischna, Zarathustra und Buddha. Mit jeder Religion habe die Menschheit also nicht etwas Neues erhalten, sondern ein bisschen mehr zum Alten hinzubekommen. Im Kern haben die Religionen immer die gleichen Aussagen. Was uns trennt, sind die Gebote des Alltags und Bahá'u'láh begreift sich nicht als das Ende der Offenbarungskette, sondern in einer ferneren Zukunft von frühestens 1000 Jahren wird eine weitere Offenbarung erwartet.

 

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Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Über den Autor

Helmut Winkelbach, Bahá’í Gemeinde Erfurt

Helmut, Sekretär und Webmaster der Gemeinde, hatte 1970 den ersten Kontakt mit der Bahá'í-Religion und erklärte sich 1974 zum Bahá'í-Glauben. Über 30 Jahre lebte Helmut in Belarus und half dort die Bahá'í-Gemeinde mit aufzubauen. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Erfurt. Der interreligiöse Bereich und die Förderung der jungen Generation sind besondere Anliegen von Helmut.

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